, November 26, 2017

Pferde und Jockeys auf der Rennbahn

Rennpferde in Großbritannien werden oft an den Atemwegen operiert. (Bild: pixabay.com)

Die britische Horseracing Authority (kurz BHA) hat eine neue Regel für Pferdewetten angekündigt. Diese dient vor allem der Transparenz im Sport. So müssen Trainer zukünftig im Vorfeld darüber informieren, ob ein teilnehmendes Pferd kürzlich eine Operation an den oberen Atemwegen hatte. Eine Umfrage im Horseracing Bettors Forum hatte ergeben, dass die OP-Informationen zu einem Rennpferd das wichtigste Kriterium für britische Wetter und ausschlaggebend dafür sind, ob die Person auf das jeweilige Pferd setzt.

 

Die neue Vorschrift tritt am 19. Januar 2018 in Kraft. Dann muss offengelegt werden, ob ein Pferd zum ersten Mal nach einer Operation wieder auf der Rennbahn läuft. Im Anschluss verschwindet diese Information wieder. Verschweigen Trainer einen Eingriff, drohen ihnen Geldstrafen bis hin zum Lizenzentzug.

 

Wind Surgery kann die Leistung des Pferdes verbessern

Tierarzt bei der Arbeit

Tierarzt bei der Arbeit (Bild: pixabay.com)

In Großbritannien werden bestimmte chirurgische Eingriffe bei Rennpferden unter dem Begriff „Wind Surgery“ zusammengefast. Alle Operationen finden am oberen Atmungsapparat des Tieres statt und dienen dessen Verbesserung. Dazu gehören Eingriffe an den Stimmbändern, dem Gaumen oder die Entfernung von Gewebe. Insgesamt sind aktuell fünf Praktiken bei Tierärzten gängig.

 

Grund für die zunehmende Verbreitung von Wind Surgeries ist, dass Rennpferde bei jedem Galoppsprung bis zu 60 Liter Luft einatmen. Eingriffe an den oberen Atemwegen können den Sauerstofffluss zur Lunge verbessern und sich so auf die Leistung des Pferdes auswirken. Aus diesem Grund sind auch Sportwetter besonders an dieser Information interessiert.

 

Trainer, Züchter und Besitzer sträuben sich gegen neue Regel

Die National Trainers’ Federation (NTF) der Insel ist alles andere als begeistert über die neuen Regularien. In einer Stellungnahme äußerte der Verband Kritik an der Entscheidung der BHA und wies auf die schlechte Praktikabilität und Folgen für Züchter und Besitzer hin. Bei Verschweigen einer Operation droht dem Trainer des Pferdes der Lizenzverlust. Genaue Informationen zur Art der Operation sind jedoch nicht verlangt, lediglich der Zusatz „WS“ wird ab dem 19. Januar auf der Rennkarte eines jeden Tieres zu sehen sein, sollte es in der Vergangenheit ärztlich behandelt worden sein.

 

Behörde will Transparenz, Fairness und den Sport bewerben

Im Zentrum der neuen Richtlinien steht das Wohl des Kunden, wie Jamie Stier von der BHA erklärt:

„Sportwetter und potenzielle Neukunden stehen im Mittelpunkt dieser Entscheidung. Es ist einfach unerlässlich, dass der Sport offen, fair und transparent wahrgenommen wird. In unserer heutigen Welt müssen Informationen, die sich möglicherweise auf die Leistung eines Pferdes auswirken, jedem verfügbar sein […]. Je mehr Informationen der Wetter zur Verfügung hat, desto attraktiver ist ein Produkt. Das ist besonders im Konkurrenzkampf mit anderen Sportarten extrem wichtig, wenn wir uns weiter am Markt behaupten wollen.“

In anderen Ländern ist die Offenlegungspflicht von Operationen bei Rennpferden bereits eingeführt. Die britische Aufsichtsbehörde für Pferderennen- und Wetten erhofft sich durch die neue Regel außerdem mehr Informationen zur Verbreitung und zum Einfluss von Wind Surgeries auf die Leistungsfähigkeit eines Pferdes.

 

Tiere leiden im Rennsport

Pferdewetten und Rennsport stehen bei Tierschützern seit jeher in der Kritik. Tiere, die in Trab- oder Galopprennen antreten, verletzen sich oft noch während des Rennens und erleiden Knochenbrüche, Herzversagen oder andere Verletzungen. Um die Pferde stressresistenter und gefügig zu machen, bekommen sie zudem häufig Medikamente gespritzt.

 

Beim Thema Wind Surgery galt noch bis vor wenigen Jahren eine wesentlich eingriffsintensivere Praktik, bei der dem Tier ein Loch in den Nacken geschnitten wurden, um für eine bessere Luftzirkulation zu sorgen. Solche Operationen waren auf der Rennbahn für den Zuschauer zwar sichtbar, wurden jedoch 2012 verboten.