, June 3, 2019

Medienberichten zufolge hätte es im Herbst vergangenen Jahres zu einer der größten Fusionen im Sportwettenbereich weltweit kommen können. Im Raum stand die Übernahme des zuletzt schwächelnden britischen Buchmachers William Hill durch US-Casinoriesen Caesars Entertainment. Die Gespräche sollen am Preis gescheitert sein.

 

Megadeal geplatzt

 

Vor neun bis zwölf Monaten soll der US-amerikanische Glücksspielriese Caesars Entertainment Sportwettenanbieter William Hill ernsthafte Avancen gemacht haben.

 

caesars entertainment logo

Caesars Entertainment soll ernsthaftes Interesse am Buchmacher gezeigt haben (Quelle:Wikipedia)

Dies berichtet die britische Sonntagszeitung The Sunday Times in ihrer jüngsten Ausgabe unter Berufung auf interne Quellen.

 

Wäre der Deal zwischen den US-Amerikanern und dem Buchmacher zustande gekommen, hätte Caesars mit der Übernahme seine Stellung auf dem sich derzeit rasant entwickelnden US-amerikanischen Markt für Sportwetten ausbauen können. Der Wert der potenziellen Fusion wird auf umgerechnet rund 6,8 Milliarden Euro geschätzt.

 

Dass Caesars und William Hill dennoch nicht zusammenfanden, soll auch an Warnungen des Casinobetreibers vor sinkenden Verkaufszahlen im eigenen Las Vegas-Geschäft im August 2018 gelegen haben. Für den letztendlichen Abbruch der Gespräche werden Uneinigkeiten in Preisfragen verantwortlich gemacht.

 

Sportlich: William Hills Pläne für den US-Markt

 

Die Ausrichtung des britischen Buchmachers Richtung USA kommt nicht von ungefähr. Bereits im Jahr 2017 hatte William Hill-CEO Philipp Bowcock die Expansion seines Unternehmens im US-amerikanischen Raum als Devise ausgegeben:

 

Man wolle die Gewinne in den USA von aktuellen rund 50 Millionen US-Dollar jährlich bis 2023 auf 300 Millionen US-Dollar steigern.

 

Laut Sunday Times soll es seit dem Ende der Verhandlungen mit Caesars keine weiteren Angebote für William Hill gegeben haben.

 

Dies ist ein weiterer Hinweis darauf, dass der Buchmacher, der insbesondere aufgrund der von der britischen Regierung eingeführten verschärften Regelungen für Wettanbieter mit ernsthaften Schwierigkeiten zu kämpfen hat, in einer problematischen Situation steckt.

Seit dem 1. April 2019 beträgt der maximale Einsatz an britischen Wettterminals, den FOBTs, nur noch 2 Pfund Sterling. Zuvor hatten Spieler bis zu 100 Pfund pro Tipp einsetzen können.

 

Die Neuregelung, die dem Spielerschutz Rechnung tragen soll, führte immer wieder zu heftigen Reaktionen britischer Buchmacher.

 

So machte Wettanbieter William Hill von sich reden, indem er von den Vermietern seiner Ladenlokale Mietnachlässe von bis zu 50 Prozent infolge der angeblich zu erwartenden Verluste forderte.

Neue FOBT-Richtlinien zermürben William Hill

 

Die im April in Kraft getretenen Neuerungen zeigen massive Effekte auf die Geschäfte des Buchmachers in Großbritannien:

 

Von den derzeit rund 2.300 William Hill-Wettstuben in Großbritannien sollen laut Angabe des Unternehmens 900 von der Schließung bedroht sein. Rund 4.000 Arbeitsplätze stünden somit auf der Kippe.

 

Im März hatte William Hill für das Jahr 2018 einen Gesamtverlust von umgerechnet rund 838,6 Millionen Euro vor Steuern bekanntgegeben.

 

Die Aktie des Buchmachers fiel binnen der vergangenen zwölf Monate um 58 Prozent auf heute 134 Pfund Sterling. Der Wert des Konzerns wird derzeit auf rund 1,17 Milliarden Pfund Sterling geschätzt.

 

Zur Zeit der Verhandlungen mit Caesars sollen es noch rund 3 Milliarden Pfund gewesen sein.

 

Sportwetten-Goldrausch mit Eldorado?

 

Eldorado Casino Las Vegas

Eldorado Resorts ist im Casino- und Sportwettengeschäft aktiv (Quelle:flickr.com/Ken Lund, licensed under CC BY-SA 2.0)

Dem Vernehmen nach konzentriert sich der Konzern trotz der mutmaßlichen Bereitschaft zur Konsolidierung durch externe Investoren nun auf sein natürliches Wachstum und hat auch dabei den US-amerikanischen Markt fest im Blick.

 

Mit der Eldorado Resorts Gruppe, die 20 Prozent der William Hill-Anteile des US-Geschäfts hält, ist der Buchmacher bereits in sieben US-Bundesstaaten vertreten. Insgesamt operiert Eldorado in 17 Bundesstaaten der USA.

 

Mit der aktuellen Freigabe von Sportwetten durch den Senat dürfte der Bundesstaat Illinois ebenfalls zeitnah im Portfolio der Briten erscheinen. Auch New York berät momentan über die Ausgestaltung einer potenziellen Legalisierung des Sportwettengeschäfts.

 

Veröffentlichung nur Teil einer Strategie?

 

Der Sunday Times zufolge gehen Analysten davon aus, dass die Veröffentlichung der abgebrochenen Gespräche vom Herbst nicht von ungefähr komme, sondern William Hill gezielt erneut ins Spiel bringen sollte: Derzeit sollen sich Eldorado und Caesars in Verhandlungen (Seite auf Englisch) befinden, wie im vergangenen März bekannt wurde.

 

Sollte es zu einer Einigung der amerikanischen Glücksspielgrößen kommen, könnte William Hill auf einen erneuten Anlauf in Sachen Expansion im USA-Geschäft hoffen.

 

Da insbesondere der Onlinebereich bei Sportwetten in den USA noch in den Kinderschuhen steckt, wäre eine Fusion mit dem bereits seit 1934 aktiven britischen Buchmacher zweifellos eine attraktive Option für den so entstehenden Big Player. Und eine große Chance für den in der Heimat schwächelnden Sportwettenanbieter.