Donnerstag, 30. Juni 2022

Glücksspiel-Werbung für Minderjährige: Britische Fußball-Clubs in der Kritik

Webseite West Ham

In Großbritannien geht die UK Gambling Commission (UKGC) Berichten nach, denen zufolge mehrere Fußballclubs auf ihren an Minderjährige gerichteten Webseiten Links zu Glücksspielanbietern eingebettet haben sollen. Recherchen der BBC [Seite auf Englisch] zufolge sollen insgesamt sieben Profi-Teams zu Sportwetten-Anbietern verlinkt haben.

Laut BBC Sport reiche der Vorfall, der gegen britisches Glücksspielrecht verstoße, in die höchste Spielklasse. So sollen die Premier-League-Clubs Arsenal, Tottenham, West Ham und Aston Villa die verbotenen Links zu ihren Sportwetten-Partnern für Kinder und Jugendliche zugänglich gemacht haben. Hinzu kämen die Championship-Vereine QPR, Millwall und Reading.

Die illegalen Weblinks seien über die auf den Seiten präsentieren Logos der Sportwetten-Sponsoren zugänglich gewesen sein. Die auch auf den speziell für Jugendliche kreierten Seiten angebrachten Logos sollen teilweise direkt zu Angeboten für kostenlose Sportwetten geführt haben.

Nachdem die BBC die Vorwürfe am Donnerstag publik gemacht hatte, zogen die meisten Clubs die Anzeigen umgehend zurück. Lediglich auf der Jugend-Seite von West Ham sei der Link zum Sportwetten-Anbieter Betway zunächst noch verfügbar gewesen.

Gegenüber der BBC bedauerten Club-Vertreter die Aktion. Die Links seien irrtümlich auf den für die Jugend bestimmten Seite erschienen. Ein Vertreter des Clubs Tottenham sagte:

Wir bedauern diesen Fehler aufrichtig und haben unsere Praktiken angepasst, um sicherzustellen, dass dies nicht mehr vorkommt. Wir entschuldigen uns für etwaige dadurch versachte Ärgernisse.

UKGC und Spielerschutz-Organisation nicht erfreut

Angesprochen auf die Verlinkung erklärte ein UKGC-Sprecher, die Behörde „prüfe den Vorfall“. Er fügte hinzu, dass Glücksspielwerbung oder Logos von Sportwetten-Anbietern nicht auf Webseiten erscheinen dürften, die sich an Minderjährige richteten.

Die UKGC erwarte von den Clubs, dass ihre Webauftritte dem Glücksspielgesetz entsprechend gestaltet seien. Zugleich sollten auch die Glücksspielanbieter sicherstellen, dass ihr Marketing nicht jugendgefährdend sei.

Die Spielerschutz-Organisation The Big Step betonte die Gefahr, die von der Werbung ausgehe. Angesichts der rund 55.000 spielsüchtigen Minderjährigen in Großbritannien gebe die Sportwetten-Verlinkung „ein schreckliches Beispiel“ dafür ab, wie sehr der Fußball das Glücksspiel „normalisiere“.

Welche Konsequenzen die illegale Werbung für Vereine und Anbieter haben könnte, ließ der UKGC-Sprecher offen. In einem ähnlichen Fall aus dem Jahr 2018 waren 15 Fußballclubs mit einer Verwarnung davongekommen. Auch sie hatten Sportwetten-Links in ihre Junioren-Webseiten eingebettet.