, July 28, 2019

Am Freitag feierte das im Zwei-Jahres-Turnus in Oberösterreich stattfindende Historienschauspiel „Frankenburger Würfelspiel“ seine Premiere für die Saison 2019. Das Freiluftspektakel erinnert an ein dunkles Kapitel der Geschichte Oberösterreichs. Im Jahr 1625 mussten im Zuge der Gegenreformation 36 Frankenburger um Leben und Tod würfeln.

 

Hunderte Mitwirkende bei Frankenburger Würfelspiel

 

Seit 1925 erinnert das Freiluftspektakel Frankenburger Würfelspiel alle zwei Jahre an eines der düstersten Kapitel der oberösterreichischen Geschichte.

 

1625 hatte der katholische Statthalter Adam Graf von Herberstorff einen bewaffneten Aufstand der protestantischen Bevölkerung beendet, indem er den Akteuren Gnade versprach. Doch anstatt ihre Gnadengesuche zu bewilligen, ließ er 36 Männer paarweise gegeneinander um ihr Leben würfeln.

Das Frankenburger Würfelspiel beruht auf der Theatervorlage „Das Blutgericht am Haushamerfeld“ des österreichischen Schriftstellers Karl Itzinger (1888 – 1948). Aufgeführt wird das Schauspiel auf der Natur-Freilichtbühne Leitrachstetten Frankenburg. Diese befindet sich nur rund 5 Kilometer vom Originalschauplatz entfernt. Insgesamt sind rund 700 Darsteller und Helfer an den Aufführungen beteiligt. Das Freilichttheater fasst rund 3000 Zuschauer. In der Saison 2019 finden vom 26.07. bis zum 10.08. elf Aufführungen statt.

Unterhaltung und Mahnung

 

Seit knapp 100 Jahren zieht das Frankenburger Würfelspiel alle zwei Jahre Tausende von Gästen nach Oberösterreich. In den Familien zahlreicher Mitwirkenden ist das Engagement vor oder hinter den Kulissen des Spektakels oft bereits seit Generationen Tradition.

 

Bei etlichen Darstellern handelt es sich um direkte Nachfahren der Protagonisten des Stückes. Das Freiluftschauspiel, das einen Höhepunkt des österreichischen Theaterjahrs darstellt, soll allerdings nicht nur einen unterhaltsamen Blick in die Vergangenheit werfen.

 

Es gilt auch als zeitloser und wichtiger Aufruf zur Toleranz, wie Alois Streicher, der Obmann des Frankenburger Würfelspiels, den Oberösterreichischen Nachrichten zur Eröffnung der Spiele im Jahr 2017 erklärte:

Absolut zeitlos. Auf der einen Seite vom Geschichtlichen her, weil Geschichte wiederholt sich. Und die Geschichte, die damals 1625 unseren Vorfahren passiert ist, diese tragische Sache, ist leider Gottes auf der gesamten Welt immer aktuell.

Katholiken gegen Protestanten

 

Als 1625 der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) in vollem Gange war, befand sich die protestantische Region Frankenburg zwischen den Fronten.

 

Frankenburger Würfelspiel Zinnfigurendiorama

Das Frankenburger Würfelspiel als Zinnfigurendiorama (Quelle:Gerhard Anzinger, Wels, licensed under CC BY-SA 2.0)

Die römisch-katholische Führung unter Bayern-Herzog Maximilian I. hatte sich dem Kampf gegen den Protestantismus verschrieben. Im Zuge der geplanten Rekatholisierung wurde die evangelische Bevölkerung der Grafschaft Frankenburg zunehmend in ihrer Religionsausübung eingeschränkt.

 

Zur Eskalation kam es, als die Bayern beschlossen, die protestantische Pfarrei Frankenburg mit einem katholischen Geistlichen zu besetzen. In einem bewaffneten Aufstand verjagte die Bevölkerung den neuen Pfarrer und belagerte das Schloss Frankenburg.

 

Nach drei Tagen beendeten die Rebellen den Aufstand. Der von Maximilian eingesetzte Statthalter Adam Graf von Herberstorff hatte ihnen im Gegenzug für die Aufgabe Gnade zugesichert. Der Statthalter hatte eine einzige Voraussetzung für die friedliche Niederlegung der Auseinandersetzung genannt: Die Aufständischen sollten sich ohne „Wehr und Waffen“ einer Gerichtsverhandlung stellen.

 

List und Tücke: Das Frankenburger Würfelspiel

 

Am 15. Mai fanden sich auf Geheiß von von Herberstorff fast alle männlichen Bewohner der Grafschaft Frankenburg auf dem Haushamerfeld ein.

 

Doch entgegen der Absprache ließ von Herberstorff 36 Frankenburger durch seine Soldaten von der Menge abschirmen. Er selbst teilte ihnen mit, dass seine vorherige Gnadenzusage hinfällig sei. Sie alle waren bereits zum Tode verurteilt worden.

 

Gleichzeitig erklärte der Statthalter, die Hälfte der Verurteilten zu begnadigen. Der Haken: Wer von der Hinrichtung verschont bliebe, würden allein die Würfel entscheiden.

 

Paarweise spielten die Männer um ihr Leben: Wer gewann, entging dem Tod. Der Verlierer endete vor den Augen der Menge am Galgen. Insgesamt fielen am 15. Mai 1625 17 Männer auf dem Haushamerfeld dem Henker zum Opfer.

 

Ein misslungener Plan

 

Von Herberstorff hatte die Bevölkerung durch das Würfelspiel spalten und ihren Willen brechen wollen. Die brutale Strafaktion, bei der das Leben vom Würfelglück abhängig gemacht wurde, wiegelte die Bewohner Frankenburgs jedoch noch stärker auf und führte in der Folge zu weiteren blutigen Aufständen.

 

Auch heute sind es ihre Nachfahren, die sich mit dem Freiluftschauspiel alle Jahre wieder gegen Unterdrückung und für religiöse Toleranz aussprechen.