Donnerstag, 30. Juni 2022

GambleAware: Exzessives Glücksspiel generiert Großteil der Online-Umsätze

Daten virtuelles Schloss Menschen im Hintergrund

Die britische Spielerschutz-Organisation GambleAware untersucht im Rahmen einer großangelegten Studie die Gewohnheiten von Spielern im Online-Glückspiel. Am Freitag hat die Organisation ihre ersten Ergebnisse in einem Zwischenbericht veröffentlicht [Bericht auf Englisch].

Sieben der größten Anbieter von Online-Sportwetten und Online-Casino in Großbritannien haben GambleAware dazu die anonymisierten Daten von jeweils knapp 20.000 ihrer Kunden zur Verfügung gestellt. Wie die Organisation erklärt, habe sie die Daten von insgesamt 139.152 Kundenkonten verwerten können.

Um möglichst aussagekräftige Schlussfolgerungen ziehen zu können, sei das Spielverhalten jedes Kunden über den Zeitraum eines gesamten Jahres (1. Juli 2018 – 30. Juni 2019) analysiert worden.

Online-Sportwetten: Fast alle Profite durch Männer

In Bezug auf Sportwetten habe der Datensatz ergeben, dass 78,4 % der Wettkunden männlich seien. Diese hätten für 94 % des Gesamtumsatzes der Anbieter gesorgt. Einen Großteil der platzierten Wetten hätten Fußball- und Pferdewetten ausgemacht.

Zirka 23 % der Wettkunden haben über den Zeitraum des untersuchten Jahres Profite erzielt. 2,2 % der Wetter hätten das Jahr mit Verlusten von mehr als 2.000 Euro abgeschlossen. Weitere Erkenntnisse in Bezug auf Alter, Geschlecht und Wetterfolg:

  • Wetten auf E-Sport seien fast ausschließlich von Männern platziert worden. 80 % davon seien jünger als 35 Jahre.
  • In der Altersgruppe 55 + seien Pferdewetten häufiger als andere Sportwetten platziert worden.
  • Die Verluste aus Sportwetten insgesamt seien proportional zum Alter der Spieler gesunken.
  • Gleichzeitig hätten ältere Kunden durchschnittlich höhere Einsätze pro Wette platziert als jüngere.
  • Männer hätten je nach Altersgruppe jeweils zwei- bis fünfmal so häufig Wetten platziert wie Frauen.
  • Der durchschnittliche Einsatz der Männer habe bei 5,25 GBP gelegen, bei den Frauen hingegen bei 4,13 GBP.
  • 0,7 % der Kunden hätten mehr als 5.000 GBP pro Jahr gesetzt. Von diesen seien 95 % Männer gewesen, ein Großteil davon zwischen 40 und 50 Jahre alt.

Online-Casino: Frauen zocken mehr, riskieren aber weniger

Auch im Bereich Online-Casino habe die Analyse der Kundenkonten klare Muster aufgezeigt. Grundsätzlich seien Spielautomaten in den Online-Casinos die meistgespielte Form des Glücksspiels. Slots allein hätten zu 60 % des Bruttoumsatzes der Anbieter beigetragen.

Von allen aktiven Kundenkonten hätten 69,7 % männlichen Spielern gehört. Diese hätten den Online-Casinos 74 % des Bruttoumsatzes beschert. Allerdings hätten die Frauen im Durchschnitt häufiger und länger im Online-Casino gespielt als die Männer, dafür jedoch mit deutlich geringeren Einsätzen.

Insgesamt sei die Beteiligung an Online-Casino-Spielen in der Altersgruppe 25 bis 34 am höchsten. Mit zunehmendem Alter sinke das Interesse am virtuellen Glücksspiel proportional ab.

Besorgniserregendes Spielsucht-Fazit

Sowohl im Bereich Wetten als auch im Bereich Online-Casino sei eine Erkenntnis jedoch besonders besorgniserregend. Entgegen der Aussage vieler Anbieter stamme ein Großteil der Bruttoeinnahmen von einer sehr geringen Anzahl von Kunden. Im Fazit der Studie heißt es:

Die Ergebnisse zeigen, dass eine große Mehrheit aktiver Online-Glücksspiel-Konten in Großbritannien relativ wenig ausgaben und im Verlauf des Jahres unregelmäßig genutzt wurden. Gleichzeitig wurde ein geringer Anteil der Kundenkonten exzessiv genutzt und hat dabei beträchtliche Verluste verursacht. Das Resultat: eine kleine Anzahl von Kunden generierte einen großen Anteil der Glücksspiel-Bruttoeinnahmen (GGY).

Die Untersuchungen sollen im Jahr 2021 fortgesetzt werden. Zusätzlich zu den von den Anbietern bereitgestellten Daten sollen Umfragen von Spielern neue Erkenntnisse liefern. GambleAware rechnet damit, Anfang 2022 einen abschließenden Bericht veröffentlichen zu können.