Dienstag, 04. Oktober 2022

Europol-Bericht: Organisierte Kriminalität im Sport auf dem Vormarsch

Maenner vor Gaststaette mit asiatischen Schriftzeichen

Europol sieht ein gestiegenes Manipulationsrisiko im internationalen Sport. In einem in dieser Woche veröffentlichten Bericht warnt die europäische Strafverfolgungsbehörde insbesondere vor mafiösen Strukturen aus dem europäischen und asiatischen Raum.

Hochprofitabel und risikoarm

Unter dem Titel The involvement of organised crime groups in sports corruption (dt. Die Verwicklung von Gruppen der organisierten Kriminalität in die Korruption im Sport) veröffentlichte Europol am Mittwoch aktuelle Erkenntnisse [Seite auf Englisch] zur Integrität des europäischen Sports.

Die Ermittler gehen von jährlich rund 120 Mio. Euro aus, die durch Spielmanipulation und Wettbetrug in die Kassen des organisierten Verbrechens flössen. Zudem nutzten die kriminellen Verbünde (OCGs) Sportwetten vermehrt, um Gelder aus anderen illegalen Geschäftsfeldern zu waschen. Ein Ende dieser Vorgänge sei derzeit nicht abzusehen, so der Bericht:

Alles in allem wird die von illegalen Wetten angeheizte Spielmanipulation von Kriminellen als hochprofitables und relativ risikoarmes Verbrechen angesehen. Global tätige OCGs und mafiaartige Organisationen haben in den vergangenen Jahren anhaltendes und verstärktes Interesse daran gezeigt, in dieses lukrative Geschäft „zu investieren“ und es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend in naher Zukunft nicht ändern wird.

Technologie als kriminalitätsfördernder Faktor

Laut Europol sei eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen europäischen und asiatischen OCGs auszumachen. Hierbei seien in der EU beheimatete Strukturen oft maßgeblich für Spielmanipulationen verantwortlich. Sie koordinierten den Betrug, indem sie vor Ort unter anderem vor Sportler, Schiedsrichter und Funktionäre für ihre Zwecke einspannten.

Das Hauptgeschäft südostasiatischer und chinesischer Banden liege hingegen meist im Wettbetrieb.

Laut Europol findet rund 65 % des weltweiten Wettgeschehens im asiatischen Raum statt. Dies gelte sowohl für den regulierten als auch den unregulierten respektive illegalen Markt. Letzterer, so der Bericht, mache hier rund das Zehnfache des legalen aus.

Ein wichtiger Faktor bei der Betrachtung des internationalen Sport- und Wettbetrugs sei laut Europol-Bericht die fortschreitende Entwicklung technischer Möglichkeiten. So sei zu beobachten, dass die OGCs vermehrt auf Online-Lösungen setzten. Diese erleichterten nicht nur das Wetten, sondern auch die verschlüsselte Kommunikation und die Kontaktaufnahme zu Sportlern.

Ein weiteres Problem, aufgrund dessen die neuen Technologien als „kriminalitätsfördernder Faktor“ betrachtet werden könnten, sei die von OGCs massiv genutzte Möglichkeit, Gelder über Online-Zahlungsdienstleiter zu transferieren.

Der Bericht schließt mit dem Hinweis, dass Wett- und Spielmanipulation noch zu oft lediglich als Problem mit der Integrität des Sports wahrgenommen werde. Vielmehr handele es sich hierbei aber um ein hochlukratives Geschäftsfeld organisierter internationaler Netzwerke.

Deshalb, so die Aufforderung Europols, sollten sowohl die EU-Mitgliedsstaaten als auch grenzübergreifende Behörden der Bekämpfung der Korruption im Sport eine Priorität einräumen.