, 25.01.2020

In Großbritannien nimmt die Anzahl der von Spielsucht betroffenen Frauen schneller zu als die der Männer. Dies berichten Wohltätigkeitsorganisationen, die Beratungsangebote rund um das Glücksspiel und das pathologische Spiel zur Verfügung stellen.

 

Anstieg um 35 Prozent innerhalb von vier Jahren

 

Immer öfter weisen Organisationen wie GamCare oder Breakeven, die Beratungsangebote für Spielsüchtige bereitstellen, auf die alarmierende Zunahme der Anzahl spielsüchtiger Frauen hin. Wie Statistiken von GamCare darlegen, sei die Anzahl der Frauen mit pathologischem Spielverhalten von 2.303 in den Jahren 2014/2015 auf 3.109 im Jahr 2019 gestiegen.

 

Dies entspricht einem Anstieg von 35 Prozent. Der Anteil der spielsüchtigen Männer sei im gleichen Zeitraum dagegen um 15 Prozent gestiegen. Derzeit ruft GamCare Frauen mit problematischem Spielverhalten dazu auf, an einer Umfrage teilzunehmen, die im Rahmen des „Women’s Programme“ [Frauen-Programm] der Organisation durchgeführt wird.

Für das „Women’s Programme“ [Seite auf Englisch] steht GamCare ein Betrag von 1,9 Mio. Pfund Sterling zur Verfügung, damit Frauen mit Spielproblemen in ganz England, Schottland und Wales erreicht werden können. Das speziell auf Frauen zugeschnittene Programm soll gezielte Behandlungsoptionen bereitstellen und den Aufbau eines Netzwerkes ermöglichen, durch das schutzbedürftige Frauen einfacher erreicht werden können.

Wie GamCare berichtet, nähmen Frauen mit pathologischem Spielverhalten Beratungsangebote seltener an als Männer. Daher sei es wichtig, das Bewusstsein hierfür zu schärfen. In der vergangenen Woche machte die Wohltätigkeitsorganisation aus diesem Grund auf Twitter darauf aufmerksam, dass die britische Tageszeitung The Guardian an den Erfahrungsberichten spielsüchtiger Frauen interessiert sei.

 

Maßgeschneiderte Beratungsangebote erforderlich

 

Die Journalisten stießen so beispielsweise auf den Fall der spielsüchtigen Nancy. Während ihrer vierjährigen Online Glücksspielsucht habe sie sogar das Geld verspielt, das ihr Vater für sein eigenes Begräbnis gespart habe. Sie erklärt:

„Weibliche Spielsüchtige sind genauso schlimm wie Männer. Wir holen uns das Geld, wo wir es bekommen können und verspielen es sofort.“

Als Nancy sich dazu entschieden habe, Hilfe zu suchen, habe sie insgesamt 75.000 Pfund Sterling für das Glücksspiel ausgegeben und 25.000 Pfund Sterling Spielschulden angesammelt. Gleichwohl habe nach außen hin nichts darauf hingedeutet, dass sie nicht die volle Kontrolle über ihr Leben besitze.

 

Experten gehen davon aus, dass Frauen, anders als Männer, nicht von der Aussicht auf Gewinne zum Spielen verleitet werden, sondern von dem Wunsch, dem Alltag zu entfliehen und Stress abzubauen. Daher seien für Frauen spezielle Therapie- und Beratungsangebote erforderlich.