, 24.12.2019

Nie zuvor ist das Bewusstsein über eSports so groß gewesen wie im Jahr 2019. Der einstige Nischensport zieht heute weltweit Millionen von Zuschauern in seinen Bann und generiert seit einigen Jahren ständig steigende Umsätze.

 

Auch für das Jahr 2020 sehen die Prognosen äußerst vielversprechend aus und Gamer und Fans dürfen sich auf zahlreiche Top Events freuen.

 

Doch welche Länder werden künftig die eSports-Zügel in die Hand nehmen? Kann der deutsche eSports-Markt langfristig mithalten?

 

Umsätze schießen weltweit in die Höhe

Noch vor wenigen Jahren hätten nur die wenigsten erwartet, dass eSports in naher Zukunft weltweit zu einem milliardenschweren Geschäft werden würden. Doch bereits Anfang des Jahres sagten Experten voraus, dass noch in diesem Jahr die 1 Mrd. Dollar Hürde erreicht werden würde.

 

Laut der deutschen Online Statistikdatenbank Statista haben sich die Umsätze aus dem eSports damit zwischen 2012 und 2019 um fast 750 % erhöht. Der jährliche Anstieg liegt dabei bei durchschnittlich 30 %.

 

eSportler spielen

Experten prognostizieren weiterhin starkes Wachstum (Bild: Pexels)

Von dieser Wachstumsrate ausgehend schätzen Branchenanalytiker, dass der eSports-Markt im Jahr 2022 zirka 1,79 Mrd. US-Dollar generieren wird.

 

Das Marktforschungsinstitut Newzoo [Seite auf Englisch], welches sich auf eSports, Gaming und Mobiles spezialisiert hat, liefert indes Einblicke in die genauen Herkünfte der eSports-Einnahmen.

 

Im Jahr 2018 seien 77 % des Gesamtumsatzes der Branche durch direkte und indirekte Investitionen erzielt worden. Dazu zählen Sponsorenpartnerschaften, Werbeverträge und Medienrechte.

 

Sponsorenpartnerschaften machten hierbei mit 40 % den Löwenanteil aus, gefolgt von Werbung mit 19 % und Medienrechten mit 18 %.  Die restlichen 23 % des Gesamtumsatzes teilten sich auf direkte Verkäufe von Spielen, Merchandising-Artikeln und Eventtickets auf.

Die Top 5 eSports-Games 2019

 

Platz 1: Fortnite

 

349 offizielle Turniere – 2.273 Profigamer – Gesamtpreispool von > 64,3 Mio. USD

 

Platz 2: Dota 2

 

194 offizielle Turniere – 1.254 Profigamer – Gesamtpreispool von > 46,2 Mio. USD

 

Platz 3: Counter-Strike: Global Offensive

 

598 offizielle Turniere – 3.492 Profigamer – Gesamtpreispool von > 18,3 Mio. USD

 

Platz 4: PLAYERUNKNOWN’S BATTLEGROUNDS

 

64 offizielle Turniere – 1.063 Profigamer – Gesamtpreispool von > 12,4 Mio. USD

 

Platz 5: Overwatch

 

54 offizielle Turniere – 1.092 Profigamer – Gesamtpreispool von > 9,1 Mio. USD

Ebenso wie die Umsätze sind auch die Zuschauerzahlen der Profi-eSports-Events in den letzten Jahren stetig angestiegen. Laut Newzoo verfolgten im Jahr 2017 insgesamt 335 Mio. Menschen die verschiedenen Turniere.

 

Im Jahr 2018 sei die Gesamtzahl bereits auf 380 Mio. eSports-Interessierte angewachsen und für das Jahr 2021 erwarte man insgesamt 557 Mio. regelmäßige Zuschauer.

 

Die am meisten genutzten Plattformen zum Verfolgen der eSports-Events seien dabei Twitch und YouTube.

 

Deutschland am Scheideweg

Während an dem globalen Erfolg der eSports keinerlei Zweifel bestehen, stellt sich die Frage, wie die Zukunft des digitalen Profi-Gamings in Deutschland aussehen wird.

 

Noch immer weigert sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), eSports überhaupt als eine Sportart anzuerkennen. Auch auf politischer Ebene fehlt es den eSports noch immer an Rückhalt und finanzieller Förderung.

 

Besonderen Einsatz zeigten in diesem Jahr jedoch FDP und die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen innerhalb des niedersächsischen Landtags. Die Parteien kritisierten, dass der Bund nicht genügend in die eSports-Zukunft investiere und damit eine wichtige Chance verpasse. Auf der Webseite der FDP heißt es dazu:

Nachdem die deutschen Entwickler in diesem Jahr zum ersten Mal 50 Millionen Euro Förderung erhielten, fehlen die Mittel dafür im kommenden Bundeshaushalt wieder […] Dabei ist die Gamer- und Entwicklerszene ein ideales Feld für Startups und ein Garant für hochwertige Arbeitsplätze. Für die Freien Demokraten ist es daher unverständlich, dass die Bundesregierung herumeiert und es nach wie vor offenlässt, ob sie die Games-Förderung weiterführt.

Aktuell zählt Deutschland zumindest innerhalb von Europa noch zu den stärksten eSports-Märkten. Laut einer im August veröffentlichten Marktforschungsstudie wurde hierzulande im Jahr 2018 mit eSports ein Gesamtumsatz von 70 Mio. Euro generiert, was 29 % des gesamten europäischen eSports-Umsatz entspricht.

 

Obwohl für das Jahr 2023 ein Umsatzanstieg auf bis zu 180 Mio. Euro zu erwarten sei, hänge Deutschland in puncto technologischem Fortschritt und Virtual Reality weit hinter vielen anderen Ländern hinterher.

Ohne gezielte Investitionen in diese Bereiche könnte Deutschland daher seinen Platz in der Avantgarde in wenigen Jahren verlieren.