, 20.01.2021

Bund und Länder haben am Dienstag eine Verlängerung des Lockdowns und eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen in Deutschland beschlossen. Neben Dienstleistungsbetrieben wie Friseursalons müssen auch Spielhallen und Casinos mindestens bis zum 14. Februar geschlossen bleiben. Dies berichtete der NDR am Dienstagabend nach Beendigung der Sitzung im Kanzleramt.

 

Gastronomische Betriebe dürfen weiterhin Speisen und Getränke außer Haus verkaufen. Auch soll der Profisport weiterhin stattfinden, allerdings ohne Publikum. Der Amateur- und Breitensport bleibt allerdings verboten.

 

Aufgrund der mit den Restriktionen verbundenen Schließungen von Casinos und Spielhallen befürchten Experten nun die Abwanderung vieler Spielsüchtiger ins Internet.

 

Andrea Hardeling von der Brandenburger Landesstelle für Suchtfragen erklärt RBB24 gegenüber, dass Online-Glücksspiel- und Sportwetten-Anbieter ihre Werbeaktivitäten derzeit forcierten und teilweise aggressiv für ihre Produkte würben:

Auf einen Schlag waren Online-Glücksspielangebote sehr viel präsenter. Wenn sie in Zeiten von Home-Office nach dem Starten ihres Computers als erstes auf Werbung von Glücksspiel-Anbieter stoßen, ist das natürlich für Menschen, die ein Problem mit Glücksspielen haben, besonders schwierig.

Lockdown als Gefahr oder Chance für Spielsüchtige?

Durch die Einschränkungen verursachter Stress könne dazu führen, dass das Online-Glücksspiel insbesondere für Spieler, die bereits vor der Corona-Krise auffälliges Verhalten gezeigt hätten, eine Gefahr darstelle.

 

Die Betroffenen könnten im Spiel ein Ventil finden, um mit der Situation besser zurechtzukommen. Dies sei mit dem Verhalten von Alkoholabhängigen vergleichbar, die in Stresssituationen vermehrt Auswege in ihrem Suchtmittel suchten, erklärt Hardeling.

Schließung der Spielhallen als Chance für Problemspieler?

 

Bernd Kramarczyk von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Fürstenwalde (Landkreis Oder-Spree) sagt, dass der Lockdown sich für Menschen mit problematischem Spielverhalten auch positiv auswirken könne.

 

70 bis 80 % seiner Klientel spiele in terrestrischen Spielhallen. Einer seiner Klienten habe kürzlich geäußert, dass er nicht mehr in Versuchung gerate, da alles geschlossen sei.

 

Dies bestätigt auch die Vorsitzende des bundesweiten Fachverbands Glücksspielsucht, Ilona Füchtenschnieder. Allerdings gebe es auch jene Spieler, die sich nach alternativen Spielmöglichkeiten umschauten.

Derzeit könne noch nicht abgeschätzt werden, welche Folgen der Lockdown und die Schließung der terrestrischen Spielstätten auf das problematische Spielverhalten habe, sagt Hardeling. Aktuelle Zahlen lägen der Landesstelle noch nicht vor.

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