, July 19, 2019

Die irische Regierung hat erneut über Änderungen des aktuellen Glücksspielgesetzes beraten. Wie die Irish Times am Mittwoch berichtete (Link auf Englisch), ziehe die Führung des Landes einen Steuerfreibetrag für Buchmacher in Betracht.

 

Sollte die Idee in die Tat umgesetzt werden, müssten Buchmacher auf Umsätze von bis zu 2,5 Millionen Euro jährlich keine Wettabgaben zahlen.

 

Ein Einlenken des Staates?

 

Wettbüro an einer Straße

Kleine Wettbüros könnten von einer Steuererleichterung profitieren. (Quelle: Geograph.ie)

Nachdem das Finanzministerium unter Leitung von Minister Paschal Donohoe in diesem Jahr eine Verdopplung der Wettsteuer von 1 % auf 2 % der Bruttoumsätze der Buchmacher realisierte, könnte die Einführung eines Steuerfreibetrages etwas zur Entspannung zwischen Wettanbietern und dem Fiskus beitragen.

 

Schließlich müssten Unternehmen erst ab einem Umsatz von 2,5 Millionen Euro Wettsteuern zahlen.

 

Allerdings prognostizierten Kalkulationen der irischen Tax Strategy Group, einem überbehördlichen Komitee des Finanzministeriums, für das Jahr 2020 bereits einige Nachteile für die Finanzbehörden. So reduzierten sich die Gesamteinnahmen aus der Wettsteuer durch die Freigrenze womöglich um bis zu 3,4 Millionen Euro.

Die Wettsteuer in Irland

Die Höhe der irischen Wettsteuer fiel in den letzten Jahrzehnten dauerhaft. Im Jahre 1986 lag sie noch bei 20 %, sank allerdings bis zum Jahre 2006 auf 1 %. Auf Betreiben der Fine Gael-Regierung wurde die Wettsteuer ab 1. Januar 2019 auf 2 % angehoben. Im europäischen Vergleich ist dies noch immer eine sehr niedrige Steuerquote. In Deutschland wird für ODDSET-Sportwetten und Pferdewetten eine Steuer in Höhe von 5 % veranschlagt. In Frankreich und Spanien liegen die Abgaben sogar noch deutlich höher.

Insgesamt ging das irische Kabinett nach dem Beschluss der Verdoppelung der Wettsteuer von Steuereinnahmen von bis zu 52 Millionen Euro jährlich aus. Ein Verlust von knapp 7 % würde das anvisierte Ziel jedoch in weite Ferne rücken lassen.

 

Ein steiniger Weg für Regulatoren und Politik

 

Ob der Steuerfreibetrag für irische Buchmacher letztlich realisiert wird, könnte allerdings nicht nur vom Willen der irischen Politik abhängen. Als Mitglied der EU muss sich Irland an europäische Wettbewerbsregeln halten.

 

Sie untersagen die steuerliche Ungleichbehandlung von Marktteilnehmern und könnten dem geplanten Vorhaben das Wasser abgraben.

 

Immerhin ist nicht auszuschließen, dass große Sportwettenanbieter gegen die von ihnen verlangte Wettabgabe in Höhe von 2 % klagen könnten und eine ähnliche Steuererleichterung wie ihre Konkurrenz fordern.

 

Das Wettgeschäft bestimmt den irischen Glücksspielmarkt

 

Die Diskussion um eine faktische Wettsteuererleichterung von 1 % scheint aus gesamteuropäischer Perspektive überhöht, überflüssig ist sie deshalb aber auf keinen Fall. Die irischen Buchmacher haben nämlich nicht nur einen großen Einfluss auf den Glücksspielmarkt des Landes, sondern auch auf die Gesamtwirtschaft.

 

Ein Sack mit Geldscheinen

Die irischen Buchmacher haben einen großen Anteil an den Steuereinnahmen Irlands. (Quelle: Wikipedia)

Laut einem Bericht der irischen Handelsorganisation „The Gaming & Leisure Association of Ireland“ waren in den letzten Jahren allein die Umsätze aus Sport- und Pferdwetten so hoch wie die kombinierten Einkünfte aus Bingo, Lotterie, Casinos und Spielautomaten.

 

Mit einem Jahresumsatz von mehr als 2,8 Milliarden Euro (Stand: 2016) und bis zu 8000 Mitarbeitern ist die Industrie zudem ein wichtiger Arbeitgeber und Steuerzahler.

 

Ob dies auch in Zukunft so bleibt, könnte das bis 2020 geplante neue Glücksspielgesetz entscheiden. Es rief erst kürzlich Kritiker auf den Plan, die das drohende Verbot von Lotterie-Wetten infrage stellten.

 

Das Geschäft mit den Wetten auf Ziehungen der National-Lotterie macht derzeit 10 % der Umsätze der landbasierten Buchmacher aus. Sollte es wegfallen, könnte die Steuererleichterung das finanzielle Loch vielleicht wenigsten teilweise stopfen.

 

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