, March 17, 2019

Seit Anfang Januar gibt es an vielen Pferderennbahnen Deutschlands deutlich bessere Wettquoten. Grund dafür ist eine Senkung der Toto-Abzüge auf Pferdewetten innerhalb der deutschen Totalisatoren. Während Kunden von höheren Gewinnausschüttungen profitieren, versprechen sich die Buchmacher von dieser Maßnahme Umsatzsteigerungen.

 

Nach dem Beispiel Frankreichs

Der deutsche Pferderennsport und die dazugehörigen Toto-Wetten sollen künftig für Wetter wieder attraktiver werden. Nachdem die deutschen Galopprennvereine zu diesem Zwecke bereits zum 1. Januar dieses Jahres die Wettquoten begünstigt hatten, folgte im Februar auch der erste Trabrennverein.

 

So wurden beim Zucht- und Trabrennverein Straubing (ZTVSR) für das Samstagsrennen des 9. Februars erstmals die Toto-Abzüge gesenkt. Dabei geht es um eine Vereinheitlichung aller Abzüge bei Sieg- und Platzwetten auf 15 %. Das bedeutet, dass künftig 85 % aller Wetteinsätze an die Gewinner ausgezahlt werden.

 

Pari Mutuel Urbain

Dem Vorbild Frankreichs führendem Wettanbieter gefolgt (Bild: Wikipedia)

Zuvor lag der Abgabesatz im rein deutschen Totalisator bei 22 %, ein international nicht konkurrenzfähiger Wert. Mit einer Senkung um sieben Prozent können Wetter künftig von einer deutlich erhöhten Gesamtgewinnausschüttung, ähnlich wie in anderen Ländern, profitieren.

 

Damit orientierten sich die Galoppvereine sowie der Zucht- und Trabrennverein Straubing an den Quoten der französischen Pari Mutuel Urbain (PMU), dem international führenden Anbieter für Pferdewetten.

 

Gerade für den ZTVSR war die Anpassung der Quoten ein logischer Schritt, denn an der Rennbahn gibt es neben dem rein deutschen auch einen deutsch-französischen Totalisator. Dieser folgte seit jeher den französischen Standardquoten und erwies sich als deutlich erfolgreicher.

 

Wie der Vorsitzende des ZTVSR, Josef Schachtner, gegenüber der Straubinger Regionalzeitung „regio-aktuell 24“ erläuterte, könnten Kunden die beiden Totalisatoren jetzt deutlich besser vergleichen. Für Wetter sei es „verwirrend“ gewesen, derart divergierende Zahlen am selben Ort vorzufinden.

Der Zucht- und Trabrennverein Straubing ist der älteste Trabrennverein in ganz Deutschland. Jedes Jahr werden dort 20 Renntage mit durchschnittlich jeweils zehn Rennen veranstaltet. Neben der Rennbahn in Straubing gibt es weitere neun Trabrennbahnen in der Bundesrepublik, die meisten davon in NRW. Eine deutlich größere Anzahl aller deutschen Rennbahnen sind jedoch Galopprennbahnen, von denen es insgesamt 20 gibt.

Lohnende Quoten bei allen Wetttypen

Die Senkung der Toto-Abzüge sorgt unmittelbar für bessere Quoten bei jedweder Art der Pferdewette. Vor allem die wenig lohnenden Mini-Quoten in Platzwetten soll es künftig nicht mehr geben. Hier gab in der Vergangenheit nämlich im schlechtesten Fall Quoten von 1:1, so dass der Wetter im Falle des Gewinnes nichts als seinen Einsatz zurückerhielt.

 

Entsprechend wenig attraktiv war es daher sowohl für deutsche als auch ausländische Wetter, innerhalb des rein deutschen Totalisators Platzwetten abzugeben, wo doch der französische und der gemischte deutlich bessere Quoten zu bieten hatten.

 

Dort, wo die Quoten ohnehin besser sind, also bei den risikoreicheren Siegwetten, sieht man in ganzen Zahlen natürlich noch größere Unterschiede zugunsten der Wetter.

Was genau sind Platzwetten und Siegwetten?

 

Im Pferderennsport gibt es vor allem zwei vorherrschende Wettarten, die Siegwette und die Platzwette. Bei einer Siegwette tippt der Wetter auf den konkreten Sieger eines Rennens. Je nachdem, wie viele Pferde an den Start gehen, können die Quoten hier äußerst attraktiv sein, gerade dann, wenn man auf einen Underdog setzt.

 

Bei Platzwetten sind die Gewinnchancen deutlich erhöht, da man nicht auf den Sieg eines Pferdes setzt, sondern auf dessen Platzierung innerhalb der Top 2, Top 3 oder Top 4. Wie hoch oder niedrig die Quoten hierbei sind, hängt jedoch von der Gesamtzahl der teilnehmenden Pferde ab. Je mehr potentielle Platzierungen möglich sind, desto besser werden die Quoten.

Auch die Wettanbieter profitieren

Natürlich wäre das Wettgeschäft wenig lohnend, wenn die Buchmacher selbst nicht auch genügend Gewinn machen könnten. Generell werden daher bei jeder Sportart für jedes Match, Turnier oder Rennen die genauen Quoten von Experten errechnet, damit diese sowohl für die Wettanbieter als auch für die Wetter möglichst fair sind.

 

In einem in dieser Woche veröffentlichten Interview mit Riko Luiking und Pierre Hofer, Geschäftsführer bei zwei führenden Anbietern für Pferdewetten, wurde genau dieser Aspekt beleuchtet.

 

Beide Geschäftsführer bestätigten, dass die Umsätze seit der Senkung der Toto-Abzüge deutschlandweit deutlich gestiegen seien. Für den weiteren Jahresverlauf erwarte man weitere Umsatzsteigerungen, insbesondere weil die Rennen in den Sommermonaten generell besser besucht würden.

 

Grundsätzlich hoffe man, über attraktivere Quoten mehr Menschen für den Pferdesport und Pferdewetten zu begeistern. Mit rund 200 Mio. Euro Umsatz aus Pferdewetten erziele man lediglich 2,5 % der Umsätze des gesamten deutschen Sportwettenmarktes (8. Mrd. Euro).

 

Da inklusive aller Galopprennbahnen und dem ZTVSR bisher erst knapp die Hälfte aller deutschen Rennbahnen die neuen Toto-Abzüge eingeführt haben, sind weitere Umsatzsteigerungen in den nächsten Jahren durchaus denkbar. Sollten die anderen Trabrennbahnen und sonstigen Rennbahnen nachziehen, wird man schnell erkennen, wie effektiv die verbesserten Quoten wirklich sind.