Dienstag, 17. Mai 2022

Ausbeutung von Problemspielern? Kindred Group reagiert auf Anti-Glücksspiel-Tweet von Politikerin

Mann mit Smartphone in der rechten Hand auf Sofa Kindred wehrt sich gegen Vorwurf, Werbe-SMS an gesperrte Spieler zu verschicken (Bild: Pixahive/CC0)

In einem Twitter-Post hatte die britische Parlamentarierin Carolyn Harris dem schwedischen Glücksspiel-Konzern Kindred Group kurz vor Weihnachten vorgeworfen, Problemspieler „auszubeuten“. Das Unternehmen hat nun reagiert und am Montag einen offenen Berief [Seite auf Englisch] an die selbstbekennende Glücksspiel-Kritikerin veröffentlicht.

Wie Neil Banbury, Geschäftsführer von Kindred UK, darin erklärt, sei er über die Wortwahl und den mitschwingenden Tonfall der Parlamentarierin „überrascht“. So hatte die Parlamentarierin den Tweet eines nach eigener Angabe vom Glücksspiel ausgeschlossenen Briten geteilt. In dem Post ist ein Screenshot einer Werbe-SMS der Kindred-Tochter Unibet zu sehen.

Der Mann habe die Werbung erhalten, obwohl er sich vor neun Monaten von allen Online-Glücksspiel-Seiten ausgeschlossen habe. Harrys teilte den Post mit den Worten „Sie sind unermüdlich bei der Ausbeutung. BLEIBT STARK“.

Wie Banbury in dem Brief an Harrys erklärt, habe die Parlamentarierin den Tweet voreilig und ohne ihn zu hinterfragen geteilt. Tatsächlich sei auch der Konzern selbst auf den Post des Mannes aufmerksam geworden. Nachforschungen hätten dann schnell gezeigt, dass dieser unter Angabe falscher Personendaten inzwischen ein neues Kundenkonto eröffnet habe.

Das Selbstausschluss-Programm GAMSTOP habe ihn daher nicht identifizieren können. In der Folge habe die nicht personalisierte Werbe-SMS ihn erreichen können. Statt den Tweet fraglos zu verbreiten, hätte auch Harris zunächst prüfen sollen, welche Geschichte sich dahinter verbergen könnte, mahnt Banbury.

Ganz besonders in den Fällen, die sich über soziale Medien verbreiten, ist es oft anders, als es aufgrund eines Tweets scheint. Die Folge ist, dass die Diskussion auf Grundlage falscher Annahmen geführt wird – mit irreführenden und inhaltsleeren Aussagen, welche die Narrative vorantreiben und letztendlich keinem von uns helfen, während wir gemeinsam nach besseren und effizienteren Maßnahmen gegen problematisches Glücksspiel suchen."

Die Herangehensweise von Harris sei bereits „symptomatisch in der Diskussion um verantwortungsvolles Glücksspiel“. Ein Großteil der von Politikern angeführten Argumente basiere nicht mehr auf evidenzbasierten Daten. Es würde beispielsweise einfach behauptet, dass es im Interesse der Glücksspiel-Anbieter sei, die Hälfte ihrer Umsätze durch Problemspieler zu erzielen.

Dies liege jedoch sehr weit von der Realität entfernt. Und tatsächlich gebe es keine Zahlen und Daten, die eine derartige Behauptung stützen würden.

Kindred strebt nach 0 % Einnahmen durch Problemspieler

Kindred selbst hatte sich bereits Anfang des Jahres offiziell dazu verpflichtet, seine Einnahmen aus problematischem Glücksspiel bis Ende 2023 auf 0 % zu reduzieren. Wie Banbury in seinem Brief erklärt, sei der Konzern auf einem guten Weg dorthin.

Entgegen der Behauptung, dass „die Hälfte des Umsatzes durch Problemspieler generiert wird“, haben unsere jüngsten Daten gezeigt, dass es in der Tat 3 % sind. Während dies bereits deutlich niedriger ist, streben wir danach, 0 % zu erreichen. Auf unserer Webseite teilen wir kontinuierlich die entsprechenden Daten zu unseren Fortschritten.“

Der Konzern sei jeder Zeit bereit, Harris‘ Fragen zu beantworten und den von ihr auf Twitter geteilten Fall im Detail zu besprechen. Bislang hat der Brief Kindreds seitens der Politikerin noch keine öffentliche Reaktion hervorgebracht.