, 05.12.2019

Der Onlinedienst Instagram verlangt ab sofort bei Neuanmeldungen weltweit eine Altersangabe. Dies gab das Tochterunternehmen des Social Media Giganten Facebook gestern bekannt. Das Update soll dazu dienen, den Jugendschutz zu stärken und Minderjährige unter anderem vor altersbeschränkten Angeboten wie dem Glücksspiel zu schützen.

 

Instagram: Minderjährige müssen Geburtsdatum angeben

 

Schon lange fordern Kritiker einen verstärkten Jugendschutz in sozialen Medien. Nun kommt die Social Media-Plattform Instagram diesem Wunsch zumindest in Teilen nach. In einer Pressemitteilung (Seite auf Englisch) verkündete das Unternehmen gestern ein Update der Nutzungsbestimmungen:

 

Mit sofortiger Wirkung wird bei der Erstellung eines Accounts das Alter jedes neuen Users abgefragt. Wer angibt, das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet zu haben, wird aufgefordert sein Geburtsdatum anzugeben. Bislang war in den meisten Regionen lediglich die Bestätigung notwendig, das Mindestalter von 13 Jahren erreicht zu haben.

 

Accounts, die mit Facebook-Konten verknüpft sind, erfahren ein automatisches Alters-Update. Andere bereits bestehende Konten sind nicht betroffen.

 

Schutz vor unangemessenen Inhalten

 

Instagram Altersangabe

Wer jünger als 18 ist, muss bei Instagram-Neuanmeldung sein Geburtsdatum angeben (Quelle:instagram.com)

Mit der Neuerung, so der in San Francisco ansässige Konzern, wolle man sicherstellen, dass minderjährigen Nutzern künftig nur noch altersgemäße Inhalte zur Verfügung gestellten würden.

 

Immer wieder war Instagram von Jugendschützern vorgeworfen worden, Jugendliche nicht ausreichend vor Kampagnen aus Sektoren wie der Glücksspiel- und Alkoholindustrie zu schützen.

 

Eigentlich verbieten die Gemeinschaftsrichtlinien das Bewerben entsprechender Inhalte bei Minderjährigen bereits. Ohne Erkenntnisse zum Alter der Nutzer ist eine Umsetzung der Vorgaben jedoch kaum möglich. Verstöße konnten bislang nur geahndet werden, wenn sie von Nutzern gemeldet wurden.

 

Automatische Einschränkung durch Algorithmus?

 

Es dürfte davon ausgegangen werden, dass der Instagram-Algorithmus künftig dafür sorgen soll, dass Content von Accounts, die beispielsweise das Glücksspiel bewerben, Nutzern unter 18 Jahren nicht mehr angezeigt wird.

 

Voraussetzung hierfür wäre jedoch, dass sich Glücksspielanbieter und ihre Werbepartner ausnahmslos an die Nutzungsbedingungen von Instagram halten.

 

Diese besagen, dass Accounts die das Glücksspiel „hervorheben“, eine Genehmigung der werbefinanzierten Plattform benötigen. Somit könnte ihre Reichweite entsprechend gesteuert werden. Es ist jedoch fraglich, inwieweit dieser Anforderung tatsächlich nachgekommen wird.

Instagram Mutterkonzern Facebook setzt bereits auf die obligatorische Altersangabe seiner Nutzer. Dass dies nicht nur hilfreiche Konsequenzen hat, zeigen Enthüllungen aus dem vergangenen Oktober. Damals wurde bekannt, dass der Algorithmus der Plattform Accounts Minderjähriger unter anderem als „am Glücksspiel interessiert“ klassifiziert und somit in den Fokus entsprechender Werbekunden gerückt hatte.

Auch auf die aktuellen Neuerungen scheint die Industrie verhalten zu reagieren: Der Nachrichtenagentur Reuters gegenüber gab Instagram an, Werbekunden seien nicht die treibende Kraft hinter der Einführung gewesen.

 

Verifizierung nicht notwendig

 

Und auch die User selbst sind maßgeblich mitverantwortlich dafür, inwieweit die obligatorische Altersangabe tatsächlich einen verbesserten Jugendschutz gewährleisten kann. Zwar wird das Geburtsdatum Minderjähriger abgefragt, eine Verifizierung der Angabe ist jedoch nicht notwendig.

 

Reuters gegenüber gab der Konzern in einer ersten Stellungnahme an, auf die Überprüfung zu verzichten, da viele Minderjährige keine Möglichkeit hätten, einen Alternsnachweis zu erbringen. Zudem gehe das Unternehmen davon aus, dass die meisten Nutzer wahrheitsgemäße Angaben machten.

 

Im Gespräch mit dem britischen The Telegraph erklärte der Leiter der Produktentwicklung von Instagram, Vishal Shah, dass die Frage nach einer möglichen Verifizierung noch nicht endgültig geklärt sei. Angesprochen auf Lösungen, wie sie beispielsweise bereits bei Glücksspiel-Apps Verwendung finden, hielt sich der Unternehmensvertreter bedeckt:

Das ist etwas, worüber wir aktiv nachdenken, und ich würde es nicht vom Tisch wischen. Wir würden es jedoch vorziehen, Lösungen zu entwickeln, die so weit wie möglich global anwendbar sind.

Gerade Online Casinos setzen oft auf kurze Videochats und die zeitgleiche Übermittlung von Ausweisdokumenten und -fotos, um die Identität und das Alter von Spielern zu verifizieren.

 

Jugendschutz oder Feigenblatt?

 

Shah betonte zudem, dass dem Update der Community-Richtlinien eine Vielzahl interner Kontroversen vorangegangen seien. Letztlich sei der Konzern aber froh, Minderjährigen vermehrten Schutz zu gewähren, auch wenn dies auf Kosten des eigenen Wachstums und Umsatzes gehe.

 

Mit dem Update scheint sich Instagram einen Schritt auf Kritiker zuzubewegen, die der Plattform mangelnden Jugendschutz vorwerfen. Inwieweit eine Altersangabe für unter 18-Jährige, die keinerlei Prüfung unterliegt, hierbei zielführend sein kann, wird sich zeigen müssen.

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