Sonntag, 27. November 2022

Glückspiel-Werbeverbot sorgt für Umsatzeinbußen bei Sky TV

Sky TV Werbeschild|Sky TV

Die Werbeeinnahmen des britischen Pay-TV-Senders Sky TV sind im dritten Quartal 2019 gegenüber dem Vorjahr um 18,2 Prozent zurückgegangen. Ursache der Umsatzeinbußen sei das Glücksspiel-Werbeverbot bei der Übertragung von Sportveranstaltungen in Großbritannien.

Sky TV, Kamera, Aufnahmen

Bei Live-Übertragungen von Sportveranstaltungen darf in Großbritannien keine Glücksspielwerbung geschaltet werden. (Bild: Wikipedia/Steindy, GNU-Lizenz)

Am vergangenen Donnerstag gab die Comcast Corporation die Umsatzzahlen für das dritte Quartal 2019 bekannt. Der US-amerikanische Mutterkonzern der Sky-Gruppe konnte insgesamt einen Umsatzanstieg erzielen. Für den im September erworbene britischen Sender Sky TV verzeichnete Comcast jedoch einen Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahresquartal.

Insgesamt ist der Umsatz von Sky im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 Prozent gesunken. Dies ist vor allem auf die Einbußen bei den Werbeeinnahmen zurückzuführen. Konnte der Sender im dritten Quartal des Jahres 2018 noch einen Umsatz von 545 Mio. US-Dollar verzeichnen, waren es im dritten Quartal nur noch 446 Mio. US-Dollar. Dies entspricht einem Rückgang von 18,2 Prozent.

Ursache des Umsatzrückgangs bei den Werbeeinnahmen seien laut Quartalsbericht der Comcast Corporation die Auswirkungen der Gesetzesänderung zur Glücksspielwerbung in Großbritannien und Italien sowie die allgemeine Schwäche des Marktes.

Werbeverbot in Großbritannien

In Großbritannien kündigte die Industriegruppe für verantwortungsvolles Glücksspiel (IGRG) im Dezember 2018 ein von Wirtschaft und Gesetzgebern unterstütztes Verbot für Glücksspielwerbung [Seite auf Englisch] an, um die Glücksspielsucht zu bekämpfen. Das Werbeverbot sieht vor, dass bei der Live-Übertragung von Sportveranstaltungen keine Werbung mehr in den Pausen sowie fünf Minuten vor und nach der Sendung gezeigt werden darf. Pferderennen und Windhundrennen sind von den Einschränkungen ausgenommen.

Mit dem Werbeverbot sollte vor allem den Livewetten während Sportveranstaltungen ein Riegel vorgeschoben werden. Bei Livewetten kann man noch nach Beginn einer Sportveranstaltung auf das Ergebnis wetten. In Großbritannien sind Livewetten besonders beliebt, stehen jedoch immer wieder in der Kritik von Politik und Medien. Bei ihnen bestehe die Gefahr, Anreize für spontane, unüberlegte Wetteinsätze zu setzen. Vor dem Werbeverbot haben Buchmacher die Live-Wetten während der TV-Übertragungen intensiv beworben.

Die Einschränkungen der Glücksspielwerbung traten am 1. August 2019 in Kraft und ergänzten die schon zuvor von einigen Sendern selbstauferlegten Restriktionen. So hatte Sky bereits im November 2018 angekündigt, die Glücksspielwerbung freiwillig zu reduzieren.

Neben Glücksspielindustrie und Medienanstalten reagierte die britische Werbeaufsicht auf die zunehmenden Forderungen der Politik, die Glücksspielwerbung zu beschränken. Sie führte mit Wirkung zum 1. April 2019 neue Richtlinien ein. Diese sehen unter anderem vor, dass sich Glücksspielwerbung nicht an Minderjährige richten darf und dass die Werbung keine Sportler unter 25 Jahren zeigen darf.

Großbritannien war in den vergangenen Monaten jedoch keineswegs das einzige europäische Land, in dem die Glücksspielwerbung massiv eingeschränkt wurde. So ist in Italien seit Sommer 2018 jegliche Glücksspielwerbung in Fernsehen und Radio verboten.

Italien – harsche Folgen des Glücksspielwerbeverbots

Medien schätzen die Steuerverluste durch das Glücksspielwerbeverbot in Italien auf rund 700 Mio. Euro. Doch nicht nur der Staat selbst und die Medienanstalten sind von finanziellen Verlusten betroffen, sondern auch die Fußballvereine, denn das Glücksspiel-Werbeverbot, Decreto Dignità genannt, hat auch zur Folge, dass Sportvereine auf Sponsoring-Verträge mit Glücksspielanbietern verzichten müssen.

Verstöße gegen das Glücksspielwerbeverbot werden in Italien mit Geldbußen in Höhe von mindestens 50.000 Euro geahndet, die in den Fonds gegen pathologisches Glücksspiel eingezahlt werden. Allerdings gilt das Glücksspielverbot nur im italienischen Inland – eine Lücke, die sich der Fußballverein Juventus jüngst zunutze gemacht hat.

Er ernannte im September den Wettanbieter 10bet zu einem offiziellen Werbepartner. In seiner Pressemitteilung erklärte der Verein:

„Wir werden ausschließlich außerhalb von Italien mit einem Partner zusammenarbeiten, dessen Kernaktivitäten Unterhaltung und Engagement sind. Die besondere Aufmerksamkeit für die globalen Märkte und Zielgruppen sind zentrales Thema für 10bet und den Club und zeugen von der perfekten Synergie zwischen unseren beiden Unternehmen.“

Da Glücksspielunternehmen, die Werbepartnerschaften mit italienischen Fußballvereinen eingehen möchten, nur die Werbung im Ausland offensteht, ist nicht zu erwarten, dass viele Anbieter auf diesen Schritt zurückgreifen.

Einbußen, wie sie Sky TV derzeit verzeichnet, sind aufgrund der Werbebeschränkungen in Großbritannien und Italien auch für andere, europaweit agierende Medienanstalten zu erwarten.