, 11.04.2021

Die italienische Polizei hat Medienangaben zufolge in dieser Woche Vermögenswerte in Höhe von 17 Mio. Euro von mutmaßlichen Lotteriebetrügern beschlagnahmt. Die Verdächtigen sollen sich mithilfe von Insiderwissen zu Rubbellosen von Lotteriebetreiber Lottomatica wiederholt Millionen-Jackpots erschlichen haben. Die Ermittlungen hatten bereits 2020 zu Festnahmen geführt.

 

Wiederholter Rubbellos-Betrug

 

Im vergangenen Oktober war rund ein Dutzend Verdächtiger im Zusammenhang mit einem Millionenbetrug am italienischen Lotteriebetreiber Lottomatica zeitweise festgenommen worden. Nun führte der Fall erneut zu Beschlagnahmungen. Offenbar flossen noch mehr Rubbellos-Jackpots in die Taschen der Betrüger als zunächst angenommen.

 

Dies meldet unter anderem das Nachrichtenportal gazetta.it [Seite auf Italienisch] unter Berufung auf Ermittlerkreise. Konfisziert worden seien Immobilien, Luxuswagen, Bargeld und Aktien im Wert von 17 Mio. Euro. Die britische Times zitiert einen Fahnder mit dem Worten:

Sie waren außer sich vor Freude als sie das [den Betrug, Anm. d. Red.] durchgezogen hatten, aber jetzt ist alles, was sie sich beschafft haben, weg.

Die Betrugsmasche hatte bereits im Herbst für Schlagzeilen gesorgt. Damals hatte sich der Verdacht erhärtet, dass Lottomatica-Angestellte das Unternehmen mithilfe von Insiderwissen um mindestens 24 Mio. Euro betrogen haben könnten.

 

Der Lottomatica-Inhaber International Game Technology PLC hatte daraufhin mehrere Mitarbeiter freigestellt und umfassende interne Untersuchungen sowie vollständige Kooperation mit den italienischen Behörden angekündigt.

 

Gewinnchance 1:16 Millionen

 

Konkret geht es um den Vorwurf, dass mindestens einer der Verdächtigen sich über seinen Lottomatica-Systemzugang Informationen darüber beschafft habe, wo genau die raren Rubellose, die den Jackpot knackten, in den Handel gelangt waren.

 

Die Informationen habe er an ausgewählte Freunde und Familienmitglieder übermittelt. Daraufhin hätten sich die Komplizen italienweit auf den Weg gemacht, um die von Lottomatica an Annahmestellen ausgelieferten Rubellose packweise aufzukaufen.

Teil des Betrugs soll auch Cristiano Copelli sein, der als Linienrichter bei 220 Spielen der Seria A des italienischen Fußballs auf dem Platz gestanden hat. 2006 war Copelli im Rahmen des sogenannten „Calciopoli“-Skandals in die Schlagzeilen geraten, weil er Verbindungen zu Schlüsselfiguren der Korruptionsaffäre, die den italienischen Fußball erschütterte, unterhalten hatte.

Der Gruppe sei es so gelungen, vier Jackpots von Maxi Milionario und Supercash zu knacken. Je zweimal hätten die Rubellose die Hauptgewinne in Höhe von 7 bzw. 5 Mio. Euro erbracht.

 

Die Ermittler gingen davon aus, dass sich der Bereitsteller der wertvollen Informationen jeweils einen Teil der Millionen habe auszahlen lassen. Danach habe er sich zurückgezogen. Zuvor habe er allerdings sein Wissen mit anderen geteilt.

 

So hätten sich in der Folge mindestens vier weitere Personen derselben Masche bedient und mit drei Losen erneut 17 Mio. Euro ergaunert. Aufgeflogen sei der erneute Betrug, als ein Anwalt versucht habe, Konten für die Verdächtigen zu eröffnen, auf die ihr neuer Reichtum hätte aufgeteilt werden sollen. Die Bank war aufgrund des ungewöhnlichen Ansinnens misstrauisch geworden und hatte die Behörden eingeschaltet.

 

Von den Verdächtigen hat sich bislang keiner öffentlich zu den Vorwürfen geäußert. Lottomatica erklärte, seine Sicherheitsmaßnahmen vor dem Hintergrund der Erfahrungen verstärkt zu haben.

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