, 25.11.2019

Besucher von Irlands Pferderennbahnen könnten in dieser Woche ohne örtliche Wettangebote dastehen: Aufgrund von Differenzen mit den Veranstaltern der Pferderennen hat die Vereinigung der Buchmacher, die Irish National Professional Bookmakers Association (INPBA) angekündigt, auf den Bahnen ab dem 26. November keine Pferdewetten anzubieten.

 

Streit um zu hohe Kosten und zu viele Rennen

Im Kern dreht sich die Kritik der INPBA um die verschlechterten Rahmenbedingungen für seine Mitglieder. Dabei geht es um zu hohe Eintrittsgelder für die Buchmacher und die Zunahme von Renntagen im jährlichen Renn-Kalender.

Wetten auf Irlands Pferderennbahnen

Die an den irischen Rennbahnen operierenden Buchmacher bieten die Wetten nicht an Wettschaltern an, sondern sind normalerweise vor den Tribünen anzutreffen. Dort sind sie an ihren Schildern zu erkennen, auf denen ihre aktuellen Quoten verzeichnet sind. Da diese sich teilweise zwischen den einzelnen Buchmachern unterscheiden, können sich Besucher an denjenigen Anbieter wenden, der ihnen die beste Quote für eine beabsichtigte Wette offeriert.

Der Verband moniert, dass seine Mitglieder gegenüber normalen Besuchern den fünffachen Eintrittspreis zahlen müssten. So sei es an Wochenenden keine Seltenheit, dass auf diese Weise allein 100 Euro für den Zugang zum Renngeschehen fällig würden.

 

Pferderennen in Irland

In Irland sind die Rennen populär (Bild: hri-ras.ie)

Zudem fänden inzwischen zu viele Rennen statt, so der Verband. So seien 2019 370 Veranstaltungen angesetzt. Die Inflation der Events habe dazu geführt, dass die Anzahl der Besucher insbesondere an Wochentagen in den letzten zehn Jahren stark abgenommen habe.

 

Neben den vielen Rennen sei die unattraktive Ansetzung der einzelnen Rennen ein Grund für die nachlassenden Besucherzahlen. Der Verband kritisiert, dass Pausen von 35 Minuten zwischen den bis zu acht Rennen eines Events einfach zu lange seien, um Besucher von Anfang bis Ende für das Renngeschehen zu begeistern.

 

Die Folge für die Buchmacher: Ihre Tagesumsätze seien in der letzten Dekade um bis zu 75 % gesunken. Deshalb fordert die INPBA von den Veranstaltern ein Entgegenkommen.

 

Der INPBA-Vorsitzende Ray Mulvaney erklärte:

Wir waren [mit AIR und HRI] in Gesprächen um zu erklären, dass sich die Dinge geändert haben. Unsere Industrie hat sich verändert, und wir brauchen etwas Entlastung.

Bisher keine Reaktion der Organisatoren

Auf der anderen Seite stehen mit der Association of Irish Racecourses (AIR) [Seite auf Englisch] und Horse Racing Ireland (HRI) zwei Pferdesport-Verbände, die für die Veranstaltung der Rennen zuständig sind. Beide haben bisher jeglichen Kommentar zum angedrohten Streik verweigert.

 

Dabei machen die Buchmacher deutlich, wie schwer ihnen der angedrohte Schritt fällt. In ihrer Ankündigung halten sie fest:

Wir lieben, was wir tun und wir stehen im Mittelpunkt des irischen Rennsports. Deshalb haben wir nie gewollt, dass so etwas passiert.

Sollte eine Reaktion von HRI und AIR jedoch weiterhin ausbleiben, sei der Streik unumgänglich, um auf die Situation der Buchmacher auf den Pferdebahnen öffentlichkeitswirksam hinzuweisen.

 

Trennt sich die HRI von ihrem Wettgeschäft?

Derweil überlegt das Management der HRI, sich von ihrem Wettgeschäft ganz oder zumindest teilweise zu trennen. Dabei steht das Tochterunternehmen Tote Ireland im Mittelpunkt der Überlegungen, das im Jahr 2017 einen Umsatz von 69,2 Millionen Euro erwirtschaftete.

Das 1929 gegründete Unternehmen Tote Ireland ist mit seinem Wettangebot auf 25 Pferderennbahnen in Irland aktiv und damit ein bedeutender Anbieter für Pferdewetten. Das Unternehmen, das sich zu 100 % im Besitz der HRI befindet, verwendet sämtliche Profite zur Finanzierung der Pferderennsports auf der irischen Insel.

Der Hauptgrund für die Verkaufsabsichten dürfte das nachlassende Geschäft sein. So verlor Tote in den letzten Jahren Marktanteile an andere, hauptsächlich aus dem Onlinebereich stammende, Wettanbieter: Lag der Umsatz 2017 noch bei knapp 100 Millionen Euro, stürzte er im vergangenen Jahr um ein Drittel auf 69,2 Millionen Euro ab.

 

Auch in diesem Jahr ging die Talfahrt weiter, denn Tote verlor im ersten Halbjahr weitere 11,7 % seiner Einnahmen. Nach Angaben der Geschäftsleitung steht HRI deshalb bereits mit möglichen Käufern in Verhandlungen.

 

Die Situation der Tote und der Buchmacher auf den Rennbahnen zeigt, wie schwierig die Lage für physische Buchmacher in Zeiten des Online Glücksspiels inzwischen geworden ist.

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