, November 5, 2018

Der britische Pay-TV-Sender Sky hat angekündigt, ab dem Start der nächsten Premiere League Saison weniger Glücksspielwerbung auszustrahlen. Damit soll vor allem die Suchtprävention bei Jugendlichen unterstützt werden.

Sky

Sky ist ein britischer Telekommunikations- und Fernsehanbieter. Das Unternehmen wurde im Jahre 1990 gegründet und hat mehr als 31.000 Mitarbeiter weltweit. Sky bietet ein eigenes Pay-TV-Programm an und besitzt seit 1991 die Übertragungsrechte für die englische Premiere League. Kunden können Sky Sports über ein Zusatzpaket buchen.

 

Das Programmangebot von Sky ist in Deutschland seit 2009 erhältlich. Sky wirbt mit der Erstausstrahlung amerikanischer Filme und Serien in Deutschland. Stärkstes Zugpferd des deutschen Unternehmenszweigs ist allerdings die Exklusivübertragung von Bundesliga- und UEFA Champions League-Spielen.

Beunruhigende Zahlen

 

Union Jack

Wetten auf Fußball sind in Großbritannien besonders populär (Quelle: www.publicdomainpictures.net)

Wie wir bereits im Oktober berichteten, wird in Großbritannien der Ruf nach einem Verbot von Glücksspielwerbung im Fernsehen immer lauter. Politiker, Verbände und Spielerschutz-Organisationen hatten schon seit Jahren gefordert, Werbung für Glücksspiel zu reduzieren und damit gegen problematisches Spielverhalten vorzugehen.

 

Ängste hatte vor allem ein Bericht der UK Gambling Commission (Link auf Englisch) geschürt, wonach die Zahl der über 16-Jährigen, die in Gefahr sind, ein pathologisches Spielverhalten zu entwickeln, auf 430.000 angestiegen sei.

 

Sky plant Veränderungen

 

Der Sender Sky hat sich nun dazu entschieden, eine neue Firmenpolitik einzuführen, die den Anliegen von Politikern und Verbänden entgegenkommt. So will das Unternehmen, das bisher bis zu vier Werbespots von Glücksspielanbietern pro Werbepause sendete, zukünftig nur noch einen Werbespot für Glücksspielprodukte pro Pause ausstrahlen.

 

Obwohl die Werbung für Sportwetten, Bingo, Poker und Online Casinos in Großbritannien mit Ausnahme von Live-Übertragungen nur noch nach 21:00 Uhr erlaubt ist, will der Fernsehsender seine neue Richtlinie auch auf die Zeit nach 21:00 und das Nachtprogramm ausdehnen.

 

Außerdem soll ein innovativer Schutzmechanismus einführt werden, der es Zuschauern mit Spielabhängigkeit ermöglicht, überhaupt keine Glücksspielwerbung mehr zu sehen.

 

Damit ist die AdSmart Technologie gemeint, die ab 2020 mit allen Sky und Virgin Media Angeboten verfügbar sein soll. Sie ermöglicht das Sperren von Glücksspielwerbung auf über 140 Kanälen.

 

Stephen van Rooyen, CEO von Sky Großbritannien begründete die neuen Schritte mit der Zunehmenden Sorge der Sky-Zuschauer:

„Unsere Kunden machen sich Sorgen über die Glücksspielwerbung im Fernsehen – und wir verstehen diese Sorgen. Aus diesem Grund verpflichten wir uns, die Zahl der Glücksspielwerbespots auf Sky zu verringern und dadurch diejenigen zu beschützen, die anfällig für problematisches Spielen sind.“

Van Rooyen sieht im Zuge der Maßnahme aber auch andere Werbeplattformen in der Pflicht, effektiver gegen Glücksspielsucht zu agieren. So sei die Glücksspielwerbung auf Social-Media-Kanälen wie Facebook und Google unreguliert und weitgehend unkontrollierbar.

 

Auch diese Unternehmen müssten ihre Plattformen zu einem sicheren Ort für Jugendliche machen. Wie die UK Gambling bekannt gab, soll bereits eines von zehn Kindern Social-Media-Profilen folgen, die von Wettspielunternehmen betrieben werden.

 

Ungeahnte Unterstützer

 

Wettbüro

Kleinere Wettbüros könnten von den Änderungen profitieren. (Quelle: Geographie.co.uk/Paul Collins)

Das Verbot von Glücksspielwerbung vor 21:00 Uhr und die Reduzierung von Werbespots im Sky-Programm sollte, so könnte man denken, zu Unmut bei Werbetreibenden und Glücksspielunternehmen führen.

 

Immerhin hat die Glücksspielindustrie seit der Legalisierung ihrer Werbung im Jahre 2007 kräftig investiert, um ihre Reichweite zu erhöhen. So haben die großen britischen Anbieter wie Bet365 und William Hill insgesamt zwischen 2012 und 2017 1,6 Milliarden Euro für Werbung ausgegeben.

 

Doch nicht alle ärgern sich über eine Einschränkung der Werbung. Vor allem kleine Buchmacher und Wettbüros, die weder den Online-Markt bedienen noch über große Werbeetats verfügen, könnten von einer Reduzierung der TV-Werbung profitieren.

 

Wenn sich das Angebot für Werbeplatzierungen im TV verringert, könnte konventionelle Werbung in Magazinen, auf Werbeplakaten und Schautafeln, die für kleinere Anbieter wesentlich günstiger ist, aufgewertet werden.

 

Damit wird zwar die Konkurrenz zu den Online-Giganten nicht unbedingt kleiner, könnte Wettbüros in Fußgängerzonen und Shopping-Malls aber etwas mehr Raum zum Atmen geben.

 

Auf dem umkämpften britischen Glücksspielmarkt, der allein im Jahr 2017 knapp 15 Milliarden Euro umsetzte, werden Wettbüros immer stärker verdrängt.

 

Während die Zahl der Sportwettbüros zwischen 2016 und 2017 um 3.9 % zurückging, steigerte sich der Umsatz der Anbieter von Online-Glücksspiel und Sportwetten um 10,1 %.

 

Mittlerweile ist die Online-Glücksspielindustrie damit für knapp 35 % des Gesamtumsatzes auf dem Glücksspielmarkt verantwortlich.

 

Ein richtungsweisender Schritt?

 

Sky könnte mit seiner neuen Firmenpolitik einen richtungsweisenden Schritt gehen. Die Reduzierung der Glücksspielwerbung ist möglicherweise ein Beweis dafür, dass das Unternehmen die Suchtprävention ernst nimmt. Schließlich könnten dem Konzern durch die neue Richtlinie lukrative Werbegelder in Millionenhöhe entgehen.

 

Andererseits könnte dieser Schritt aber auch auf etwas anderes verweisen: den Einfluss von Verbänden und Politikern, die den Anbietern von Online-Glücksspiel kritisch gegenüberstehen. Sie sind diejenigen, die am aggressivsten für ihre Produkte im Fernsehen werben.

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