, 26.02.2020

Die britische Wohltätigkeitsorganisation GamCare soll aus ihrem Online Forum gezielt die Posts von Nutzern entfernt haben, die für eine Neuregelung des Glücksspiels in Großbritannien plädieren oder die Praktiken der Glücksspielbranche kritisieren.

 

Laut einem Bericht der britischen Tageszeitung The Times handle es sich keineswegs um einen Einzelfall. Die Forenregeln selbst stellten klar heraus, dass „das Lobbying gegen die Dienstleistungen der Glücksspielindustrie“ unzulässig sei.

 

Ein Nutzer soll in einem Post bemängelt haben, dass der geltende Gambling Act von 2005 keinen ausreichenden Spielerschutz garantiere. Der Post sei mit einer Petition zur Überholung des Glücksspielgesetzes einhergegangen. Kurz darauf sei er entfernt worden.

 

Ein anderer (ehemaliger) Nutzer des GamCare-Forums erklärte gegenüber The Times, schon vor Jahren das Forum verlassen zu haben, da seine kritischen Posts bezüglich Einsatzlimits und Glücksspielwerbung entfernt worden seien.

 

Ein finanzieller Interessenskonflikt?

Für die Betroffenen lasse sich oft nur eine Schlussfolgerung ziehen: GamCare befinde sich in einem finanziellen Interessenskonflikt.

 

Auf der einen Seite diene die Organisation dem Zweck, Glücksspieler zu informieren und ihnen zu helfen, verantwortungsbewusst zu spielen. Auf der anderen Seite wird GamCare fast ausschließlich durch die Glücksspielindustrie finanziert.

GamCare ist Teil von GambleAware, bzw. dem National Gambling Treatment Service, einem landesweiten Netzwerk aus Hilfsorganisationen für Spielsuchtprävention und -behandlung. Finanziert werden GamCare und Co. durch unmittelbare Abgaben der lizenzierten Glücksspielanbieter.

 

Seit dem 1. Januar 2020 sind alle britischen Lizenznehmer verpflichtet, mindestens 0,1 % ihrer Einnahmen an eine der acht von der UK Gambling Commission befürworteten Spielsucht-Hilfsorganisationen zu spenden.

Lediglich ein kleiner Teil des GamCare zur Verfügung stehenden Budgets werde durch private Spenden erreicht. Die Organisation selbst erklärt, daher innerhalb gewisser Grenzen arbeiten zu müssen.

 

GamCare reagiert auf die Vorwürfe

Gamcare GamCare hat jedoch unmittelbar reagiert reagiert [Seite auf Englisch]. Das Entfernen gewisser Forenbeiträge erklärt Gamcare damit, dass das Forum allein dem Austausch und Support dienen solle, nicht aber Platz für „politischen Wahlkampf“ biete.

 

Forderungen nach strikteren Glücksspielgesetzen und Beschwerden gegen das geltende System scheinen somit klar in diesen Bereich zu fallen.

 

GamCare erklärt in seiner Antwort auch sein Finanzierungsmodell, fokussiert jedoch darauf, was mit den Geldern erreicht werde:

Diese Spenden helfen uns und anderen, den Menschen, die durch das Glücksspiel Schäden erleiden, effizient und sicher zu helfen. GamCare unterstütz über seine Telefonseelsorge und Therapiedienstleistungen jedes Jahr zirka 40.000 Menschen, die durch das Glücksspiel Schaden erlitten haben.

Ob die Nutzer des Forums sich mit dieser Antwort zufriedengeben werden, bleibt abzuwarten.

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