, 16.08.2018

Geschäftsmann Nigel Eccles

Nigel Eccles verklagt seine alte Firma auf 120 Millionen US-Dollar (Bild: axios.com)

Nigel Eccles, der Mitbegründer und ehemalige CEO der US-amerikanischen DFS-Plattform FanDuel, verklagt sein Ex-Unternehmen auf 120 Millionen Dollar. Er ist der Meinung, bei der Übernahme durch den irischen Buchmacher Paddy Power Betfair Anfang des Jahres absichtlich benachteiligt geworden zu sein.

 

Gründer klagen auf Neuberechnung des Unternehmenswerts

Bei der Übernahme durch Paddy Power Betfair im Mai dieses Jahres war der Wert von FanDuel auf 465 Millionen US-Dollar geschätzt worden. Aufgrund der Verteilung des Geldes nach dem sogenannten Wasserfall-Prinzip [Seite auf Englisch], gingen Nigel Eccles und die übrigen Firmengründer jedoch leer aus.

Bei einem Wasserfall-System werden Investoren mit den wertvollsten oder risikoreichsten Anteilen zuerst ausbezahlt. Anteilseigner, die weniger hochrangige Anteile halten, werden erst danach berücksichtigt.

Aufgrund der Wasserfall-Verteilung gingen sowohl Gründer als auch Angestellte bei der Übernahme leer aus, da sie lediglich weniger hoch dotierte Anteile hielten. Der Grenzwert für eine Verteilung auf alle Investoren lag bei 558 Millionen US-Dollar.

 

Nigel Eccles und drei weitere seiner Mitbegründer behaupten, die Wertberechnung des Unternehmens sei bei Verkauf mit 465 Millionen US-Dollar absichtlich niedrig gehalten worden, damit sie und andere Aktionäre nicht ausbezahlt werden mussten.

 

Dagegen hat er nun Klage vor einem schottischen Zivilgericht eingereicht und verlangt eine Neuberechnung des Unternehmenswerts. Seiner Einschätzung nach seien die Anteile der Firmengründer mehr als 120 Millionen US-Dollar wert. Dieser Betrag stehe ihnen nun in Form einer Abfindung bzw. Ausgleichszahlung zu. Diese sei von den bevorzugten Investoren zu leisten, darunter die beiden Private-Equity-Gesellschaften Shamrock Capital und KKR.

 

Gründerteam hält immer noch Aktien

Das FanDuel Gründerteam

Das FanDuel Gründerteam (Bild: telegraph.co.uk)

Nigel Eccles hatte FanDuel 2009 zusammen mit seiner Frau Lesley Eccles und seinen Geschäftspartnern Tom Griffiths, Rob Jones und Chris Stafford gegründet. Im November 2017 gab er seine Position als Geschäftsführer auf und verließ das Unternehmen. Sein Nachfolger wurde Matt King. Wenig später kehrte auch Tom Griffiths FanDuel den Rücken.

 

Die Klage wurde im Namen von Nigel und Lesley Eccles sowie Tom Griffiths und Rob Jones eingereicht. Obwohl alle vier zum Zeitpunkt der Übernahme durch Paddy Power Betfair nicht mehr bei FanDuel arbeiteten, halten sie einen nicht unwesentlichen Teil an Anteilen an ihrem Ex-Unternehmen.

 

Legalisierung von Sportwetten in den USA bei Verkauf nicht berücksichtigt

Das Hauptargument von Nigel Eccles und seinen Kollegen ist die nicht erfolgte Berücksichtigung der PASPA-Entscheidung des US Supreme Courts bei der Wertermittlung von FanDuel. Diese erklärte Mitte Mai das Verbot von Sportwetten im Land für nicht verfassungsgemäß und erlaubt es den US-Bundesstaaten seitdem, ihre eigenen Gesetze zur Regulierung von Sportwetten zu erlassen.

 

Trotz dieser wegweisenden und spektakulären Entscheidung des höchsten Gerichts der USA und der damit verbundenen Öffnung des Marktes für Sportwetten wurde die neue rechtliche Lage nicht in die Berechnung des Kaufpreises miteinbezogen. In der Klage heißt es dazu:

„Die Entscheidung des Vorstands (dessen Interessen mit denen der hochdotierten Aktionäre übereinstimmen), eine neue Marktentwicklung, die den Marktwert von FanDuel maßgeblich erhöht hätte, nicht zu berücksichtigen, stellt einen Verstoß gegen seine Treuepflichten dar.“

Hintergrund ist, dass FanFuel als Daily-Fantasy-Sports-Plattform zwar nicht als direkter Wettveranstalter eingestuft wird, Spieler aber dennoch Geldpreise gewinnen können. Aus diesem Grund birgt die Öffnung des US-Sportwettenmarkts großes finanzielles Potenzial für FanDuel.

 

Geschäftsführung dementiert Falschberechnung

Ein Sprecher von FanDuel hat sich bereits zu den Vorwürfen geäußert. Er erklärte, dass die Anschuldigungen nicht auf realen Fakten basierten, sondern bei den Verhandlungen alle Eventualitäten miteinbezogen worden seien und die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten vereinbar wurde.

 

Angesichts der relativ schlechten geschäftlichen Lage von FanDuel – der Wert des Unternehmens wurde eins auf das Dreifache der aktuellen Summe geschätzt – besteht tatsächlich die Möglichkeit, dass der vereinbarte Deal mit Paddy Power Betfair die beste Option gewesen ist. Gründe für den Wertverlust des Unternehmens sind unter anderem der gescheiterte Zusammenschluss von FanDuel und Konkurrent DraftKings im letzten Jahr sowie die anhaltende Debatte um die glücksspielrechtliche Einordnung der Plattform. Dies wird nun das Gericht in Schottland entscheiden.