, 18.11.2021

Der schwedische Glücksspieldienstleister Evolution Gaming steht im Verdacht, illegale Gaming-Geschäfte in mehreren Staaten unterstützt zu haben. Der Bericht über eine entsprechende Beschwerde ließ die Evolution-Aktie am Mittwoch an der Börse einbrechen.

 

Am Dienstagabend berichtete der Finanznachrichtendienst Bloomberg von einer Beschwerde [Seite auf Englisch], die der Anwalt Ralph Marra von der Kanzlei Calcagni & Kanefsky bei der Glücksspielkommission von New Jersey eingereicht habe. Diese sei im Auftrag eines nicht genannten Wettbewerbers erfolgt. Sie werfe Evolution Gaming vor, seine Software sei auch in Ländern zugänglich , in denen das Glücksspiel illegal sei, bzw. die von den USA mit Sanktionen belegt worden seien.

 

Spielmöglichkeit auf illegalen Märkten

Nach Marras Auskunft hätten Spieler in Singapur und Hongkong auf Evolution-Produkte zugreifen können, obwohl Glücksspiel dort verboten sei. Gleiches sei im Iran, Irak und Syrien möglich gewesen, und damit in Ländern, die sich auf einer schwarzen Liste der USA befänden.

 

Unternehmen, die in den USA geschäftlich aktiv seien, hätten dortige Aktivitäten bei Strafandrohung zu unterlassen. Marra erklärte zudem, dass seine Kanzlei über Beweise verfüge. So seien Glücksspiel-Sessions über IPs in Singapur, Hongkong und im Iran aufgezeichnet worden.

 

Gegenüber Investoren verteidigte Evolution-Manager Carl Linton die Geschäftspolitik:

Evolution hält sich strikt an alle geltenden Gesetze und Vorschriften.

Evolution stelle die Software lediglich zur Verfügung und sei nicht verantwortlich dafür, wo Kunden diese ihren Spielern zugänglich machten.

 

3 Mrd. USD Wertverlust innerhalb weniger Stunden

An der Börse reagierten die Händler umgehend auf den Verdacht. Am Mittwochmorgen gab die Aktie um 10 % nach. Dadurch sank der Unternehmenswert zeitweise um 3 Mrd. USD.

Evolution Gaming hat sich auf Entwicklung und Vertrieb von Online-Games aller Art spezialisiert. Die von dem Unternehmen hergestellten Online-Slots, Live-Casinos und Wett-Angebote werden von Glücksspielbetreibern wie Entain, LeoVegas oder DraftKings eingesetzt. Im dritten Quartal 2021 verdiente Evolution damit 276 Mio. Euro und konnte seinen Gewinn vor Steuern auf 192 Mio. Euro steigern. Gegenüber 2020 verdoppelte Evolution damit seine Ergebnisse.

Auch wenn der Kursverlust Evolution Gaming und seine Anteilseigner akut schwer treffen mag, für die Entwicklung des Börsenkurses ist dies lediglich eine kleinere Unregelmäßigkeit. Im Vergleich zum November des vergangenen Jahres notiert die Aktie noch immer mit über 100 % im Plus.

 

Ob der nun erlebte Abschwung von Dauer ist, dürfte in hohem Maße von der weiteren Entwicklung der Beschwerde abhängen. Im Falle von Sanktionen durch die US-Behörden könnte der Wert weiter einbrechen. New Jerseys Glücksspielkommission äußerte sich bisher nicht zu der Beschwerde.

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