, 24.04.2017

Das Bild zeigt einen Raucher und Biertrinker.

Bier ist ungebrochen beliebt, normale Zigaretten werden jedoch immer weniger geraucht. (Bildquelle)

Die im westfälischen Hamm ansässige Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) hat in Berlin das Jahrbuch Sucht 2017 vorgestellt. Diese jährliche Publikation klärt über die Verbreitung verschiedener Suchtmittel in Deutschland auf. Die herausgegebenen Zahlen beziehen sich auf die Jahre 2015 und 2016. Alkohol ist wie schon in den Vorjahren das „beliebteste“ Suchtmittel der Bundesbürger. Hinter Tabak und Medikamenten rangiert Glücksspiel mit ca. 215.000 pathologisch Betroffenen auf den hinteren Plätzen. Zum Vergleich: Fast 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter einer Alkoholabhängigkeit.

 

Besorgniserregendes Glücksspiel bei 455.000 Personen

Insgesamt waren in der Bundesrepublik 2015 mehr als 455.000 Personen von Problemen im Zusammenhang mit Glücksspiel betroffen. Davon entfallen rund 215.000 Menschen auf die Kategorie des pathologischen Glücksspiels, während mehr als 240.000 Personen zumindest ein problematisches Spielverhalten aufweisen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich auch 2015 nicht viel am Anteil der Glücksspielsuchtfälle bei Beratungsstellen geändert. Mit ca. 7,8 % der Einzeldiagnosen und 6,8 % der Hauptdiagnosen wurden 2015 insgesamt rund 44.000 Personen wegen pathologischer Spielsucht betreut und beraten. Abhängigkeiten von Spielautomaten führen mit 72,2 % die Liste an. Eine leichte Steigerung konnte die Hauptstelle für Suchtfragen jedoch im Bereich der stationären Behandlungen feststellen. Je nach Einzel- oder Hauptdiagnose liegen die Zahlen bei 5,3 % und 2,6 %.

 

Insgesamt weniger Gefährdung durch Glücksspiel

Besonders aussagekräftig sind die Erkenntnisse zur Wahrscheinlichkeit, dass eine Person im Laufe ihres Lebens oder innerhalb eines Jahres einem Glücksspiel nachgehen wird:

„Die Lebenszeit- und 12-Monats-Prävalenz der Teilnahme an Glücksspielen ist in der Bevölkerung seit 2009 von 87,1 % bzw. 53,8 % auf 77,6 % bzw. 37,3 % im Jahr 2015 zurückgegangen.“

Was die Marktentwicklung angeht, so konnte der legale Glücksspielmarkt 2015 eine Umsatzsteigerung in Höhe von 3,9 % auf 40,3 Milliarden Euro verzeichnen. Dies ist auch einem Zuwachs an Spielen in Spielhallen und an in der Gastronomie aufgestellten Geldspielgeräten zuzuschreiben.

 

Zigaretten im Abwärtstrend, Alkohol stabil

Das Bild zeigt das Jahrbuch Sucht 2017.

Das Jahrbuch Sucht 2017 ist jetzt vorgestellt worden. (Bildquelle)

Der Zigarettenkonsum ist 2016 um 7,7 % zurückgegangen. Gleiches gilt mit minus 1,1 % für den Verbrauch von Feinschnitt-Tabak für selbstgedrehte Zigaretten. Ein Anstieg von 3,2 % konnte indes bei Zigarren und Zigarillos beobachtet werden. Spitzenreiter im Entwicklungsvergleich ist mit einer Steigerung um 45,6 % der Pfeifentabak. Was den Alkoholkonsum der Bevölkerung angeht, so entfallen auf jeden Bundesbürger pro Jahr 9,6 Liter reiner Alkohol. Damit ist der Pro-Kopf-Verbrauch unverändert hoch. Den größten Anteil macht Bier aus. Laut Hochrechnungen sind rund 3,4 Millionen Menschen in irgendeiner Weise von Problemen im Zusammenhang mit Alkohol betroffen. 74.000 Todesfälle werden jährlich durch den  Missbrauch von Alkohol oder in der Kombination mit Tabak registriert.

 

Steuereinnahmen aus Glücksspiel überwiegen Profit aus Alkohol

Interessant ist auch ein Vergleich der durch suchtartiges Rauchen und krankhaften Alkoholgenuss verursachten Kosten für den Staat und der durch Steuerzahlungen aus der Glücksspielindustrie sowie der Alkoholbranche generierten Einnahmen für den Fiskus:

„Die durch das Rauchen entstandenen Kosten belaufen sich in Deutschland jährlich auf 79,09 Mrd. Euro. Davon sind 25,41 Mrd. Euro direkte Kosten zum Beispiel für die Behandlungen tabakbedingter Krankheiten, Arzneimittel etc., und 53,7 Mrd. Euro indirekte Kosten zum Beispiel durch Produktivitätsausfälle.“

Das Handelsblatt Research Institute veröffentlichte kürzlich die folgenden Zahlen zur Steuerentwicklung in der Glücksspielbranche:

„Im regulierten Markt kamen im Jahr 2015 Steuern und Abgaben in Höhe von rund 5,3 Milliarden Euro  zusammen – mehr als die Hälfte der Bruttospielerträge des Marktsegmentes (10,448 Mrd. Euro). Dazu kamen 243 Millionen Euro an Sportwettsteuer aus dem nicht-regulierten Markt.“

Im Suchtbuch heißt es bezüglich der Alkoholindustrie:

„Eine aktuelle Untersuchung beziffert die direkten und indirekten Kosten des Alkoholkonsums in Deutschland auf rund 40 Mrd. Euro. Dem stehen Einnahmen des Staates aus alkoholbezogenen Steuern von nur 3,191 Mrd. Euro (2015) gegenüber.“

Es bleibt also festzuhalten, dass die Steuereinnahmen aus Glücksspiel jene aus Alkoholkonsum um fast 2 Milliarden Euro jährlich übersteigen. Gleichzeitig sind wesentlich weniger Menschen von pathologischem Glücksspiel betroffen, als es Alkoholiker gibt. Die Folgen von Tabak- und Alkoholabhängigkeit verursachen außerdem jedes Jahr Gesamtkosten in Höhe von rund 120.000 Milliarden für den deutschen Staat.