, 11.03.2021

Am Dienstag vermeldete das österreichische Finanzministerium, bei Glücksspiel-Razzien in Salzburg binnen nur einer Woche illegale Spielautomaten im Wert von rund 250.000 Euro beschlagnahmt zu haben. Nun meldet sich ein Experte des Salzburger Instituts für Spielsucht und Abhängigkeit zu Wort. Roman Neßhold sieht die Verantwortung für das florierende Geschäft mit den illegalen Angeboten bei der Landespolitik. Er fordert die Legalisierung des Kleinen Glücksspiels in Salzburg.

 

Dutzende illegale Casinos in Salzburg

 

Laut der Kronen Zeitung sei aktuell von mindestens 30 aktiven illegalen Spielstätten im Salzburger Land auszugehen. Meist versteckten sich die organisierten Glücksspiel-Angebote in von außen nicht einsehbaren Lokalitäten.

 

Dabei suggerierten „Zu vermieten“-Schilder oft Leerstand, während im Inneren an Automaten  gespielt werde. Auch scheinbare Cafés und Sonnenstudios würden zu diesem Zwecke genutzt. Zudem seien immer wieder auch illegale Casinos in Privatwohnungen oder sogar Tiefgaragen entdeckt worden.

 

Roman Neßhold, Präsident des Instituts Glücksspiel & Abhängigkeit geht davon aus, dass sich die Problematik im Zuge der Corona-Pandemie weiter verschärft habe. Die Sucht der Betroffenen treibe sie in die Illegalität.

Das in Salzburg ansässige Institut für Glücksspiel & Abhängigkeit widmet sich eigener Aussage zufolge seit 2002 „umfangreichen Aufgaben im Bereich des Spielerschutzes, der Spielsuchtprävention und der Beratung Hilfesuchender“. Zudem beschreibt es sich als „verlässlicher Partner für die Branche“. Unter anderem arbeitet der gemeinnützige Vereins mit dem Österreichischen Sportwettenverband (OSWV) zusammen.

Mit dem Wissen, die Lockdown-Vorgaben ohnehin zu brechen, verzichteten die Spieler in den verbotenen Casinos zudem in der Regel auch auf die Einhaltung von Hygienevorschriften.

 

Legalisierung als Antwort auf die Kriminalität

 

Die Bereitschaft, illegale Glücksspiel-Angebote zu nutzen, ziehe sich quer durch die Gesellschaft, so Neßhold. Informationen zu Spielstätten verbreiteten sich meist über Mundpropaganda innerhalb der „bestens vernetzten“ Szene. Mittlerweile sei jedoch auch zu beobachten, dass das organisierte illegale Glücksspiel regelrecht beworben würde. Dies geschehe beispielsweise über soziale Netzwerke und Messenger-Dienste.

 

Während die zuständige Finanzpolizei beinahe im Wochentakt Erfolge im Kampf gegen das illegale Glücksspiel in Salzburg vermeldet, sieht der Experte den Kern des Problems woanders.

 

Laut Kronen Zeitung „müssten“ Anbieter in Salzburg Neßhold zufolge „in die Illegalität ausweichen“, da das dort geltende Glücksspielmonopol der Casinos Austria ihnen keine andere Wahl lasse. Er führt aus:

Deshalb beißen sich die Behörden die Zähne aus (…) Gescheiter wäre zu legalisieren mit strengen Gesetzen und mehr Kontrollmöglichkeit. Damit wäre auch das Problem der begleitenden Kriminalität gelöst.

Inwieweit er tatsächlich davon ausgehe, dass die aktuell im Fokus der Salzburger Strafverfolger stehenden Anbieter bei Gelegenheit den Schritt in den legalen Markt wagten, ließ Neßhold im Gespräch mit den Journalisten offen.