, 18.01.2021

Die Brandenburger Beratungsstellen für Glücksspielsucht fürchten nach aktuellen Medienmeldungen, dass ihre Mittel künftig gekürzt werden könnten. Seit Anfang des Jahres erhalten sie Zuschüsse nicht mehr direkt vom Land. Stattdessen würden die Mittel für die Prävention der Glücksspielsucht nun pauschal an die Kommunen überwiesen.

 

Bislang hätten die 13 Spielsucht-Beratungsstellen des Landes Brandenburg laut dpa-Meldungen Mittel in Höhe von 400.000 Euro jährlich direkt erhalten. Nun jedoch gingen die Zahlungen an die 14 Landkreise und die 4 kreisfreien Städte des Landes. Von hier aus würden sie dann vergeben.

 

Dabei drohe die Gefahr, dass die Mittel anders verteilt würden als bisher. Ulrike Kostka, Direktorin des Caritasverbandes für das Erzbistum Berlin, erläutert:

Statt die Gelder wegen der vermehrten Suchtfälle durch die Corona-Pandemie zu erhöhen, läuft die neue Finanzierung faktisch auf eine Mittelkürzung hinaus.

Nicht anders als andere Süchte?

 

Laut Sozialministerium sei die direkte Förderung der Spielsucht-Beratung nicht mehr gerechtfertigt. Die gesonderte Finanzierungsstruktur sei aus einem Modellprojekt aus dem Jahr 2008 heraus entstanden. Es habe sich jedoch gezeigt, dass sich die Glücksspielsucht nicht von anderen Süchten unterscheide und die Spielsucht-Beratung somit als Teil der allgemeinen Suchtberatung gesehen werden könne.

 

Nach Ansicht der Caritas-Direktorin Kostka jedoch gebe es durchaus Unterschiede. Wer in der Spielsucht-Beratung tätig sei, müsse sich mit Glücksspielen auskennen. Es handele sich um einen schnelllebigen Markt, der die Internetaffinität der Berater erfordere.

Nicht nur die Spielsucht-Beratungsstellen im Land Brandenburg fordern eine Verbesserung ihrer Finanzsituation. Auch die bundesweiten Suchtberatungsstellen machen auf die prekäre Finanzlage aufmerksam. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. und deren Mitgliedsverbände haben zusammen mit dem Fachverband Sucht e. V. bereits im Jahr 2019 einen „Notruf Suchtberatung“ gestartet, in dem sie eine stabile Finanzierung fordern.

Der AWO-Bezirksverband in Potsdam bekomme die Folgen der Entscheidung bereits zu spüren. Ihm habe die Potsdamer Stadtverwaltung mitgeteilt, die Förderung der Glücksspielberatung werde nicht mehr anerkannt. Es handele sich um eine freiwillige Leistung.

 

Damit fehle der AWO nun ein Jahresbetrag in Höhe von 25.000 Euro. Angesichts der Corona-Krise müsste die Beratung laut AWO-Bezirkschefin Angela Schweers jedoch um das Doppelte bis Dreifache aufgestockt werden.