, 22.11.2020

Im E-Sport nimmt Cyber Mobbing weiter zu. Am vergangenen Mittwoch präsentierte das ADL Center for Technology and Society [Seite auf Englisch] eine Studie, der zufolge 81 % der US-amerikanischen Online-Gamer bereits Belästigungen verschiedenster Art erlebt hätten.

 

Nach Aussage der ADL sei beim Cyber Mobbing im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 7 % zu verzeichnen gewesen. Zugleich sei bei gravierenden Fällen des Cyber Mobbings ebenfalls eine Zunahme gemessen worden.

 

Bedrohungen und Stalking

Hierzu zählt die ADL physische Drohungen, Online-Stalking sowie Beleidigungen im sexuellen, rassistischen oder religiösen Sinn. Insgesamt liege der Anteil der Spieler, die eine dieser Erfahrungen gemacht hätten, bei 68 % und damit um 3 % über dem Vorjahr.

Die ADL (Anti-Defamation League) ist eine US-Organisation, die sich gegen die Diskriminierung von Juden einsetzt. Für die Studie hatte sie im Juli 1.009 Spieler im Alter von 18 bis 45 Jahre befragt, die sich als Zugehörige von Minderheiten in religiöser (Juden, Muslime), ethnischer (Afroamerikaner, Latinos, Asiaten) oder sexueller (LGBTQ) Hinsicht bezeichnen.

Besonders besorgniserregend sei der überdurchschnittliche Anstieg des Online-Stalkings, von dem 44 % der Spieler berichteten. 12 % von ihnen hätten sogar angegeben, dass dies bis zum versuchten „swatting“ gereicht habe.

 

Bei dieser kriminellen Form des Telefonstreichs versucht der Urheber, seinem Gegner mithilfe eines vorgetäuschten Hilferufs bei der Polizei ein Sondereinsatzkommando (in den USA SWAT-Team genannt) auf den Hals zu hetzen.

 

Der ADL-Vorsitzende Jonathan Greenblatt erklärte bei Veröffentlichung der Studienergebnisse:

Schon vor COVID-19 waren Online-Spiele sehr beliebt, aber die Pandemie hat mehr Menschen dazu gebracht, nach virtueller Unterhaltung zu suchen. Leider bedeuten mehr Spieler, dass mehr Menschen Hass ausgesetzt sind. Tatsächlich ist das Online-Spielerlebnis von etwa 34 Millionen Erwachsenen in den USA von Hass und Belästigung geprägt.

Außerdem hätten jeweils etwa 10 % der Befragten berichtet, in den Chat-Foren mit rassistischen Aussagen rund um eine angebliche Vorherrschaft der Weißen oder mit antireligiösen Tiraden konfrontiert worden zu sein.

 

Doch auch bei verbalen sexuellen Übergriffen sei ein erschreckendes Ausmaß zu verzeichnen, so die ADL. Demnach hätten 41 % aller befragten Frauen und 37 % der LGBTQ-Community entsprechende Hassbotschaften erhalten. Vergleichbares sei 18 % aller Spieler jüdischen und 25 % der Spieler muslimischen Glaubens widerfahren.

 

Die Folge sei, dass aufgrund des Cyber Mobbings nun 40 % der Befragten genauer prüften, mit wem sie chatteten, während 28 % derjenigen, die zuvor verunglimpft worden seien, die Spiele ganz mieden.