, 26.08.2021

Alterskontrollen sollen minderjährige Internet- und Smartphone-Nutzer vor unangemessenen Inhalten schützen. Im App-Store von Apple funktionierten diese in der Praxis jedoch erschreckend schlecht, so das Ergebnis einer am Mittwoch veröffentlichten Studie von Tech Transparency Projekt (TTP) [Seite auf Englisch]. So hätten Kinder weitgehend ungehinderten Zugriff auf Glücksspiel- und Dating-Apps.

 

Glücksspiel samt Ein- und Auszahlung

Das TTP-Team habe unter Nutzung einer fiktiven Apple-ID eines 14-jährigen Mädchens den App-Store gezielt nach nicht kindgerechten Apps durchsucht. Entsprechend den selbst erklärten Jugendschutz-Standards des Tech-Giganten hätten diese für den minderjährigen Apple-Account unzugänglich sein müssen. Dies gilt insbesondere auch für Glücksspiel-Apps.

 

Laut TTP habe der Bereich Glücksspiel bei der Prüfung zwar besser abgeschnitten als beispielsweise Apps mit sexuellen Inhalten, aber dennoch große Lücken aufgewiesen. Während lizenzierte Glücksspiel-Firmen in der Tat von sich aus strikte Alterskontrollen durchführten, arbeiteten einige andere Anbieter hier sehr nachlässig.

TTPs Untersuchung hat herausgefunden, dass Glücksspiel-Apps, die per Gesetz dazu verpflichtet sind, Glücksspiel für Minderjährige zu verbieten, allgemein sorgfältiger bei der Alterskontrolle sind, indem zum Teil Fotos offizieller Ausweispapiere verlangt werden. Allerdings gibt es auch einige bemerkenswerte Ausnahmen.

So habe sich das fiktive 14-jährige Mädchen beispielsweise bei der App „Cash Clash Games: Win Money“ registrieren können. Die einzige „Hürde“ bei der Anmeldung sei gewesen, dass ein Häkchen gesetzt werden müsse, mit welchem der Nutzer erkläre, volljährig zu sein.

 

Nicht nur die Registrierung sei problemlos erfolgt, sondern auch Test-Einzahlungen von Echtgeld. Auch habe die App Gewinne ohne weitere Verifikationen wieder ausgezahlt.

 

Gleichzeitig seien in dem Test-Account Werbeanzeigen für andere Casino- und Glücksspiel-Apps gezeigt worden, darunter z.B. die App „Huge Win Slots! Casino Games“. Laut TTP lasse sich daraus ableiten, dass Apple die Verantwortung allein auf die Anbieter der Apps überträgt.

 

Schockierende Ergebnisse für Dating- und Sex-Apps

Die scheinbare Nachlässigkeit Apples, sein eigenes Kinderschutz-Versprechen einzuhalten, habe sich am gravierendsten in Bezug auf Apps mit Dating und sexuellen Inhalten gezeigt. Dies stehe Apples eigenen Guidelines entgegen, nach denen „offen sexuelle oder pornographische Inhalte“ im App-Store nicht erlaubt sind.

 

Mit dem fiktiven Account habe das TTP-Team jedoch zahlreiche Apps mit derartigen Inhalten gefunden und sich in diesen anmelden können. Ein Beispiel sei die lokale Dating-App UberHoney, die im März 2021 zu den Top-50-Downloads in den USA gehört habe.

 

Nach Öffnen der App seien unmittelbar pornographische Bilder und Videos gezeigt worden, noch bevor auf die Altersbeschränkung hingewiesen worden sei. Eine ähnliche Erfahrung habe das Team mit „Grindr“, einer Dating-App für homo- und bisexuelle Männer gemacht. In der App habe Account der fiktiven 14-Jährigen ungehindert angeben können, 18 Jahre alt zu sein. Das Ergebnis:

Innerhalb von 24 Stunden nach der Anmeldung bei Grindr als vorgeblich 18-Jähriger hat der TTP-Test-Account sechs unerwünschte Nachrichten von anderen Nutzern erhalten, inklusiver zweier mit sexuell expliziten Fotos.

Für die Tester sei eindeutig, dass es bei Apple daher großen Nachholbedarf im Bereich Kinder- und Jugendschutz gebe. Um sein Versprechen effizient einzuhalten, müsse Apple die mit den Apple-IDs festverankerten Altersinformationen schlichtweg mit den im eigenen Store angebotenen Apps teilen. Social-Media-Gigant Facebook mache dies beispielsweise bereits seit längerem.