, August 29, 2019

Laut eines am Mittwoch veröffentlichten Berichts des britischen The Guardian könnte Großbritanniens Regierung für den Suizid eines pathologischen Spielers mitverantwortlich gemacht werden.

 

Wie die Zeitung meldet, argumentierten die Anwälte der Hinterbliebenen eines verstorbenen 24-Jährigen, dass der Suizid des Mannes mit unzureichender Risikoprävention und Fehlregulierung in Zusammenhang stehen könnte.

 

Der Brite Jack Ritchie nahm sich im Jahre 2017 in Vietnam das Leben. Der Tod des Englischlehrers, der über sieben Jahre mit der Spielsucht kämpfte, wurde im Vereinigten Königreich mit großer medialer Anteilnahme begleitet und führte zur Gründung der Kampagne „Gambing with Lives“ (Link auf Englisch), die von Ritchies Eltern geleitet wird.

Der Zusammenhang von Spielsucht und Suizid

Laut einer von der Präventionsgruppe „GambleAware“ in Auftrag gegebenen Studie besteht ein nachweisbarer Zusammenhang zwischen Spielsucht und Suizid. Demnach hätten pathologische Spieler bis zu sechs Mal häufiger Selbstmordgedanken. In der Praxis nähmen sich krankhafte Spieler sogar bis zu fünfzehn Mal häufiger das Leben.

Die Regierung soll Verantwortung übernehmen

 

Dass eine etwaige Mitverantwortung der britischen Regierung zwei Jahre nach Ritchies Tod öffentlich diskutiert wird, ist Folge einer amtlichen Untersuchung.

 

Mann hinter einem Eisentor

Laut neuesten Studien sind Spielsüchtige anfälliger für Suizid. (Quelle: Pixabay)

Bereits im Juni dieses Jahres beantragten Liz und Charles Ritchie beim Coroner der Region South Yorkshire West eine gerichtliche Untersuchung der möglichen Hintergründe des Suizids ihres Sohnes.

 

Die Gerichtsbeamten sollten dabei klären, ob Ritchies Tod mit einer Verletzung des Artikel 2 der Europäischen Menschenrechtskonvention in Beziehung gestanden haben könnte. Der Artikel bestimmt das Recht auf Leben und ist häufig Gegenstand von Prüfungen, wenn Regierungen in Verdacht stehen, Schutzpflichten gegenüber ihren Bürgern verletzt zu haben.

 

Laut der Familie des Verstorbenen scheint die britische Regierung an dieser Aufgabe gescheitert zu sein. Gegenüber The Guardian teilte sie mit:

„Die Regierung war sich bewusst, dass das Glücksspiel die Menschen dem Risiko einer Sucht und damit verbundenem Selbstmord aussetzt, hat jedoch keine wirksamen Maßnahmen ergriffen, um das industrialisierte elektronische Glücksspiel zu regulieren, das eine so schwere Sucht verursachen kann.

 

Über viele Jahre hinweg haben sie es nicht geschafft, das Glücksspiel zu regulieren, die Öffentlichkeit über die Gesundheitsrisiken aufzuklären oder Menschen, die Schaden erleiden, angemessene Behandlungsressourcen zur Verfügung zu stellen. Sie haben der Branche viel zu viel Einfluss und Kontrolle eingeräumt, um die Gesundheitsrisiken zu verbergen, und sie haben keine ausreichenden Finanzmittel verlangt, um für die Behandlung zu zahlen.“

Untersuchung gibt Eltern Recht

 

Christopher Dorries, verantwortlicher Leiter der Überprüfung, gab den Hinterbliebenen nun Recht. Der Staat habe in der Vergangenheit womöglich nicht genug getan, um Spielsüchtigen medizinische Betreuung und psychologische Hilfe zur Verfügung zu stellen.

 

Nun sei zu klären, ob „systemische Störungen“ für die Mängel ausschlaggebend seien. Ob dies Tatsächlich der Fall ist, könnte eine weiterführende Untersuchung klären.

 

Die Ritchies, die mit dem Verfahren keine finanziellen Interessen verfolgen, versprechen sich von dem Untersuchungsergebnis eine Signalwirkung für den Ausbau des Spielerschutzes.

 

Regulierung soll kein Thema sein

 

Obgleich die zuständigen Behörden der Regierung ein Versagen attestierten, wird eine weiterführende Prüfung des Falles nicht die aktuelle Glücksspielregulierung zum Gegenstand haben.

 

Das Logo der NHS

Die Gesundheitsbehörde NHS erarbeitete bereits einen Plan für neue Kliniken. (Quelle: Wikipedia)

Wie Dorries am Mittwoch mitteilte, seien Regulierungsfragen ein Teil der politischen Auseinandersetzung, nicht aber des Verfahrens.

 

Letztlich ist es also an der Politik, den Spielerschutz zu stärken und Präventionsprogramme ins Leben zu rufen, die Spieler vor Sucht und Selbstmord schützen.

 

Gleichzeitig müssten die Angebote für Suchtkranke ausgebaut werden. Einen Schritt dazu machte Großbritanniens Nationale Gesundheitsbehörde (NHS) kürzlich mit der Eröffnung neuer Suchtkliniken für jugendliche Spieler.