, August 15, 2019

Finnlands staatlicher Glücksspiel-Anbieter Veikkaus reduziert seit dieser Woche die Anzahl der Spielautomaten, die in öffentlichen Einrichtungen wie Supermärkten, Restaurants und Tankstellen aufgestellt sind. Die Maßnahme soll dazu beitragen, dass das Unternehmen, das zunehmend in Kritik gerät, seine Monopolstellung langfristig aufrechterhalten kann.

 

Spielautomaten bereits aus einigen Einrichtungen entfernt

 

Am Montag teilte Veikkaus-Geschäftführer Olli Sarekoski lokalen Medien mit, die Anzahl der Spielautomaten werde innerhalb der nächsten Jahre reduziert. Aufgrund einer kürzlich verabschiedeten Gesetzesänderung müssen Spielautomatenbetreiber in Finnland bis zum Jahr 2022 eine Technologie zur Identitätsprüfung in ihre Geräte implementieren.

 

Laut Sarekoski führe dies dazu, dass das Interesse am Glücksspiel abnehmen und sich der Bedarf an Spielautomaten reduzieren werde.

Im Jahr 2017 schlossen sich die drei lizensierten Glücksspiel-Anbieter Finnlands zum Monopolisten Veikkaus Oy zusammen. Seitdem kontrolliert das Unternehmen als einziges lizensiertes Glücksspiel-Unternehmen den Markt.

 

Aktuelle Umfragen zeigen jedoch, dass die Finnen immer unzufriedener mit dem limitierten legalen Glücksspiel-Angebot sind und sich einen offeneren, wettbewerbsfähigen Glücksspielmarkt wünschten. So sprachen sich im April 31 Prozent der Finnen für die Abschaffung des Glücksspielmonopols aus.

Veikkaus wird unter anderem kritisiert, weil das Unternehmen Spielautomaten in öffentlichen Einrichtungen wie Restaurants, Tankstellen, Bars und Supermärkten aufstellt. Zudem gibt es Spielautomaten in Cafés und Shops, die an Krankenhäuser und Reha-Kliniken angebunden sind.

 

Veikkaus-Verkaufsleiter Marko Peltokorpi soll der finnischen Boulevardzeitung Iltalehti gegenüber gesagt haben, dass Veikkaus keine Spielautomaten in Räumlichkeiten aufstellt, die hauptsächlich von Minderjährigen frequentiert werden. Nun habe man das Verkaufskriterium um Einrichtungen ergänzt, die vor allem von Kranken und Älteren frequentiert werden.

 

Heute berichtete der finnische Fernsehsender MTV3 [Seite auf Finnisch], dass bereits Spielautomaten aus einem Rehabilitationszentrum und einem Krankenhaus-Café entfernt wurden.

 

Bürgerinitiative fordert die Verlegung der Spielautomaten in Spielhallen

 

Der Glücksspielanbieter beugt sich damit dem öffentlichen Druck einer Bürgerinitiative, die die Entfernung der Spielautomaten aus Geschäften forderte und mehr als 20.000 Unterschriften sammelte. Insgesamt seien in Finnland mehr als 18.500 Spielautomaten von Veikkaus in Einzelhandelsläden und Kiosken aufgestellt.

 

Stattdessen, so fordert die Initiatorin der Bürgeraktion, Jenna Mäkelä, sollten die Spielautomaten in kontrollierten Spielhallen stehen. Sie führte aus:

„Wenn eine Person ihr Glücksspielproblem bekämpfen möchte, besteht die Rolle der Gesellschaft darin, sie zu unterstützen und nicht darin, sie dazu zu drängen, sich wieder mit dem Problem zu beschäftigen.“

Nach Meinung von Velipekka Nummikoski, Vize-Präsident von Veikkaus, dagegen sei die Entscheidung darüber, wo Spielautomaten aufgestellt werden dürften, ein „politisches Problem“ und keines, welches allein das Glücksspielunternehmen lösen könne. Zudem habe das internationale Online Glücksspiel zur Zunahme der Glücksspielsucht geführt. Der nahegelegenste Spielautomat sei laut Nummikoski heutzutage das Mobiltelefon.

 

Umstrittene Glücksspielwerbung eingestellt

 

Schon in der vergangenen Woche war Veikkaus wegen einer Marketing-Kampagne unter Beschuss geraten, in der Spieler dazu aufgefordert wurden, dem Drang zu Spielen nachzugeben und Wetten auf Pferderennen zu setzen.

 

Kiosk mit Veikkaus Spielautomaten, Finnland

Eine Bürgerinitiative setzt sich für die Entfernung der Spielautomaten aus Geschäften und Kiosken ein. (Bild: Wikipedia)

In der Glücksspielwerbung, die unter anderem im finnischen Radio ausgestrahlt wurde, stellten Personen die Frage, ob es in Ordnung sei, ein Verlangen nach Nervenkitzel und den Gewinnen zu haben. Eine Therapeutin antwortete, dass diese Impulse normal seien.

 

Ein Ausweg bestünde darin, dem Verlangen nachzugeben und sich auf eine Rennbahn zu begeben oder sich bei Veikkaus auf der Website einzuloggen, um zu wetten.

 

Auf die harsche Kritik von Seiten der Öffentlichkeit hin teilte Veikkaus mit, vorübergehend alle Anzeigen aus TV, Radio, Printmedien, Außenwerbung und sozialen Medien entfernt zu haben. Eine Ausnahme hiervon bildeten Spots, die für die Lotterie-Angebote des Unternehmens werben. Der Sendestopp gelte voraussichtlich bis September. Sarekoski zufolge habe man externe Berater angeheuert, die die Glücksspielwerbung von Veikkaus untersuchen.

 

Am Dienstag kündete Veikkaus zudem an, einen Ethikrat etablieren zu wollen. Außerdem wolle man weitere Maßnahmen ergreifen, die sicherstellen sollen, dass treue Kunden nicht durch Kundenbelohnungssysteme zu problematischem Spielverhalten angeregt würden. Die beschlossenen Änderungen sollen sich bereits in diesem Jahr auf das Management des Unternehmens auswirken.

 

Fraglich ist, ob die aktuellen Änderungen des finnischen Glücksspielmonopolisten ausreichen werden, um den zunehmenden Unmut der Bevölkerung zu dämpfen und die Öffnung des Markts in Zukunft zu verhindern.