, 02.07.2020

Peter Sidlo, der ehemalige FPÖ-Bezirksrat und Ex-Finanzvorstand der Casinos Austria (CASAG), hat gestern vor dem Ibiza-Ausschuss ausgesagt. In Wien erklärte Sidlo, sich „weder strafrechtlich noch moralisch etwas vorzuwerfen“ zu haben.

 

Ins Fadenkreuz von Ermittlungen geriet Sidlo in der Affäre um einen vermeintlichen Postenschacher zwischen Novomatic, FPÖ-Spitzenpolitikern und den teilstaatlichen Casinos Austria.

Der Untersuchungsausschuss in Wien ermittelt, ob Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) und Novomatic Absprachen über die Vergabe von Casino-Lizenzen in Österreich getroffen haben könnten. Stein des Anstoßes war ein auf Ibiza aufgenommenes Video, in dem Strache erklärt: „Novomatic zahlt alle“.

Wie der österreichische ORF am Mittwoch berichtet hat, gehe die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) dem Verdacht nach, Sidlo sei über einen Deal zwischen dem Glücksspielkonzern Novomatic und der FPÖ in einen Vorstandsposten bei der CASAG „gehievt“ worden.

 

War Sidlo untauglich für den Job?

 

Hauptkritikpunkt an der Personalie Sidlo war dessen angebliche Untauglichkeit für den Posten des CASAG-Finanzvorstandes. Zweifel an der Eignung des 46-Jährigen hatten den Verdacht befeuert, der Ex-CASAG-Vorstand sei durch das Wohlwollen von FPÖ und Novomatic in sein damaliges Amt gelangt.

 

Gegen diese Unterstellung wehrte sich Sidlo gestern vor dem Untersuchungsausschuss. In Wien erklärte der Jurist, seine Erfahrung in der Privatwirtschaft habe ihn sehr wohl für den Posten befähigt.

 

Auch gegen die Behauptung, ein „Novomatic-Kandidat“ gewesen zu sein, sträubte sich Sidlo. Laut ORF habe Sidlo vor dem U-Ausschuss erklärt:

„Ich habe vor meiner Bewerbung weder beruflich noch privat mit dem Unternehmen zu tun gehabt (…). Es war so, dass die Novomatic meine Unterlagen in den Bewerbungsprozess eingebracht hat, nachdem sie sich von mir als Kandidaten überzeugt hatten.“

Sidlo habe vor der Bewerbung den Kontakt mit allen Eigentümern der Casinos Austria gesucht, die sich ein Bild von seiner Tauglichkeit gemacht hätten.

 

Grüne glauben Beteuerungen nicht

 

Bei der gestrigen Anhörung habe die österreichische Grünen-Fraktionschefin Nina Tomaselli Sidlo keinen Glauben geschenkt.

 

Dass Sidlo vor seinem Postenantritt mehrere Male den damaligen Novomatic-Vorstandsvorsitzenden Harald Neumann getroffen haben soll, deute auf ein „kleines Netzwerk im Bereich Glücksspiel.“ Eine Vermutung, die Sidlo mit einem Lächeln quittiert und verneint habe.

 

Wie sich das Verfahren weiter gestaltet, sollen die kommenden 13 Monate zeigen. Solange wird der Untersuchungsausschuss vermutlich noch tagen.