, 27.05.2019

Wer in Finnland gegen Richtlinien zum Umgang mit Glücksspielwerbung in Funk und Fernsehen verstößt, muss künftig mit harten Konsequenzen bis zum Entzug der Sendelizenz rechnen. Dies erklärten Polizei und Kommunikationsbehörde nun in einem gemeinsamen Statement.

 

Werbung für ausländische Angebote verboten

 

Wie die finnische Nachrichtenagentur YLE berichtet, werden die finnische Polizei und die Verkehrs- und Kommunikationsbehörde Traficom ihre Zusammenarbeit intensivieren.

 

Ziel soll sein, Verstöße gegen Werberichtlinien in Funk und Fernsehen auszumachen und zu sanktionieren. Im Fokus der Ordnungshüter: Werbung für Angebote privater Glücksspielbetreiber.

 

Veikkaus Spielterminal

Der staatliche Anbieter Veikkaus ist sowohl on-, als auch offline aktiv (Quelle:Santeri Viinamäki, licensed under CC BY-SA 4.0)

Im 5,5 Millionen-Einwohner-Land Finnland ist ausschließlich Veikkaus als staatlicher Anbieter von Glücksspiel berechtigt, seine Produkte und Dienstleistungen in Radio und Fernsehen zu bewerben.

 

Seit einer Glücksspielreform im Jahr 2016 vereint der Monopolinhaber alle legalen Glücksspielangebote Finnlands.

 

Im Rahmen einer im europäischen Vergleich als liberal einzuschätzenden Gesetzgebung ist Veikkaus nicht nur für Spielbanken, Lotterien, Wettangebote und Automatenspiel verantwortlich, sondern auch Online Casinos laufen unter dem Dach des staatlichen Anbieters.

 

Gleichzeitig ist es finnischen Spielern erlaubt, auch auf die Angebote ausländischer Online Casinoanbieter zurückzugreifen. Letztere dürfen ihre Produkte in Finnland anbieten, sie aber nicht bewerben.

 

Nichtsdestotrotz sieht sich Veikkaus mit einer wachsenden Konkurrenz privater Anbieter im Internet konfrontiert. Auch aufgrund unrechtmäßig ausgestrahlter Werbung.

 

Digitaler Wettbewerb spitzt sich zu

 

Bereits vor der Ankündigung der Polizei und der Kommunikationsbehörde hatte das Unternehmen vor einem „sich zuspitzenden digitalen Wettbewerb“ gewarnt, im Zuge dessen sich das Spiel vermehrt in Richtung nicht-staatlicher, digitaler Kanäle verlagere. Hierdurch, so der Glücksspielanbieter, seien künftige Gewinne gefährdet.

Der staatliche finnische Glücksspielanbieter Veikkaus setzt im Jahr mehr als 300 Millionen Euro um. Die Gewinne fließen direkt und gebündelt in die öffentlichen Sozialsysteme Finnlands. Dort werden sie unter anderem für die erfolgreiche Bekämpfung der Obdachlosigkeit im Land verwendet.

Unter anderem, um den Monopolisten zu schützen, sprachen die finnischen Behörden den lokalen Medienanstalten gegenüber nun eine deutliche Warnung aus: Wer wiederholt gegen die geltenden Werberichtlinien verstoße, müsse damit rechnen, seine Sendelizenzen zu verlieren.

 

Neben der Sorge um staatliche Einnahmen dürfte auch eine wenige Wochen zuvor veröffentlichte Studie zum Glücksspiel in Finnland zu dem Vorstoß der Verantwortlichen beigetragen haben.

 

Studie sieht auch Veikkaus in der Verantwortung

 

Das im Auftrag des Ministeriums für Soziales und Gesundheit tätige National Institute for Health and Welfare (THL) hatte bei einer Befragung herausgefunden, dass exzessives und risikoreiches Spiel ein ernstzunehmendes Problem in der finnischen Bevölkerung darstelle.

 

thl finnland logo

Die Studie des THL nimmt auch Monopolisten Veikkaus in die Pflicht (Quelle:thl.fi)

 

Wie von Glücksspielbetreiber Veikkaus angesprochen, steige die Anzahl der Spieler, die ausschließlich oder vornehmlich Online Glücksspiele frequentierten, kontinuierlich an.

 

Allerdings, dies stellte die repräsentative Studie ebenfalls heraus, seien es keineswegs nur illegale Angebote, die im Kontext des problematischen Spielverhaltens eine Rolle spielten. Mehr als elf Prozent der Finnen sollen spielsüchtig oder deutlich gefährdet sein, die Kontrolle über ihr Spiel zu verlieren.

 

Krasser Widerspruch zur staatlichen Kommunikation

 

Auch Monopolist Veikkaus, so die Wissenschaftler der THL, versäume es, seine Werbemaßnahmen einem vernünftigen Spielerschutz gemäß zu gestalten. Diese stünden teils im krassen Widerspruch zur offiziellen Kommunikation im Bereich der öffentlichen Gesundheit, wie Jani Selin von der THL ausführt:

Die Werbeslogans von Veikkaus widersprechen der Kommunikation zur öffentlichen Gesundheit. Veikkaus Marketing sendet sehr unterschiedliche Signale in Bezug auf die Gefahren des Glücksspiels. Sie sollten widerspruchsfrei sein und sich künftig an Maßgaben ähnlich denen zu anderen „schädlichen Produkten“, wie Tabak und Alkohol, orientieren.

Veikkaus selbst kann die kritische Haltung der THL nicht nachvollziehen: Im Vergleich zu den hochaggressiven Werbemaßnahmen international lizensierter Online Glücksspielanbieter verblassten die Kundenansprachen des Monopolisten, ließ Veikkaus Geschäftsführer Velipekka Nummikoski in einem Statement zur Studie wissen.

 

Glücksspielwerbung europaweit im Fokus

 

Mit der klaren Ansprache des Rundfunks folgt Finnland einer sich vermehrt in Europa durchsetzenden rigorosen Haltung zum Thema Glücksspielwerbung. Sowohl in Schweden als auch in Spanien wird derzeit ein Totalverbot  jeglicher Werbung für das Online Glücksspiel diskutiert.

 

Und auch auf dem derzeit noch größten EU-Glücksspielmarkt Großbritannien müssen sich Anbieter bereits seit geraumer Zeit mit strengen Regularien zur Ausgestaltung ihrer Kundenansprache auseinandersetzen.

 

Verhältnismäßig still scheint es in diesem Kontext allerdings in Deutschland zu bleiben: Bislang bewegen sich private Betreiber von Online Glücksspiel in einem weitestgehend unbeachteten Schwarz- und Graubereich. Werbung für die nicht-lizensierten Online Casinos findet sich dennoch regelmäßig auch im deutschen TV.

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