, 08.10.2018

Schwedische und spanische Wissenschaftler haben in einer Studie eine mögliche Korrelation von Spielsucht und Smartphone untersucht. Die Ergebnisse sind auffällig, aber nicht repräsentativ, wie die Forscher bekanntgaben.

 

Smartphone-Sucht: Ein neues Phänomen

 

Während die wissenschaftliche Betrachtung von Spielsucht über eine lange Historie verfügt, gibt es bis heute nur wenig belastbare Erkenntnisse zur Sucht in Bezug auf Smartphones. Dies liegt daran, dass die mobilen Endgeräte ein verhältnismäßig neues Phänomen sind und es somit noch keine Langzeitstudien zum Thema geben kann.

 

Forscher der Universitäten Malmö und Lund aus Schweden und der Psychologischen Fakultät der spanischen Universität von Valencia haben nun in einer Studie (engl.) auswerten wollen, in welchem Verhältnis die Nutzung des Smartphones zu einer möglichen Spielsucht steht.

 

Studie mit über 1.500 Schweden

 

Hierfür befragten sie eine durchmischte Gruppe von 1.515 Schweden. Grundlage der Befragung war der „Test of Mobile Dependence“ (TMD, dt.: Test zur Abhängigkeit von mobilen Endgeräten ). In der nun vorliegenden Studie wurde der TMD mit Fragen zum Glücksspielverhalten der Probanden und zwei weiteren Fragen zur vorherigen Behandlung von Suchtproblemen angereichert.

 

Im Bereich der Fragen zum problematischen Umgang mit Smartphones erreichten Frauen die höchsten Punktzahlen, allgemein waren es die 15- bis 18-Jährigen, die den höchsten Mittelwert erreichten. Aufgrund ihrer Erkenntnisse gehen die Forscher davon aus, dass ein problematischer Umgang mit dem Smartphone eine Glücksspielsucht begünstigen könnte. Sie empfehlen aufgrund der fehlenden repräsentativen Belastbarkeit der Studie aber weitere Untersuchungen in diesem Bereich:

An association between mobile phone use and problem gambling may be possible, but requires further research. (Dt.:Ein Zusammenhang zwischen Smartphone-Nutzung und problematischem Spielverhalten ist möglich, erfordert aber weitere Forschung.)

Online-Spielsucht: Eine offiziell anerkannte Krankheit

 

Seit dem Juni dieses Jahres führt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Online- und Konsolenspielsucht offiziell als Krankheit in ihrer aktualisierten „Internationalen Klassifikation der Krankheiten“ (ICD-11). In akademischen Kreisen wird bereits seit längerem in Bezug auf die Gründe, Voraussetzungen und Ausprägungen von krankhaftem Spielverhalten an Computern und Konsolen geforscht.

 

Die nun von den spanischen und schwedischen Wissenschaftlern veröffentlichte Studie steht in einer Reihe mit weiteren Tests, die sich in den vergangenen Jahren intensiv mit der Thematik der Abhängigkeit von Smartphones beschäftigt haben. Einer Umfrage zufolge besaßen im Jahr 2017 98 % aller Schweden ein Mobiltelefon. Bei einem absoluten Großteil der Telefone handelte es sich um Smartphones, die durch den Internetzugang vor allem die Nutzung von Social-Media-, Spiel- und Glücksspiel-Apps ermöglichten.

 

Forscher riefen via Social-Media zur Teilnahme auf

 

Es ist bekannt, dass Süchte oft parallel auftreten. Nicht selten gehen Alkohol- und Spielsucht Hand in Hand, wie aber ist es mit dem Verhältnis von Internet-/Smartphone-Sucht und Spielsucht?

 

social media icons auf smartphone

Die Macher der Studie fanden ihre Teilnehmer hauptsächlich via Social Media (Quelle: pxhere, licensed under CC0)

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, veröffentlichten die Forscher ihren Fragenkatalog online und luden via Facebook, Twitter und E-Mail zur Teilnahme an der Studie ein. Zudem nutzten die Macher die Google-Keywordsuche, um bei der relevanten Zielgruppe auf ihr Projekt aufmerksam zu machen. So verlinkten sie beispielsweise die Schlagworte „Casino“, „Lotterie“, „Wetten“ und „Bestes Handy“ mit ihrer Umfrage.

