, 09.12.2019

Stewart Kenny, ehemaliger CEO des 1988 gegründeten Buchmachers Paddy Power, hat sich am Sonntag zu den Gründen seines Ausscheidens aus der Glücksspiel-Industrie geäußert.

 

Gegenüber dem australischen Nachrichtenportal ABC (Link auf Englisch) sagte der Ire, dass die Branche in der Vergangenheit nicht genug gegen Spielsucht unternommen habe und er selbst eine Mitschuld daran trage:

„Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte (…), wäre ich proaktiver gegen Spielsucht vorgegangen. Ich hätte den Schaden durch Spielsucht viel früher erkennen müssen, als ich es getan habe. Und ich muss einen Teil der Schuld tragen. Ich bin von Paddy Power zurückgetreten, weil die Industrie [Die Glücksspiel-Industrie, Anm. d. Red] meiner Meinung nach absolut nichts gegen die Spielsucht getan hat.“

Nach seinem Abgang als CEO gab Kenny im Jahre 2003 auch die Funktion des Vorsitzenden von Paddy Power auf, blieb jedoch bis zum Jahre 2016 Teil des Aufsichtsrats. Der 67-Jährige gilt als einer der wenigen hochrangigen Ex-Glücksspiel-Funktionäre, die aktiv für eine Verbesserung des Spielerschutzes plädieren und die Industrie öffentlich kritisieren.

 

Kenny weiß, wovon er spricht

 

Dass Kenny sich ausführlich zu den Gründen seines Ausscheidens äußert, scheint ein Novum zu sein. Zwar berichtete The Times bereits im Mai 2018 darüber, dass der ehemalige Manager ein Problem mit der mangelnden Spielerschutz-Politik des Glücksspiel-Konzerns habe, ein persönlicher Kommentar blieb allerdings aus.

 

Die nun veröffentlichten Reueworte fallen vor allem wegen Kennys tiefgehender Branchenkenntnis und seines Bildungshintergrundes schwer ins Gewicht. Der gelernte Buchmacher war nämlich nicht nur seit seinem 15. Lebensjahr im Glücksspiel-Geschäft tätig, sondern absolvierte eine Ausbildung zum Psychotherapeuten.

 

Kenny kombinierte beide Berufsfelder geschickt.

Die Personalie Stewart Kenny

Kenny begann seine Karriere im Glücksspielsektor im Alter von 15 Jahren. Nachdem er eine zweijährige Ausbildung beim Buchmacher Ladbrokes absolviert hatte, gründete er seine eigene Kette von Wettbüros, die Kenny O’Reilly Bookmakers.

 

Diese verkaufte er im Jahre 1986 an den Buchmacher Coral und gründete zusammen mit David Power und John Corcoran Paddy Power. Bis zum Jahre 2003 blieb Kenny Vorsitzender des Unternehmens Im Jahre 2016 gab er seine Position im Aufsichtsrat auf. Kennys Vermögen wird auf mehrere Hundert Millionen Euro geschätzt.

Seine Beobachtungen zu Außenpräsentation und Kundenwahrnehmung verband er in einfachen Geschäftskonzepten. So sollten Wettbüros immer gepflegt aussehen, ansonsten ginge von den Räumen eine „Verachtung“ gegenüber dem Spieler aus.

 

Welche Zustände kritisiert Kenny?

 

Eine rote Hand mit 18+ Aufschrift

Kenny setzt sich gegen Glücksspiel bei Minderjährigen ein. (Quelle: Pixabay)

Obgleich sich Kenny im Gespräch mit dem australischen Newsportal ABC für die Einführung statischer Einzahlungslimits ausgesprochen hat, gilt seine Hauptkritik nach wie vor der Spielsucht bei Kindern und Jugendlichen.

 

Schon im Oktober 2019 hatte Kenny den Einfluss von Glücksspielwerbung auf Heranwachsende in einem Interview mit dem britischen Radioprogramm BBC Radio 4 kritisiert. Ein konstanter Strom von Werbung führe zu einer „Normalisierung von Glücksspiel bei Kindern“, so Kenny.

 

Kinder bekämen den Eindruck, dass „Fußball und Glücksspiel dasselbe“ seien.

 

Die UK Gambling Commission, Großbritanniens Glücksspielaufsicht, geht derzeit davon aus, dass bereits bis zu 55.000 Kinder in Großbritannien ein problematisches Spielverhalten aufweisen.

 

Ein Umstand, an dem sich der Ex-Buchmacher eine Mitschuld gibt. Gegenüber der BBC räumte Kenny ein:

„Kinder werden eher abhängig als Erwachsene. Ich hätte es viel schneller sehen und schnell handeln müssen.“

Paddy Power in den Negativschlagzeilen

 

Nach Kennys Ausscheiden hat das Unternehmen in den letzten Jahren eine Fülle von Klagen gegen sich gesammelt. Hierbei stand auch das Thema Spielerschutz auf der Tagesordnung.

 

Im Dezember 2018 wurde bekannt, dass ein Betrüger gestohlene Geldmittel in Höhe von fast einer Millionen GBP bei Paddy Power verspielte, ohne dass das Unternehmen den Mann vorher genau überprüft hatte. Hierfür einigte sich der Konzern mit der britischen Glücksspielaufsicht auf eine Strafzahlung in Höhe von 2,2 Millionen GBP (ca. 2,6 Millionen Euro).

 

Eine hohe Geldstrafe, die die Firma aber womöglich weniger geschmerzt haben dürfte als die nun veröffentlichte, schwerwiegende Kritik ihres ehemaligen Chefs.

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