, April 24, 2019

Die Glücksspiel-Industrie erwirtschaftet in den USA einen Umsatz von rund 240 Milliarden US-Dollar jährlich. Gleichzeitig sind die aus dem übermäßigen Spiel resultierenden Probleme gravierend. Dass diese in den US-Bundesstaaten unterschiedlich ausfallen, zeigt eine Analyse, nach der in Nevada die größten Schwierigkeiten herrschen.

 

Wenn es um das Glücksspiel in den USA geht, denken viele an das Spielerparadies Las Vegas mit seinen Casino-Resorts. Nicht ohne Grund, denn Nevadas Metropole liegt in diesem Bereich in den USA mit Abstand in Front.

 

In Nevada sind die größten Probleme

Allerdings führt der Wüstenstaat auch in einem weniger schmeichelhaften Ranking: der Rangliste der US-Bundesstaaten mit den größten Problemen in Bezug auf das Glücksspiel.

 

Dies legt eine jüngst veröffentlichte Studie der Finanz-Webseite WalletHub [Seite auf Englisch] nahe, die das Glücksspiel-Verhalten der Bewohner der einzelnen Bundesstaaten näher untersucht hat.

 

Ausgangspunkt der Analyse war die Frage, in welchen Staaten das Spielangebot sowie der übermäßige Konsum des Glücksspiels am stärksten verbreitet sind.

Die Methodik

 

Die Initiatoren von WalletHub gaben die Analyse in Auftrag, die von Dozenten und Professoren diverser US-amerikanischer Universitäten durchgeführt wurde. Diese zogen für die Erfassung der spielsuchtfördernden Effekte eine Reihe von Faktoren in die Bewertung mit ein, aus der sie eine Metrik zur Bewertung der Glücksspiel-Problematik entwickelten. Diese setzt sich aus zwei Faktoren zusammen:

 

Glücksspiel-Freundlichkeit (70 % Gewichtung) – Anzahl von Casinos, Spielautomaten und anderen online wie offline verfügbaren Glücksspiel-Angeboten sowie Höhe der Einkünfte aus dem Glücksspiel (jeweils pro Kopf der Bevölkerung)

 

Glücksspiel-Probleme und Behandlung (30 %) – Anteil der Menschen mit Glücksspiel-Problemen und Anzahl der Festnahmen aufgrund von Vergehen in Verbindung mit Glücksspiel sowie Art und Anzahl der Einrichtungen zur Behebung des problematischen Spielverhaltens (pro Kopf der Bevölkerung)

Die Forscher kombinierten die beiden Einflussfaktoren zu einem Ranking, in dem Nevada an erster Stelle steht. Dies ist vor allem auf die sehr große Anzahl an Glücksspiel-Angeboten zurückzuführen, da der Staat in Amerikas Westen mit Abstand über die meisten Casinos und Spielautomaten verfügt.

 

Angebot und Spielsucht hängen nicht direkt zusammen

Dass das Glücksspiel-Angebot und Spielsucht nicht zwingend miteinander zusammenhängen, zeigt sich jedoch daran, dass der Anteil der Abhängigen in Nevada, Montana und South Dakota nicht am größten ist.

 

Obwohl in diesen Staaten das breiteste Angebot zu finden ist, liegen sie beim Anteil der Spielsüchtigen nicht an vorderster Stelle. Stattdessen rangieren dort Mississippi und Minnesota auf den vorderen Plätzen, während Nevada erst auf dem fünften Rang folgt.

 

Höchster Anteil an Spielsüchtigen
1. Mississippi
2. Minnesota
3. Kansas
4. New Jersey
5. Nevada

 

Um die negativen sozialen und finanziellen Auswirkungen besser kenntlich zu machen, griffen die Forscher auf Daten der Verbrechensstatistik zu: Sie betrachteten die Verteilung von Verhaftungen aufgrund von Vergehen im Zusammenhang mit dem Glücksspiel über die einzelnen Bundesstaaten hinweg.

 

Meiste Verhaftungen in Verbindung mit Glücksspiel
1. Illinois
2. Hawaii
3. Mississippi
4. Tennessee
5. Maryland

 

Allerdings zeigt die Analyse nicht nur Probleme auf. Gleichzeitig wird aus ihr ersichtlich, wo die Anzahl der Spielsüchtigen am geringsten ist (New Mexico, New York und Connecticut) und wo die wenigsten mit Glücksspiel in Verbindung stehenden Verbrechen (Kansas, Nebraska und New Mexico) verübt wurden.

 

Spielsucht in den USA ein generelles Problem

Wie in anderen Ländern auch, ist die Spielsucht in den Vereinigten Staaten ein weit verbreitetes Problem. Experten schätzen, dass zwischen einem und drei Prozent der erwachsenen Bevölkerung Glücksspiel-Suchtprobleme haben.

 

Forscher der auf die Suchtbehandlung spezialisierten Mayo-Klinik sagen zur Gefahr von Casinos, Sportwetten und Co.:

Glücksspiel kann auf das Belohnungszentrum des menschlichen Gehirns ähnliche Auswirkungen wie Alkohol haben, was zur Abhängigkeit führen kann.

Statistiken zufolge verlieren amerikanische Spieler jährlich 100 Milliarden US-Dollar beim Glücksspiel. Was für Menschen mit normalem Spielverhalten lediglich ein paar hundert US-Dollar im Jahr sind, kann sich bei Spielsüchtigen schnell zu Summen zwischen 55.000 bis 90.000 US-Dollar ausweiten.

 

Zu den finanziellen Schäden kommen negative soziale und gesundheitliche Folgen hinzu, was bei vielen Abhängigen zu Krankheiten wie Depressionen und Suizidgedanken führt. Die Studie von WalletHub zeigt, dass diese Problematik in einigen Staaten größer ist als in anderen Regionen der USA.

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