, 30.03.2019

Finnische Spieler zocken immer mehr online und kämpfen vielfach mit Glücksspiel-Problemen. Das förderte eine letzte Woche vom finnischen Gesundheits- und Sozialministerium veröffentlichte Studie zutage.

 

Ausgangspunkt der Studie war die Frage, ob und wie sich das Spielverhalten der Finnen nach einer Reform der Glücksspiel-Regulierung im Jahr 2017 geändert hat. Damals beschlossen die zuständigen Behörden eine Fusion der drei in Finnland lizensierten Glücksspiel-Unternehmen zu einem Monopolanbieter.

Bis 2016 hatte es den Wettanbieter Fintoto, den Spielautomaten- und Casinobetreiber RAY sowie die staatliche Veikkaus-Lotterie gegeben. Daraus wurde der Monopolist Veikkaus Oy geformt. Das Unternehmen ist seitdem in Finnland der einzige Glücksspielanbieter.

 

Grund dafür war der Versuch, den Markt besser zu regulieren, die vom Glücksspiel ausgehenden Gefahren zu begrenzen und die Werbung zu reduzieren. Die Ergebnisse der aktuellen Studie zeigen jedoch, dass dies nur teilweise gelungen ist. Für die Untersuchung waren 2.624 empirisch ausgesuchte, volljährige Finnen online befragt worden.

Mehrzahl der Finnen spielt wenigstens ab und zu

Zwar sank die Gesamtzahl der Menschen mit problematischem Spielverhalten seit der Umstellung leicht, doch die negativen Auswirkungen auf die Betroffenen haben sich in Finnland kaum verändert. Zudem wird deutlich, dass noch immer ein sehr großer Anteil der Finnen mindestens einmal im Jahr zockt.

 

Matilda Hellman, eine der Organisatorinnen der Studie, fasst das Ergebnis zusammen:

Es war sehr optimistisch, zu glauben, dass die Fusion etwas geändert hat. Sie hat nicht dabei geholfen, den Bereich besser zu regulieren. Die Lage für spielsüchtige Menschen hat sich sogar verschlechtert.

Demnach gaben 83 % der Befragten an, im Jahr nach der Glücksspiel-Reform gespielt zu haben. Mit 81 % liegt der Anteil der Frauen dabei nur unwesentlich unter dem der Männer (86 %). Über ein Drittel der Finnen spielt sogar wöchentlich, wobei Lotto (75 %), Rubbelkarten (50 %) und lottähnliche Spiele wie Keno (35 %) die Beliebtheitsskala anführen.

 

Lotto Finnland

Auch Lotto gehört zum Geschäft (Bild: veikkaus.fi)

Während das Glücksspiel an Automaten oder bei Lotterien und in Casinos leicht abnahm, wuchs die Zahl der Onlinespieler stark an. 2017 spielten bereits 42 % in Online Casinos, wobei der Anteil der Nutzer, die nur online spielen, ebenfalls kontinuierlich ansteigt. Dabei zeigte sich, dass die Spieler besonders gern die mobilen Anwendungen des Anbieters nutzen.

 

Die Hauptmotivation der Spieler liegt in dem möglichen Geldgewinn. Das gab mit 54 % über die Hälfte der Befragten an. Ein weiteres Drittel spielt wegen des Nervenkitzels und zur bloßen Unterhaltung.

 

Ein weiteres Ergebnis der Studie zeigt, dass die Menschen heutzutage dank des Internets mehr zu Hause spielen. Wo sie sich früher in Spielhallen oder Casinos trafen, wird heute am Computer oder Smartphone gezockt. So gaben 88 % an, allein zu spielen. Gegenüber 2016 ist dies eine signifikante Steigerung, denn damals hatte noch mehr als die Hälfte der Finnen mit Freunden gespielt.

 

Maßnahmen zum verantwortungsvollen Spiel

Immerhin kennt mit 75 % ein Großteil der Spieler eine oder mehrere Möglichkeiten zur Unterstützung eines verantwortungsvollen Spielverhaltens. Zu den bekanntesten Methoden gehören die Einstellung von Einsatzlimits (60 %), die Registrierung in einer Datenbank (54 %) sowie die Nutzung von Aufstellungen, in denen das eigene Gamblingverhalten zusammengefasst wird (53 %). 28 % der Finnen nutzen mindestens eines dieser Tools.

 

Die Untersuchung förderte jedoch eine gewisse Diskrepanz zwischen der Selbsteinschätzung der Befragten und wissenschaftlichen Erkenntnissen zutage. Während lediglich 5 % erklärten, dass sie bei sich ein problematisches Spielverhalten entdeckt hätten, gehen die Wissenschaftler von über 11 % aus. Knapp 2 % zählen sie dabei zu den Spielsüchtigen und weitere 9 % zu den gefährdeten Personen.

 

Unabhängig von der Selbsteinschätzung ist jedoch den meisten Finnen bewusst, welche negativen Auswirkungen ihr Spiel haben kann. Jeweils 7 % gaben an, dass das Glücksspiel im letzten Jahr bei ihnen zu psychischen oder finanziellen Schäden geführt hat. Diese Zahlen bleiben damit auf einem konstanten Niveau, weshalb der erhoffte Rückgang durch die Monopolisierung nicht eintrat.

 

Noch immer zu viel Werbung?

Ein weiterer Grund für die damalige Fusion war die Reduzierung der Werbung. Doch auch hier lässt die Studie keine positive Entwicklung erkennen. Noch immer beklagen 27 % die zu exzessiven Marketinganstrengungen von Veikkaus Oy. Im Vergleich zu 2016 stieg der Anteil um 10 %. Weitere 16 % sagten aus, dass sie aufgrund der Werbespots mehr spielen würden.

 

Insgesamt zeigt die Studie, dass sich die Wünsche nach einer Reduzierung von Glücksspiel-Werbung oder problematischem Spielverhalten nicht erfüllt haben. Immerhin wird auch deutlich, dass sich die Glücksspiel-Probleme in Finnland nicht verschärft haben.

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