, 04.08.2021

Die Aktie des chinesischen Gaming-Konzerns Tencent ist am Dienstag nach einem kritischen Zeitungsbericht massiv eingebrochen. Ausgelöst hatte den Kurssturz von über 11 % eine regierungsnahe Zeitung, in der Gaming als „geistiges Opium“ bezeichnet wurde.

 

In dem Artikel der staatlich kontrollierten Zeitung Economic Information Daily wurden Onlinespiele ungewöhnlich scharf verurteilt. Zum Beleg seien „schockierende Daten“ über die Videospielsucht von Jugendlichen präsentiert worden, die täglich acht und mehr Stunden mit dem Gaming verbrächten.

 

Dabei zitierte Economic Information Daily einen chinesischen Wissenschaftler:

Keine Industrie und kein Sport sollten davon profitieren, eine ganze Generation zu vernichten.

Ziel der Attacke sei Beobachtern zufolge insbesondere Tencent, einer der größten Anbieter von Videospielen in China. Demnach sei dessen Multiplayer-Game “Honor of Kings” explizit als abschreckendes Beispiel genannt worden.

 

Tencent-Games mit über 100 Millionen Nutzern

Zum Beleg für die fortschreitende Gefahr sei in dem Artikel aufgeführt worden, dass fast zwei Drittel aller Minderjährigen in China oft spielten. Allein Tencents “Honor of Kings” komme auf über 100 Millionen aktive tägliche Nutzer. Aus diesem Grund sei in dem Bericht die Forderung nach einem Stopp dieser „elektronischen Drogen“ gestellt worden.

Um Minderjährige vom übermäßigen Gaming abzuhalten, ist Tencent bereits selbst aktiv geworden. So setzt der Konzern künftig auf eine durch künstliche Intelligenz gesteuerte Gesichtserkennung, um das Verhalten zu kontrollieren. Die Technologie soll sicherstellen, dass eine nächtliche Gaming-Sperrstunde für unter 18-Jährige wirksam umgesetzt werden kann. Am Dienstag erklärte Tencent zudem, sich insbesondere bei “Honor of Kings” um eine Stärkung des Spielerschutzes bemühen zu wollen.

An der Börse reagierten die Händler umgehend und schickten die Tencent-Aktie auf Talfahrt. Sie gab am Dienstag um bis zu 11 % nach, wodurch der Unternehmenswert zeitweise um 60 Milliarden USD sank.

 

Allerdings war der Kurssturz nicht von langer Dauer, denn inzwischen erholten sich die Kurse wieder zum Teil. Bis Mittwochmorgen legten sie um knapp 5 % zu und lagen damit im Vergleich zum Wochenbeginn nur noch gut 5 % im Minus.

 

Ein wichtiger Grund für das wiedererweckte Vertrauen der Anleger könnte der Nachrichtenagentur Bloomberg [Seite auf Englisch] zufolge eine Reaktion von Regierungsseite sein. Demnach sei der kritische Artikel von der Webseite der Zeitung und aus ihren Social-Media-Posts verschwunden.

 

Dies könne laut Bloomberg ein Indiz dafür sein, dass der Artikel der Regierung zu weit gegangen sein könnte. Zwar warnten staatliche Stellen schon seit Längerem vor den Gefahren übermäßigen Gamings, die Schädigung eines der bedeutendsten Softwarekonzerne des Landes könne aber eventuell nicht im Interesse der Behörden sein.