, 25.04.2020

Kurz vor Beginn seines Insolvenzverfahrens erschlich sich ein 48-jähriger Brite ein Darlehen in Höhe von 25.000 GBP (rund 28.600 Euro) und verlor das Geld binnen weniger Wochen beim Glücksspiel. Nun verfügte seine Konkursverwalterin eine Verlängerung der Bedingungen zur Schuldbefreiung um weitere neun Jahre.

 

Restschuldbefreiung muss warten

 

Das britische Insolvenzrecht bietet Schuldnern die Möglichkeit, binnen eines Jahres die Schuldenfreiheit zu erlangen. Für Carlton James J. aus dem englischen Westcliff-on-Sea hat sich der Traum der schnellen finanziellen Sanierung nun jedoch zerschlagen.

 

Wie die offizielle Seite der britischen Regierung nun in ihren News (Seite auf Englisch) bekanntgab, wird das Insolvenzverfahren des 48-Jährigen mindestens weitere neun Jahre andauern.

Prominentes Beispiel für eine Verlängerung des Insolvenzverfahrens in Großbritannien ist Ex-Tennisprofi Boris Becker. Nachdem der dreimalige Wimbledonsieger mit Wohnsitz in London 2017 für zahlungsunfähig erklärt worden war, verlängerte das zuständige Gericht die Insolvenzauflagen im vergangenen November um weitere 12 Jahre bis 2031. Becker soll im Konkursverfahren Transaktionen in Höhe von umgerechnet 5,2 Mio. Euro nicht ordnungsgemäß angegeben haben.

Zurückzuführen sind die Maßnahmen auf Erkenntnisse der für Carlton James J. zuständigen staatlichen Konkursverwalterin. Sie hatte herausgefunden, dass sich der Mann zwei Monate, bevor er im Mai 2019 ins Insolvenzverfahren gegangen war, einen 25.000 GBP- Kredit erschlichen hatte.

 

„Zynisch und unehrlich“

 

Im Wissen, dass er zeitnah in den Prozess zur Restschuldbefreiung eintreten und das Darlehen somit nicht zurückzahlen würde, habe er Gehalts- und Vermögensnachweise gefälscht, um die Gelder zu erhalten.

 

Lange habe er sich jedoch nicht an der fünfstelligen Summe erfreuen können. Das Geld sei umgehend ins Glücksspiel geflossen und somit verloren gewesen, so die Ermittlungsergebnisse.

 

Insolvenzverwalterin Rosie erklärte, die nun verhängte Verlängerung des Verfahrens sei notwendig, um eine Wiederholung auszuschließen:

In den wenigen Wochen vor seinem Antrag auf Insolvenz verschaffte sich Carlton J. auf zynische und unehrliche Art Kredit und verschwendete das Geld fürs Glücksspiel. Um den Markt vor weiterem Missbrauch zu schützen, haben wir erweiterte Insolvenzbeschränkungen verhängt, die ihn künftig daran hindern werden, sich Geld von unachtsamen Kreditgebern zu leihen.

Carlton James J. ist nun für die kommenden neun Jahre verpflichtet, seine gesamten Finanzen offenzulegen, wann immer er einen Kredit in Höhe von 500 GBP oder mehr beantragt. Weiterhin ist es ihm bis 2029 nicht erlaubt, ohne vorherige Zustimmung des Gerichts eine Firma zu leiten.