, February 18, 2019

Am Samstag kam es auf der englischen Pferderennstrecke Haydock Park beim Grand National Trial zu einer Massenschlägerei unter Zuschauern. Während die Polizei noch ermittelt, wer genau die Initiatoren und was der Auslöser gewesen war, stellen Buchmacher, Veranstalter und besorgte Fans nun die Sicherheitsvorkehrungen auf den Rennstrecken in Frage.

 

Plötzlicher Tumult mit Faustschlägen

Ausschreitungen und Prügeleien unter Fans sind im Sport keine Seltenheit und längst ist nicht nur der Fußball von diesen betroffen. Was an das Aufeinandertreffen von Ultras verfeindeter Fußballmannschaften erinnert, passierte am Samstag während des Haydock Pferderennens im Norden Englands.

 

Scheinbar grundlos begann auf dem Rennplatz eine Massenschlägerei, in die Berichten zufolge mindestens 15 Personen involviert gewesen seien. Unbekannte Anwesende filmten das Geschehen und stellen es den Medien zur Verbreitung zur Verfügung.

 

Erst hatte die Presse von 60 bis 100 Beteiligten gesprochen, jedoch konnte man letztendlich auch dank der Videoaufnahmen feststellen, dass die Zahl deutlich geringer war.

 

Wie die englische Zeitung „The Guardian“ aber berichtete, sei ein 26-jähriger Mann im Zusammenhang mit der Schlägerei festgenommen und auch des illegalen Drogenbesitzes angeklagt worden. Die Polizei ermittle nun weiter in dem Fall, um den genauen Auslöser zu klären und mögliche weitere Schuldige zur Verantwortung zu ziehen.

Am 16. Februar fanden im Haydock Park zwischen 12:50 Uhr und 16:45 Uhr acht aufeinanderfolgende Rennen des Grand National Trial statt. Wie gewohnt gab es eine Kombination aus Hürdenrennen und Hürdensprung, aufgeteilt nach den Klassen 1, 2 und 3. Die Preisgelder für die jeweiligen Sieger variierten dabei zwischen 15.000 GBP und 100.000 GBP. Unter den Gewinnern gab es einige Überraschungen und wer aufs richtige Pferd gesetzt hatte, konnte beim Wetten zum Teil ordentlich gewinnen.

 

Die Gewinner des Tages waren: Quel Destin (Frankreich, Quote 4/6), Jester Jet (GB, Quote 4/1), Shades of Midnight (GB, Quote 11/2), The Paddy Pie (Irland, Quote 5/1), Sykes (Irland, Quote 11/1), Robinsfirth (Irland, Quote 8/1), Lisnagar Oscar (Irland, Quote 6/1) und Road to Rome (Irland, Quote 4/6).

Auch unbeteiligte Zuschauer des Rennens schienen in das wirre Geschehen hineingezogen worden zu sein. Auf dem Videomaterial sieht man unter anderem eine Mutter mit ihrem Kleinkind auf dem Arm, die in große Gefahr gebracht wurde und Mühe hatte, sicher aus dem Getümmel herauszufinden.

 

Per Twitter meldete sie sich nun selbst zu Wort, nicht zuletzt, weil man ihr vorgeworfen hatte, überhaupt mit einem kleinen Kind auf der Rennstrecke gewesen zu sein. Wie auch die empörten Veranstalter, erklärte die Mutter zu ihrer Verteidigung, dass ein derartiger Vorfall bisher nie geschehen und das Event normalerweise sehr familienfreundlich sei.

 

Vorwurf mangelnder Sicherheitsvorkehrungen

Ein auf der Rennstrecke anwesender Buchmacher, der den Vorfall ebenfalls beobachtete und kurz vor der eigentlichen Prügelei bereits die Unruhen aus seiner Perspektive gefilmt hatte, kritisierte der Presse gegenüber, dass es kein Sicherheitspersonal gegeben habe, um die Prügelei sofort zu unterbinden.

 

Fußball Ultras

Unruhestifter vor allem aus dem Fußball bekannt (Bild: Flickr)

Indes wird spekuliert, ob Alkoholkonsum ein möglicher Faktor für den Ausbruch des Krawalls gewesen sein könnte und ob man hier künftig Grenzen setzen sollte. In dem Zusammenhang wurde auch zur Sprache gebracht, dass es am Wochenende anders als sonst keine Premier League Spiele gab.

 

So versuchten manche, das Geschehen damit zu erklären, dass es sich um „gelangweilte Fußballfans“ gehandelt haben könne. Stichhaltige Argumente hierfür gibt es aber nicht, zumal am Wochenende einige Pokalspiele des FA Cups stattfanden.

 

Die Veranstalter betonten, dass man gegenüber derartigen Ausschreitungen keine Toleranz zeigen würde.

 

Die Involvierten sollen daher künftig Zutrittsverbot zur Rennstrecke und zugehörigen Events erhalten. Ob man die Sicherheitsvorkehrungen im gleichen Zuge erhöhen würde, wurde aber explizit nicht genannt.

 

Nichts aus dem Jahr 2018 gelernt?

In der Tat wurde in jüngster Vergangenheit bereits ein größerer Fokus auf die Sicherheit auf den Rennstrecken gelegt, denn erst im Vorjahr kam es zu mehreren ähnlichen Ausschreitungen auf verschiedenen Rennstrecken.

 

So sollte es vor allem eine größere Präsenz und Visibilität geschulten Sicherheitspersonals geben, damit Zuschauer von vornherein entmutigt werden, sich vor Ort zu streiten oder gar gewalttätig zu werden. Wie man an dem aktuellen Vorfall jedoch schnell sieht, wurde hier längst nicht genug getan.

 

Streits unter Fans in Ascot 2018 (Bild: Geograph)

Anfang Mai des letzten Jahres kam es bei zwei Samstagsrennen in Ascot zu gewaltsamen Ausschreitungen unter den Zuschauern. Dort kam es zu Massenprügeleien, in die sowohl Männer als auch Frauen involviert waren. Die anwesenden Sicherheitskräfte hatten jeweils Mühe, die Kämpfe zu beenden.

 

Noch dramatischere Szenen spielten sich im August letzten Jahres in Goodwood ab. Dort wurden elf junge Männer verhaftet, die in eine gewaltsame Schlägerei verwickelt waren. Ein Mann war dabei zu Boden geschlagen und danach weiter angegriffen worden. Wieder war das Sicherheitspersonal nicht schnell genug zur Stelle, um die Schlägerei im Keim zu ersticken.

 

In diesem Jahr stehen in Großbritannien viele weitere Großevents an und gerade das in wenigen Wochen stattfindende Cheltenham Festival wird in puncto Sicherheit jetzt in den Fokus geraten.

 

Cheltenham zählt zu den bedeutsamsten und beliebtesten Rennveranstaltungen des Landes und in diesem Jahr werden dort über vier Tage verteilt gut 200.000 Zuschauer erwartet. Auch bei den Buchmachern und Wettfreunden ist das Rennen sehr beliebt und jedes Jahr werden Millionen Pfund auf die Rennpferde in Cheltenham gesetzt.

 

Damit das Event auch in diesem Jahr wieder zu einem Erfolg wird, dürfen sich die Veranstalter daher keinerlei Sicherheitslücken erlauben.