, 06.06.2020

Um Jugendlichen eine realistischere Vorstellung von Gewinnchancen im Glücksspiel zu vermitteln, hat die Gesundheitsbehörde der norditalienischen Provinz Modena zwischen 2015 und 2018 an 12 weiterführenden Schulen ein Mathe-Projekt der etwas anderen Art durchgeführt.

 

Wie die Regionalzeitung ModenaToday diese Woche berichtet hat [Seite auf Italienisch], seien rund 1.600 Schülerinnen und Schüler in das Projekt „Wahrscheinlich: Illusionen und Glücksspiel“ („ProbAbilmente: le illusioni e i giochi di fortuna“) involviert gewesen.

 

Zuständig für den speziellen „Quoten-Unterricht“ seien die Mathematiklehrer der jeweiligen Schulen gewesen. Im Fokus habe dabei auf Glücksspiel-Produkte angewandte Wahrscheinlichkeitsrechnung gestanden.

 

Die Schüler sollten beispielsweise errechnen, wie wahrscheinlich es sei, alle Lottozahlen richtig zu tippen oder wie viele Rubbellose jemand kaufen müsse, um garantiert den Hauptgewinn zu erzielen.

 

Auch sei ihnen vermittelt worden, dass vermeintliche Spielstrategien, mit denen Spieler ihre Gewinnchancen angeblich beeinflussen könnten, jedweder mathematischen Grundlage entbehrten.

Laut den jüngsten Statistiken des italienischen Gesundheitsministeriums wiesen im Jahr 2018 knapp 70.000 Minderjährige in Italien ein problematisches Spielverhalten auf. Zirka 12.500 Jugendliche befänden sich deswegen in Therapie. Zu den von Minderjährigen am meisten gespielten Glücksspielen zählten Rubbellose und Spielautomaten, da diese für Jugendliche oft leicht zugänglich seien. Doch auch die Beteiligung Minderjähriger am Online-Glücksspiel, insbesondere auf nicht regulierten Webseiten, steige seit Jahren.

Gestartet worden sei das Projekt, nachdem mehrere Studien ergeben hätten, dass die meisten Jugendlichen nur sehr oberflächliches Wissen über Glücksspiele und deren Risiken vorwiesen.

 

So sei ein großer Teil der minderjährigen Glücksspieler beispielsweise der Ansicht, dass das Glücksspiel eine geeignete Methode zum Geld verdienen sei.

 

Projekt liefert erfolgsversprechende Ergebnisse

Vor Beginn des Projektes seien alle teilnehmenden Schülerinnen und Schüler zu ihren Glücksspielgewohnheiten sowie zu ihrer Meinung über Glücksspiele und deren potenzielle Risiken befragt worden. Dabei habe sich zunächst folgendes herausgestellt:

  • 60 % der Teilnehmer hätten Erfahrung mit Glücksspielen gemacht.
  • 48 % von diesen seien regelmäßige Spieler gewesen.
  • 50 % der Spieler hätten den Spaß am Spiel als Hauptgrund genannt.
  • 40 % der Spieler hätten erklärt, Glücksspiele als Herausforderung und Test ihrer Fähigkeiten zu betrachten.

Drei Jahre später scheint sich das Bild etwas gewandelt zu haben. So hätten nur noch 38 % der Teilnehmer erklärt, regelmäßig zu spielen. Auch glaubten nur noch 28 % von diesen, mit ihren Fähigkeiten die Gewinnchancen beeinflussen zu können.

 

Ob die Glücksspielbeteiligung Minderjähriger jedoch allein durch Mathematik in statistisch relevantem Maße gesenkt werden könnte, werden weitere und umfangreichere Studien untersuchen müssen.