, February 22, 2019

Im Sportausschuss des deutschen Bundestages fand am 20. Februar eine Anhörung statt, in der sich Mitglieder des eSport-Bundes Deutschland (ESBD), Veronika Rückert, die Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), sowie Vertreter der Parteien erneut über die Anerkennung des eSports als Sportart, ihre Entwicklung und die möglichen Fördermöglichkeiten austauschten.

 

Im Rahmen dieser Debatte legten die Vertreter der Parteien dar, wie sie eSports definierten. Allerdings kam es wieder zu keinem Konsens oder erkennbaren Fortschritten zugunsten des virtuellen Sports, ganz im Gegenteil: Der DOSB und der ESBD schienen sich weiter voneinander zu entfernen.

 

DOSB vs. ESBD: nur geringe gemeinsame Interessen

Hans Jagow, der Präsident des ESBD, sagte, er wolle eine Dialogbestrebung auf gleichberechtigter Ebene und eSports solle als Sportart gesehen werden. Nur dann könne es zu einem produktiven Dialog und zu einer effizienten Zusammenarbeit kommen.

 

Er führte weiterhin aus:

„Es gibt wenig Offenheit für Neues. Da muss sich der DOSB an vielen Stellen noch Da muss sich der DOSB an vielen Stellen noch bewegen. Wir werden diesen Dialog auf Augenhöhe suchen und nicht als kleine Bewegung, die sich neben dem Sport entwickelt hat.“

Die Seite des DOSB sieht nur wenige Schnittstellen bei der Betrachtung des traditionellen Sports und des eSports. So sagte Veronika Rückert, die DOSB-Vorstandsvorsitzende, dass man zwar erkenne, dass es sich um ein jugendkulturelles Phänomen handle, das auch im Alltag zunehmend verankert sei, aber man sehe nur wenige Gemeinsamkeiten darin, was den DOSB unter dem Dach des organisierten Sports bewege.

 

Sie sagte außerdem:

„Wir sehen tatsächlich nur einen Anknüpfungspunkt über die virtuellen Sportarten, aber eben nicht darüber hinaus. Ich würde nicht behaupten, dass die Schnittmenge heute größer geworden ist. Für uns geht es um die Inhalte und den ganz klaren Sportkontext und den Sportbezug.“

Jagow widersprach dieser Ansicht und führte aus, dass eSports übergreifende Komponenten aufweise, die auch sportfachlich ganz klar als Sportart zu definieren seien. Es sei wenig sinnvoll, hier aufzuspalten. Der DOSB gehe nicht vom Menschen aus, sondern von den Bildschirminhalten. Aus Sicht des ESBD sei dies aber der falsche Ansatz.

 

Gefahr des Abweichens vom Koalitionsvertrag?

Es hatte den Anschein, als distanzierten sich auch aus den Reihen der Politik einstige Befürworter des eSports und könnten damit sogar den Koalitionsvertrag in Frage stellen. Einige Spiele sollen dabei sogar als nicht-förderungswürdig bezeichnet worden sein.

Vor einem Jahr, im Februar 2018, wurde in dem veröffentlichten Koalitionsvertrag festgehalten, dass die wachsende Bedeutung der eSports Landschaft in Deutschland anerkannt werde, denn der digitale Sport schule wichtige Fähigkeiten.

 

Fußball Videospiel, Spieler

Laut Koalitionsvertrag soll eSports gefördert werden. (Bild: pixabay.com)

 

Diese seien nicht nur in der digitalen Welt von Bedeutung, denn eSports erfordere Training und Sportstrukturen. Daher werde eSports künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkannt und erhalte die Unterstützung bei der Schaffung einer olympischen Perspektive.

Für den ESBD war dieser Beschluss von enormer Bedeutung, denn damit wurde auch finanzielle Förderung in Aussicht gestellt.

 

Doch nach der Anhörung könnte es geschehen, dass sich der eSports nun um seine Anerkennung als Sportart mehr denn je bemühen muss. Vor allem die SPD schien sich klar vom virtuellen Sport zu distanzieren. Doch auch die Konservativen hätten ein Abweichen von den Zielen des Koalitionsvertrags gezeigt.

 

So sagte Detlev Pilger, der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion:

“In der heutigen Anhörung des Sportausschusses sind die Dynamiken und Entwicklungen des eSports in Deutschland deutlich geworden. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass eSport bis auf wenige Ausnahmen nicht den Ansprüchen einer Sportart genügt.“

Die Aussage von Pilger sei für Jarow ein klarer Widerspruch dessen, was vor einem Jahr im Koalitionsvertrag festgehalten worden sei. Denn wie Pilger weiter ausführte, wolle die SPD nur noch die Gemeinnützigkeit der eSports Organisationen anerkennen.

 

Was ist schlimmer? Die virtuelle oder die reale Gewalt?

Politiker und die Sportverbände unternahmen im Rahmen der Anhörung auch den Versuch, „gut“ und „böse“ zu trennen. In den Fokus der Debatte rückten Ego-Shooter wie Call of Duty & Co.

 

Johannes Steiger, Abgeordneter der CDU, sagte, dass die Gemeinnützigkeit für Ego-Shooter Spiele nicht akzeptiert werden dürfe. Auch sollten seiner Meinung nach Spiele mit einer Altersbeschränkung ab 16 Jahren ausgeschlossen werden:

„Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit für Spiele, die explizit Gewalt beinhalten, sollte nicht zur Debatte stehen. Shooter-Spiele wie ‚Counter Strike‘ bewegen sich außerhalb der vom Sport akzeptierten und geförderten ethischen Grenzen.“

Marcel Klinge, Abgeordneter der FDP, äußerte, dass es mit seinem persönlichen „Wertegerüst“ nicht vereinbar sei, wenn die Zuschauer in der Halle jubelten, wenn jemandem in den Kopf geschossen werde.

 

Fechtkampf

Beim Fechten wird das Töten des Gegners simuliert. (Bild: pixabay.com)

Bei der Diskussion über Gewalt bei eSports sollten sich Politiker vielleicht die Frage stellen, inwieweit anerkannte Sportarten auch Gewalt beinhalten können. Man denke hier an Boxen, UFC oder sogar Fechten.

 

Ein Blick hinter die Grenzen Deutschlands zeigt, dass es auch anders funktionieren könnte. In Asien ist eSports längst anerkannt und Bestandteil des Alltags, in Dänemark wird der digitale Sport bereits in der Schule gefördert.

 

Werden sich Politik, DOSB und ESBD einigen können, um einen gemeinsamen Weg zu beschreiten, der für alle Beteiligten gangbar ist?