, 03.07.2021

In Deutschland und England zeichnen sich aktuell unterschiedliche Entwicklungen beim Sport-Sponsoring durch Glücksspielunternehmen ab. Während Sportwettenanbieter wie Betway und Sportwetten.de pünktlich zum Start des neuen Glücksspielstaatsvertrages in dieser Woche eine Ausweitung ihres Engagements in Deutschland angekündigt haben, meiden die Glücksspielbetreiber in England zusehends den Sportsektor.

 

Dies zumindest geht aus einer Studie hervor, die das Sponsoring-Beratungsunternehmen Caytoo am Donnerstag veröffentlicht hat. Laut der Analyse habe sich der Anteil der Glücksspielkonzerne im Sport-Sponsoring seit dem Jahre 2019 auf der Insel fast halbiert. Zur Untersuchung hatte Caytoo 221 Verein in 13 verschiedenen Ligen und Wettbewerben überprüft.

Die Top-5 der Sport-Sponsoren in England nach Marktanteil

  1. Bau- und Ingenieurwesen: 11,2 %
  2. Automobilindustrie: 9,4 %
  3. Finanzdienstleister: 8,5 %
  4. Glücksspiel: 8,1 %
  5. Einzelhandel: 6,7 %

Dabei zeigte sich, dass die Bau-, Auto- und Finanzindustrie die Glücksspielbranche als Sponsor im Sport überholt hat. Noch vor zwei Jahren hatte der Glücksspielsektor auf der Liste der Top-Sponsoren ganz oben gestanden. Insgesamt sei der Anteil am Sport-Sponsoring von 15,3 % auf 8,1 % zurückgegangen.

 

Der Rückgang ist fast allein der fallenden Beteiligung der Glücksspielunternehmen beim Fußball-Sponsoring zuzuschreiben. Hierbei sei das Engagement von 32,7 % auf 15,2 % gesunken. Dem Caytoo-Ranking zufolge sei die Branche damit beim Fußball aber noch immer bestimmender Sponsoring-Partner.

 

Was steckt hinter dem Schwinden der Glücksspiel-Sponsoren?

 

Die Gründe für den Rückgang des Sport-Sponsorings durch Glücksspielunternehmen kann in England mehrere Faktoren haben. Alex Burmaster, Chef-Researcher und Analyst bei Caytoo, erklärte zum gefallenen Interesse:

„Diese Veränderung wurde durch die größere Forderung der Gesellschaft nach mehr sozialer Verantwortung des Profisports gegenüber seinen Fans und Gemeinschaften vorangetrieben (…).“

Allerdings steht parallel zur geplanten Glücksspielneuregulierung in England auch das Sport-Sponsoring durch Glücksspielkonzerne zur Debatte. Überlegt wird sogar ein Verbot der Aktivitäten, wie die BBC berichtet [Link auf Englisch]. Die Spielerschützer der All-Party Parliamentary Group on Gambling-Related Harm (APPG) hatten sich ebenfalls für ein Werbeverbot stark gemacht. Auch sie verweisen auf die schädlichen Auswirkungen, die das Sport-Sponsoring durch Glücksspielanbieter auf die Gemeinschaft und vor allem Kinder haben könnte.

 

Sportligen wie die English Football League (EFL) hatten die Idee eines Glücksspielwerbeverbots scharf kritisiert. Die Liga-Verantwortlichen befürchten, dass durch ein Verbot des Sponsorings Millioneneinnahmen für die Sportvereine wegbrechen könnten.

 

Auch in der Premier League, Englands höchster Spielklasse, könnte eine Werbebeschränkung schwerwiegende finanzielle Folgen haben. Nach Informationen des Sportnachrichtenportals Ministry of Sport beliefen sich die jährlichen Einnahmen durch Trikot-Sponsoren aus der Glücksspielbranche zuletzt auf 117 Millionen GBP.

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