, 11.07.2016

Trevor Tmartn Martin

YouTuber Trevor „Tmartn“ Martin versucht sich mit einem Video bei der Community zu entschuldigen. Als daraufhin ein Proteststurm losbricht, nimmt er den Clip wieder offline. (Bildquelle)

Die eSports-Szene wird aktuell durch einen Glücksspiel-Skandal erschüttert. Es geht um das eSports-Game „Counter-Strike: Global Offensive“ (CS:GO). Der CS:GO-Spieler Michael John McLeod hatte vor kurzem Klage gegen Hersteller Valve eingereicht. Er wirft dem Konzern vor, dass er mit dem Spiel Counter-Strike einen illegalen Online-Glücksspielmarkt geschaffen habe. Nun wurden zwei YouTube eSports Stars in den Skandal verwickelt. Sie hatten auf ihren YouTube-Kanälen eine Glücksspiel-Seite beworben, die mit den CS:GO-Waffenskins bespielt werden kann. Zudem hatten die beiden YouTuber in den Videos nicht klargemacht, dass sie auch noch Eigentümer der Gambling-Seite sind.

Hintergrund des Skandals ist das CS:GO „Weapon Skin“-Update welches 2013 auf den Markt kam. Mit diesen Skins kann man Aussehen und Feuerkraft der Waffen im Spiel verändern sowie deutlich verbessern. Die Skins sind käuflich erhältlich und behalten einen gewissen Gegenwert. Auch können die Spieler Skins untereinander wie Baseball-Karten tauschen oder verkaufen. Die Spieler nutzen dann die Tauschbörse, um Wetten auf den Ausgang von Turnierpartien abzuschließen. Zudem gibt es immer mehr Seiten, die Echtgeld-Glücksspiele wie Roulette und Slots anbieten und durch „CS:GO“-Waffenskins bespielt werden können. Dort kann man die Skins wie Casino-Chips einsetzen. Valve ist in diesem unregulierten Markt eine Art Schnittstelle und kassiert bei jeder Skin-Transaktion 15 Prozent.

„Counter-Strike Waffenskins sind wie Casino-Chips“

McLeod behauptete in seiner Klage, dass Valve an der Schaffung, Erhaltung und dem Betrieb eines Marktes beteiligt sei, in dem Spieler und Drittunternehmen Waffenskins wie Casino-Chips handeln können. Auf dem eSports-Glücksspielmarkt seien CS:GO-Skins zu Casino-Chips geworden, die auch außerhalb des Spiels einen finanziellen Wert hätten, da man sie direkt in Bargeld umwechseln kann. Auch Jugendliche im Alter von 16 Jahren, die vom Gesetz her eigentlich vom legalen Glücksspiel ausgenommen sind, zocken und wetten somit ungehindert.

In der eSports Szene sind die YouTuber Trevor Martin und Tom Cassell, bekannt als „TmarTn“ und „Syndicate Project“, vor allem bei den CS:GO-Fans extrem bekannt und beliebt. Beide hatten vor kurzem aber in ihren YouTube-Videos Werbung für die Online Glücksspielseite CS:GO-Lotto gemacht. Was keiner wusste: Die beiden besitzen Anteile an dem Glücksspiel-Angebot. Diese Beteiligung wurde durch den YouTuber „HonorTheCall“ aufgedeckt. In der jüngsten Vergangenheit hatten Martin und Cassell immer wieder Videos veröffentlicht, wie sie bei CS:GO-Lotto große Gewinne eingefahren hatten. Viele Zuschauer hatten daraufhin schon den Verdacht geäußert, dass die Seiten zugunsten der beiden YouTuber manipuliert worden seien. Doch diesen Verdacht wiesen Martin und Cassell entschieden von sich.

Glaubwürdigkeit von Martin und Cassell extrem beschädigt

Durch die Werbung wurden die YouTube-Follower und Zuschauer von Martin und Cassell natürlich selbst zum Zocken auf der Lotto-Seite angeregt. Die Glaubwürdigkeit der beiden Counter-Strike-Spieler in der Community, die in sozialen Netzwerken wie YouTube extrem wichtig ist, ist nun extrem beschädigt.

Auf seinem YouTube-Kanal hatte Trevor „Tmartn“ Martin nun ein 2-Minuten-Video mit dem Titel „Es tut mir leid“ veröffentlicht. Nachdem er sich in dem Clip nur halbherzig bei seinen Zuschauern und Followern entschuldigte, bracht ein Proteststurm über ihm zusammen und er nahm das Video wieder offline. Doch zahlreiche andere YouTube-Nutzer hatten wohl so etwas befürchtet und Kopien des Videos auf dem Portal hochgeladen.

„Beteilung an CS:GO-Lottoseite war kein Geheimnis“

In dem Video versucht Martin glaubhaft zu machen, dass man die Zuschauer nicht auf CS:GO-Lottoseite locken habe wollen. Er behauptet zudem, dass die Beteiligung der Beiden an der Glücksspielseite kein Geheimnis gewesen sei. Wer sich ein wenig Mühe gemacht hätte, hätte dies im Internet herausfinden können. Er selbst ist sich aber keiner Schuld bewusst:

„Ich habe die CS:GO-Lottoseite ins Leben gerufen. Ich wollte etwas Besonderes für andere Spieler erschaffen. Und ich spiele auch gerne auf der Seite. Ich spiele halt lieber auf meiner eigenen Seite, als bei anderen Glücksspiel-Anbietern. Aber es ist nicht unmoralisch oder falsch, wenn ich meine eigene Seite bewerbe. Ich bin zu 100 Prozent ehrlich. Ich hoffe, dass ihr mir die Chance gebt, euer Vertrauen zurückzugewinnen.“

Publisher Valve schweigt bisher alle Vorwürfe tot

Publisher Valve hüllt sich weiter in Schweigen zu dem Skandal und zu der Klage. Trotz der jüngsten Vorfälle mit den beiden YouTube-Stars hat der Software-Hersteller die Links auf die CS:GO-Lottoseite nicht entfernt oder geblockt.

Jasper Ward, Anwalt von Kläger Michael John McLeod, sagte der Webseite Polygon dazu:

„Die meisten Spieler in der CS:GO-Szene sind Teenager, die noch keine 21 Jahre alt sind. Das macht die Aktionen von Valve noch gewissensloser. Die Entscheidung des Herstellers, die Links auf die CS:GO-Lottoseite weiter zu erlauben, sind geradezu unglaublich. Ich freue mich schon darauf, wenn die Entscheider von Valve endlich dazu Stellung beziehen. Oder wenigstens mal ein Statement zu dem illegalen Glücksspiel-Markt veröffentlichen. Das Schweigen von Valve, die damit illegale Glücksspiel-Seiten und Glücksspiel von Minderjährigen unterstützen, ist unzumutbar.“

Hier das besagte “Entschuldigungs-Video”: