, 19.01.2021

Die Betreiber italienischer Wettbörsen haben den Rechtsstreit um eine Aussetzung der jüngst eigeführten Zusatzsteuer für Buchmacher verloren. Das endgültige Urteil dazu hat am Montag der italienische Staatsrat in seiner Funktion als oberstes Verwaltungsgericht gefällt.

 

Laut diversen Branchenmedien könnte die Entscheidung den Wettbörsen nun den letzten Schlag versetzten. Die Zusatzsteuer von 0,5 % auf alle getätigten Einsätze sei für die Anbieter schlicht nicht tragbar.

 

Da die über die Plattformen erfolgten Einsätze zwischen den Teilnehmern hin- und hergingen, der Anbieter selbst aber nur eine geringe Provision einbehalte, übersteige der durch die Steuer geforderte Betrag die tatsächlichen Einnahmen des Betreibers zum Teil um ein Vielfaches.

Die Steuer war im Mai letzten Jahres eingeführt worden und sollte dazu dienen, die von der Corona-Krise gebeutelte Sportindustrie wieder mitaufzubauen. Sie soll von allen Unternehmen, die im Sportwetten-Bereich tätig sind, unabhängig ihrer Größe, ihrer Angebote und ihres Nettogewinnes erbracht werden.

Aus diesem Grund hatte die italienische Steuerzollverwaltungsbehörde (AGM) die Wettbörsen im September ursprünglich von der neuen Steuerpflicht ausgenommen. Im November zogen dann jedoch auch andere Buchmacher vor Gericht, um ebenfalls eine Ausnahme zu erwirken.

 

Dies hatte zur Folge, dass das Regionale Verwaltungsgericht (TAR) der Region Latium die Steuer für einige Wochen pausierte. Im Dezember jedoch bestätigte das Gericht dann, dass alle Buchmacher, und zwar inklusive der Wettbörsen, die Steuer zu zahlen hätten.

 

Betfair Italia suspendiert Kundenkonten

Da der Staatsrat das Urteil des TAR Latium nun in oberster Instanz bestätigt habe, bleibe den Wettbörsen in Italien nichts anderes übrig, als ihre eigenen Konsequenzen zu ziehen.

 

Wie das Branchenmagazin AGRIPO News heute Morgen berichtet hat, habe Betfair Italia am Montag den Betrieb seiner Wettbörse stark heruntergefahren. Das Unternehmen habe in erster Linie die Konten von VIP-Spielern und High Rollern vorübergehend suspendiert. In einer Erklärung des Unternehmens heiße es:

Betfair Italia hat leider die schwere Entscheidung treffen müssen, die Aktivitäten einiger Spieler auf unserer Wettbörse, die unser Produkt als regelmäßige und loyale Kunden nutzen, einzuschränken. Unser Ziel ist, die Verluste zu mindern, die diese Steuer und einbringt, die unserer Ansicht nach die besonderen Umstände von Wettbörsen außer Acht lässt.

Zuletzt habe Betfair Italia 103 % seiner Profite in Form der Steuer zahlen müssen. Aufgrund des Geschäftsmodells einer Wettbörse seien Verluste rein mathematisch nicht abwendbar, solange die Steuer auf die getätigten Einsätze statt auf die Einnahmen der Betreiber gerechnet würden.

 

Das Unternehmen hoffe daher, dass die betroffenen Kunden Verständnis zeigen würden, ihren Handel auf der Wettbörse vorrübergehend aussetzen zu müssen.