, 04.11.2019

In Großbritannien wurde am Montag die Forderung einer Gruppe von Parlamentariern bekannt, die die Höchsteinsätze beim Spiel in Online Casinos auf 2 Pfund Sterling begrenzen will. Auf diese Weise solle der Spielerschutz nachhaltig verbessert werden, so die Abgeordneten.

 

Parteiübergreifende Initiative

Die aus Politikern mehrerer Parteien bestehende Gruppierung stützt ihr Anliegen auf einen selbst erstellen Glücksspiel-Report, der heute von ihnen veröffentlicht wurde. Daraus werde ersichtlich, dass die Glücksspielanbieter zu wenig unternähmen, um ihre Kunden vor den negativen Auswirkungen des Spiels zu schützen.

 

Weiterhin gebe es diverse britische Studien, die die Gefahr der Online Casinos für Menschen mit Glücksspielproblemen ebenfalls thematisierten. Deshalb sei eine vollständige Neuausrichtung der Glücksspiel-Gesetzgebung in Großbritannien nötig, so die Forderung der Parlamentarier.

Vorbild Glücksspielautomaten

 

Die nun gestellte Forderung hat in Großbritannien bereits ein ganz reales Vorbild: Im April waren bei den im gesamten Land zu Tausenden aufgestellten Fixed Odds Betting Terminals (FOBTs) die Maximaleinsätze ebenfalls drastisch verringert worden. Damals hatte die Regierung trotz massiver Proteste der Glücksspielindustrie den Höchstbetrag von 100 auf lediglich 2 Pfund Sterling reduziert.

Da das aktuelle Gesetz zu großen Teilen bereits aus dem Jahr 2005 stamme, fänden viele Entwicklungen aus dem Bereich des Online Glücksspiels dort noch keine Berücksichtigung. Die “analoge Gesetzgebung im digitalen Alter” sei deshalb nicht ausreichend, um den gegenwärtigen Marktgegebenheiten Rechnung zu tragen.

 

Forderung nach mehreren Einschränkungen

Um den Schutz der betroffenen Menschen zu optimieren, verlangen die Kritiker der aktuellen Gesetzeslage eine ganze Reihe von Maßnahmen:

  • 2 Pfund-Maximaleinsatz bei Online Spielautomaten
  • Keine Akzeptanz von Kreditkarten als Zahlungsmittel
  • Beschränkungen von VIP-Services für regelmäßige Spieler

 

Die Forderung nach der strengen 2 Pfund-Höchstgrenze dürfte bei Anbietern und Spielern für die größte Aufmerksamkeit sorgen. Doch die Gruppe argumentiert, dass die bisherige Begrenzung auf die physischen FOBT-Automaten zu kurz gegriffen sei.

 

So heißt es in ihrem Statement:

Wenn sie [die fehlenden Limits] an landbasierten Spielstätten nicht akzeptiert werden, sollten sie online auch nicht erlaubt sein.

Darüber hinaus solle durch den Verzicht auf Kreditkarten verhindert werden, dass sich Spieler über Gebühr verschuldeten. Zwar hätten sich die Anbieter zur Prüfung der Solvenz ihrer Kunden verpflichtet. Diese Maßnahme greife allerdings oftmals erst, nachdem die Spieler Tausende Pfund verzockt hätten.

 

Außerdem verleiteten häufig sogenannte “VIP-Angebote” der Online Casinos die Kunden zu übermäßigem Spiel. Durch die Zahlung von Boni oder das Versprechen auf kostenlose Reisen oder Freikarten für Sportereignisse würden diese Menschen animiert, auch dann noch zu spielen, wenn sie es sich eigentlich nicht mehr erlauben könnten, so die Kritiker.

 

Die Abgeordneten hoffen, mit ihren Vorschlägen zu einer Neuausrichtung der Glücksspielpolitik beitragen zu können. Die Chancen stehen nicht schlecht, da die Initiative von Politikern aus einem breiten Parteienspektrum unterstützt wird.

 

Der Staat profitiert von den Online Casinos

Finanzministerium Großbritannien

Das Finanzamt profitiert (Bild: gov.uk)

Für den Staat ist die Behandlung der Glücksspielunternehmen eine zweischneidige Angelegenheit. So stehen den Bemühungen zum Schutz seiner Bürger hohe Einnahmen gegenüber, die das Finanzamt durch die Steuern der Anbieter kassiert.

 

Die Abgaben des gesamten Glücksspielsektor lagen in der Zeit von April bis September 2019 bei 1,46 Milliarden Pfund Sterling [Seite auf Englisch]. Zwar liegt das Lottogeschäft mit Zahlungen von rund 450 Millionen Pfund Sterling in diesem Zeitraum in Front, dahinter folgen mit etwa 340 Millionen Pfund Sterling jedoch bereits die Betreiber der Online Casinos.

 

Während die Gesamteinnahmen des Staates im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in etwa gleich geblieben sind, stiegen sie bei den Onlineanbietern um rund 26 %. Der Grund: Eine von der britischen Regierung Ende des Jahres 2018 beschlossene Steuererhöhung auf Online Glücksspielumsätze von 15 % auf 21 % war zum 1. April 2019 in Kraft getreten. Deshalb tragen Online Anbieter mittlerweile über 22 % zu den Steuereinnahmen des Staates aus dem Glücksspielsektor bei (2018: 18 %).

 

Die angedachte Limitierung von Einsätzen bei den Online Casinos könnte zwar zum Spielerschutz beitragen, aber höchstwahrscheinlich auch zu niedrigeren Umsätzen und damit auch zu Steuerausfällen führen.