, September 27, 2019

Der englische Fußballclub Manchester United hat seinen Sponsor MoPlay wegen ausstehender Zahlungen verklagt. Der Verein fordert von dem Sportwettenanbieter die Begleichung ausstehender Werbegelder in Höhe von 10 Millionen Pfund Sterling.

 

Grund für die Klage, die Anwälte des Premier League-Clubs am 20. September eingereicht haben, sind Zahlungsrückstände des Vertragspartners Addison Global. Das Unternehmen mit Sitz auf Gibraltar betreibt unter anderem das Online Wettbüro MoPlay.

 

12 Millionen Pfund für drei Jahre

Im vergangenen Jahr waren die Verantwortlichen von Manchester United eine dreijährige Partnerschaft mit MoPlay eingegangen. Diese mit 12 Millionen Pfund Sterling dotierte Kooperation gab dem Buchmacher das Recht, als globaler Wettpartner des Clubs aufzutreten.

 

Der deutsche MoPlay-Geschäftsführer Jürgen Reutter lobte den Deal damals in höchsten Tönen:

Wir sind äußerst stolz, mit dem unserer Ansicht nach größten Sportclub der Welt eine Partnerschaft einzugehen. Eine so prominente Kooperation bringt unsere spannende junge Marke absolut auf die Landkarte. Jetzt, wo wir die ersten Schritte unserer Reise gehen, ist es unser Ziel, eine erfolgreiche Dynastie der Art zu entwickeln, für die Manchester United berühmt ist.

Die Marke MoPlay ist erst seit August 2018 aktiv. Um dem Start die nötige Aufmerksamkeit zu verschaffen, ging das Unternehmen Marketingpartnerschaften mit Manchester United und dem Ligarivalen Watford FC ein. Das MoPlay-Management versprach sich von diesem Schritt die Gewinnung von Marktanteilen im britischen Wettgeschäft.

 

Abruptes Ende des Sponsorings

Werbung MoPlay Watford

Auch Watford warb für MoPlay (Bild: watfordfc.com)

Allerdings beendete MoPlay-Besitzer Addison Global die Partnerschaft bereits zu Beginn des Jahres. Seitdem wartet Manchester United auf die Zahlung zweier Raten in Höhe von 981.000 und 1 Million Pfund. Diese hätten im Februar und Mai dieses Jahres überwiesen werden sollen, sind jedoch noch immer nicht beim Verein eingegangen.

 

Insgesamt wurde bisher nur ein Bruchteil der vereinbarten 12 Millionen Pfund auf das Vereinskonto überwiesen, sodass Manchester United nun einen Anspruch auf über 9 Millionen Pfund geltend macht. Der Klage zufolge erhöht sich dieser Betrag um Verzugszinsen in Höhe von 8,75 % sowie die anfallenden Gerichts- und Anwaltsgebühren.

 

Obwohl sich der Club Watford FC in einer vergleichbaren Lage befindet, ist bisher nichts über eine Klage gegen das in Gibraltar lizensierte Wettbüro bekannt.

 

Auch ein deutscher Club ist betroffen

Neben Watford FC wird auch ein namhafter Verein aus Deutschland die weitere Entwicklung mit großem Interesse verfolgen: Der Bundesligaclub Hertha BSC Berlin ist ebenfalls Sponsoring-Partner des Buchmachers.

Ungeachtet der hierzulande nicht endgültig geklärten Rechtslage bei Sportwetten haben viele deutsche Sportvereine Anbieter aus der Branche als Sponsoren gewonnen. Den höchstdotierten Vertrag hat dabei der deutsche Rekordmeister Bayern München, der von dem Wettanbieter Tipico im Jahr schätzungsweise 10 Millionen Euro erhält.

Hertha BSC hatte MoPlay im Februar dieses Jahres für eine ungenannte Geldsumme als offiziellen Sportwetten-Sponsor gewonnen. Die Buchmacher versprachen sich von diesem Schritt eine größere Bekanntheit im deutschen Markt.

 

Derzeit gibt es keine Anzeichen, dass MoPlay auch diese Partnerschaft beendet hat. So wird das Unternehmen auf der Webseite von Hertha BSC noch immer als Sponsor genannt. Auch von Seiten des Wettanbieters deutet nichts darauf hin, dass das Sponsoring in Deutschland ebenfalls eingestellt werden soll.

 

Wettbüros als wichtige Einnahmequellen für die Clubs

Im Laufe der letzten Jahre haben Sportwettenanbieter ihre Werbepräsenz in der englischen Premier League massiv ausgeweitet und sind damit zu einem bedeutenden Finanzier der Clubs geworden. Einer aktuellen Einschätzung [Seite auf Englisch] der britischen Tageszeitung The Guardian zufolge lassen sich die Unternehmen das in dieser Saison rund 69 Millionen Pfund Sterling kosten.

 

Wie weit sich das Sponsoring inzwischen verbreitet hat, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass die Logos der verschiedenen Anbieter auf den Trikots von 50 % der Ligavereine prangen. Unter den Top-44 von Englands Vereinen finden sich sogar 27 derartige Sponsoring-Deals.

 

Mit ihrem Engagement zählt die Wettbranche zu den größten Förderern im englischen Fußball. Den höchsten Betrag erhält der in London beheimatete Club West Ham: Das Unternehmen Betway überweist dem Verein jährlich 10 Millionen Pfund Sterling.

 

Angesichts der in der Premier League sonst üblichen Sponsoringgelder wirkt dieser Betrag allerdings äußerst mager. So lässt sich der US-amerikanische Automobilproduzent Chevrolet das Hauptsponsoring bei Manchester United 80 Millionen Pfund Sterling im Jahr kosten. Dies dürfte es dem Club erheblich erleichtern, die ausstehenden Zahlungen von MoPlay zu verschmerzen.

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