 

Von den 1.515 Teilnehmern waren 61,7 % Frauen. Im Durchschnitt machten die Befragten bis zu fünf Anrufe am Tag, sandten zwischen sechs und zehn Textnachrichten und kommunizierten mit bis zu zehn Personen täglich über ihr Smartphone. Drei Prozent der Teilnehmer schätzten sich selbst zu 100 % als smartphone-süchtig ein. Insgesamt sahen sich 17,2 % zu 80 % oder mehr als vom Smartphone abhängig.

 

Junge Frauen besonders oft vom Smartphone abhängig

 

Den Ergebnissen der Befragung zufolge, fanden sich die meisten der von den Forschern ausgemachten 3,1 % der Smartphone-Süchtigen der Studie unter den weiblichen Teilnehmern und denen unter 18 Jahren. Das Risiko einer Abhängigkeit ist dementsprechend derzeit für junge Frauen am höchsten.

 

Die vermehrte exzessive Nutzung von Smartphones auch im öffentlichen Raum stellt die Gesellschaft immer wieder vor Herausforderungen. Nach Angaben des zweitgrößten deutschen Autoclubs ACE (Auto Club Europa) belegt Ablenkung durch das Smartphone mittlerweile den dritten Platz der größten Unfallrisiken im Straßenverkehr.

Nach Alkohol am Steuer und überhöhter Geschwindigkeit auf Seiten der Autofahrer, sind es insbesondere Fußgänger, die sich und andere durch den unverwandten Blick auf das Display in Gefahr bringen. So seien Fußgänger oft so auf ihr Smartphone konzentriert, dass sie Ampeln, herannahende Autos und sogar Straßenbahnen nicht mehr wahrnähmen.

Zugleich ergab die Auswertung der Fragebögen einen Anteil von 8,1 % der Befragten mit zumindest einem problematischen Spielverhalten. 0,7 % der Teilnehmer gaben an, bereits professionelle Hilfe aufgrund von Suchtverhalten in Anspruch genommen zu haben. Hier waren die männlichen Teilnehmer öfter von Suchtverhalten betroffen.

 

Unterschiedliche Lesarten der Ergebnisse

 

Die Macher der Studie weisen darauf hin, dass, wenn im Ganzen betrachtet, die Studie keinen Hinweis darauf liefert, dass ein problematischer Hang zum Glücksspiel in einer Relation zum übermäßigen Smartphone-Konsum steht.

Bricht man die Studie aber auf die relevanten Gruppen in Bezug auf Alter und Geschlecht herunter, zeigt sich, dass ein erhöhter TMD-Wert die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens ein Glücksspielproblem zu entwickeln, zu steigern scheint.

 

Die Macher der Studie legen Wert auf die Feststellung, dass die Möglichkeiten, verwertbare Rückschlüsse aus den gegebenen Antworten zu ziehen, begrenzt sind. So sei es anhand der Angaben der Befragten beispielsweise nicht möglich, auf ihre Gefühle und Motive in Bezug auf die Nutzung des Smartphones bzw. von Glücksspielangeboten zu schließen.

 

(Nicht nur) Die Dosis macht das Gift

 

So unterscheide sich der „gesunde“, wenn auch intensive Umgang mit Smartphones und Online-Gaming deutlich von problematischem Verhalten, das oft dazu diene, negativen oder stressbelastete Situationen und Emotionen zu entfliehen oder diese zu verdrängen.

 

Zudem könne nicht ausgeschlossen werden, dass Personen, die sowohl Schwierigkeiten mit dem gesunden Umgang mit Glücksspiel als auch mit dem Smartphone haben, unter einer generellen Problematik mit ihrem Suchtverhalten leiden.