Freitag, 30. September 2022

Empörung in Italien: Buchmacher sollen den Wiederbeginn des Sportes finanzieren

Fußballstadion mit Menschenmenge

Ein neues Dekret der italienischen Regierung sorgt derzeit unter Sportwetten-Anbietern für großen Aufruhr. Um den Wiederbeginn des professionellen Sportes zu erleichtern, sollen sämtliche Unternehmen und Einzelhändler, die Sportwetten anbieten, zusätzliche 0,3 % ihrer Einnahmen in den neuen von der Regierung ins Leben gerufenen „Fond zum Relaunch des nationalen Sport-Systems“ einzahlen.

Wie der aktuellen Version des Gesetzestextes zu entnehmen ist [Original auf Italienisch], sollen auf Basis der neuen Steuer im Laufe dieses Jahres 40 Mio. Euro zusätzlich eingenommen werden. Für die Jahre 2021 und 2022 ziele die Regierung hingegen auf je 50 Mio. Euro ab.

Alle staatlich Lizenzierten Glücksspielanbieter Italiens müssen je nach Glücksspielangebot einen bestimmten Steuersatz zahlen. Seit dem 1. Januar 2016 liegt der Steuersatz für landbasierte Wetten bei 18 %, bei Online-Wetten bei 22 %, jeweils angerechnet auf den Bruttogewinn, der durch die Differenz zwischen Wetteinsätzen und Gewinnausschüttungen entsteht.

Die neue Zusatzsteuer soll auf Sportwetten jedweder Art anfallen, darunter auch Wetten auf virtuelle Sportevents oder E-Sport sowie Wetten auf nicht sportliche Ereignisse. Betroffen sind sowohl landbasierte Wettbüros als auch Online-Anbieter.

Das Dekret sieht vor, dass die Steuer bereits zehn Tage nach seinem Inkrafttreten, d.h. ab dem 21. Mai, erhoben werden soll – ein Umstand, der die Sportwetten-Anbieter besonders zu verärgern scheint.

Schließlich könnte es noch Monate dauern, bis der Sport tatsächlich wieder in die Normalität zurückfinden könnte.

Unzumutbar für kleinere Verkaufsstellen?

Die italienische Vereinigung für Betreiber legalen Glückspiels (Federazione Italiana Esercenti Gioco Legale, FIEGL) kritisiert die „Rettungsmaßnahme zum Relaunch des Sportes“ scharf.

Das Dekret gefährde nicht nur die Existenz unzähliger kleinerer Buchmacher, die in den letzten Monaten keinerlei Einnahmen erzielt hätten, sondern „zwinge die gesamte Sportwetten-Branche in die Knie“.

Die von der Krise schwer getroffenen Buchmacher, die ihrerseits auf Regierungshilfen gehofft hätten, dürften nicht für die Rettung des Sportes verantwortlich gemacht werden.

Stefanio Papalia, der Vorsitzende der FIEGL erkärt:

Wenn die Welt des Fußballs Hilfe benötigt, muss die Regierung die nötigen Ressourcen finden, ohne die Unternehmen, die in unserem Land arbeiten, in den Abgrund zu treiben. Sie sind Unternehmen, die in diesem Moment ihrerseits Unterstützung der Regierung bräuchten.

Die FIEGL sei es leid, „der Geldautomat des Staates“ zu sein. Es gehe schließlich um unzählige Familien, die von ihren Jobs und ihren Gehältern aus der legalen Sportwetten-Industrie abhingen.

Je weiter die Regierung den legalen Sektor schwäche, umso stärker wachse der Glücksspiel-Schwarzmarkt, den dieselbe Regierung seit Jahren bekämpfen wolle.