, July 16, 2018

Frankreich feiert den WM-Pokal

Frankreich ist neuer Weltmeister 2018 (Bild: swr.de)

In einem packenden Spiel hat Titelfavorit Frankreich gestern Außenseiter Kroatien im großen Finale der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft mit 4:2 besiegt. Damit holt das Team von Trainer Didier Deschamps nach dem Sieg 1998 den zweiten Titel für Frankreich.

 

Vermeintliche Fehlentscheidung bringt Frankreich in Führung

Als Unparteiischer war der Argentinier Néstor Pitana als Schiedsrichter für die Partie nominiert worden. Der 43-Jährige gilt als einer der erfahrensten und besten Schiedsrichter der Welt. Dennoch sorgten seine Entscheidungen beim gestrigen Match nicht nur für Zustimmung.

 

So kam es bereits in der Anfangsphase in der 18. Minute zu einer Kontroverse, als der Argentinier nach einer Schwalbe von Antoine Griezmann auf Freistoß entschied. Der Stürmer von Atlético Madrid hatte sich im Zweikampf gegen Marcelo Brozović ohne dessen Zutun fallen lassen, anstatt den Ball zu spielen, und sich nach geltenden Regeln damit eigentlich eine Verwarnung hätte einhandeln müssen.

 

Sein Schuss von halb rechts in relativ weiter Entfernung zum Tor fand jedoch nicht die beabsichtigten Spieler, sondern den Kopf von Kroatiens Mario Mandžukić, der den Ball ungewollt in lange Eck abfälschte und Keeper Danijel Subašić keine Chance ließ.

 

Kontroverse Schiedsrichterentscheidung nach Handspiel bringt Frankreich erneut in Führung

Nestor Pitana

Nestor Pitana (Bild: rtl.de)

Nachdem die Kroaten sich nach dem 1:0 Rückstand durch das Eigentor von Mandžukić keine zehn Minuten später mit einem Traumtor von Ivan Perišić in der 28. Minute eindrucksvoll zurück ins Spiel gekämpft hatten, kam es in der 37. Minute zu einer weiteren Kontroverse.

 

Nach einer Ecke von Griezmann verfehlte Samuel Umtiti den Ball, der stattdessen ins Aus ging. Pitana forderte den Videobeweis nach einem vermeintlichen Handspiel von Torschütze Perišić und machte es sich mit seiner Entscheidung nicht leicht. Schließlich gab es Elfmeter für Frankreich, den Griezmann gegen den ins falsche Eck springenden Subašić sicher verwandelte.

 

Auch nach der erneuten Führung durch Frankreich zeigte Kroatien große Stärke und spielte einige gute Chancen heraus, die jedoch ohne Tor endeten.

 

Die Experten sind sich indes einig, dass der Elfmeter durchaus berechtigt war, jedoch ohne Videobeweis nicht zustande gekommen wäre.

 

Kroatien kann erneuten Rückstand nicht mehr aufholen

Nach dem erneuten Rückstand durch den Handelfmeter schafften die Kroaten trotz eines starken Auftakts nach der Pause nicht mehr den Anschluss. In der 59. Minute erzielte Paul Pogba mit einem Nachschuss das 3:1, gefolgt von Kylian Mbappé, der keine sechs Minuten später ebenfalls traf.

 

Nach einem Fehler von Hugo Lloris schaffte Kroatien in der 69. Minute immerhin nach das 4:2, als Mandžukić den viel zu spät gespielten Pass des Torhüters abblockt und ins Tor befördert.

 

Insgesamt zeigten sich die Kroaten angriffslustiger und risikofreudiger, spielten zahlreiche gute Pässe und erarbeiteten sich eindeutig mehr Ballbesitz. Frankreich ging erwartungsgemäß bedacht an die Partie heran und agierte weniger offensiv, spielte sogar früh zurück zu Torwart und Kapitän Hugo Lloris.

 

Dass die Équipe Tricolore schließlich mit der Führung in die Pause ging, war mehr als glücklich für eine Mannschaft, die bis zur Halbzeit keinen eigenen Torschuss aus dem Spiel heraus aufbauen konnte. Nach dem 4:2 in der zweiten Hälfte überließen die „Les Bleus“ das Feld fast komplett den Kroaten, die jedoch in zahlreichen Versuchen an den tief stehenden Franzosen scheiterten.

 

Kane wird Torschützenkönig, Modrić bester Spieler des Turniers

Mit dem Finalergebnis konnte sich noch ein weiterer Spieler freuen und zwar Englands Harry Kane. Mit sechs Treffern brachte es der 24-jährige Stürmer zum Torschützenkönig der WM. Kroatiens Mittelfeldstar Luka Modrić erhielt indes wie erwartet die Auszeichnung als bester Spieler des Turniers, während der erst 19-jährige Kylian Mbappé zum besten Nachwuchsspieler gekürt wurde. Bester Torwart wurde Thibaut Courtois aus Belgien.

 

Feiernde Staatspräsidenten sind die Stars der WM

Emmanuel Macron jubelt

Emmanuel Macron jubelt (Bild: tz.de)

Unter den über 78.000 Zuschauern im Moskauer Olympiastadion Luschniki waren auch die kroatische Staatschefin Kolinda Grabar-Kitarović sowie der französische Präsident Emmanuel Macron. Zusammen mit Russlands Staatspräsident Wladimir Putin und Fifa-Präsident Gianni Infantino verfolgten die beiden Politiker das Spiel von der Tribüne aus.

 

Bei den Toren seiner Mannschaft konnte Macron sich schließlich nicht mehr zurückhalten und sprang begeistert und mit gereckter Faust hoch. Das dazugehörige Bild ging um die Welt.

 

Auch Kroatiens Präsidentin Grabar-Kitarović zeigte sich hochemotional bei der Siegerehrung und hatte als Fan im kroatischen Trikot bei der Pokalübergabe und Gratulation mit den Tränen zu kämpfen.

 

WM der Überraschungen

Insgesamt gestaltete sich die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 als eine große Überraschung. Mit Frankreich hat zwar eines der bereits im Vorfeld hochgehandelten Teams schließlich den Titel geholt, doch auf dem Weg dahin kam es zu zahlreichen unerwarteten Wendungen.

 

So schied Deutschland als amtierender Weltmeister bereits in der Vorrunde als Gruppenletzter aus und auch Portugal, Argentinien und Spanien schafften es nur unwesentlich weiter. Titelfavorit Brasilien brachte es immerhin bis ins Viertelfinale, scheiterte aber schließlich an Belgien, das das Turnier mit einem tollen Erfolg als Drittplatzierter abschloss.