, 18.07.2018

Mandalay Bay Hotel & Casinos in Las Vegas

Der Betreiber des Mandalay Bay Hotel & Casinos in Las Vegas hat Klage eingereicht (Bild: 10tv.com).

Um potenziellen Schadensersatzforderungen zu entgehen, hat das Mandalay Resort & Casino in Las Vegas die rund 1.000 Opfer des Amoklaufs von Stephen Paddock im Oktober 2017 in einem Präventivschlag verklagt.

 

MGM strebt Haftungsausschluss an

Die MGM Gruppe, die Betreibergesellschaft des Mandalay Bay, hat vor Gerichten in Nevada und Kalifornien eine sogenannte Feststellungsklage gegen mehrere Opfer des Attentats von Las Vegas eingereicht. Mit der Klage strebt MGM einen Freispruch von sämtlichen Haftungs- und Schadensersatzverpflichtungen gegenüber Überlebenden und Angehörigen der Opfer an.

 

Damit reagiert das Unternehmen auf eine bereits im letzten Jahr eingereichte Sammelklage von mehreren Opfern sowie weitere angekündigte Einzelklagen, die bei einem Haftungsausschluss ihre Anspruchsgrundlage verlören. Bei einer erfolgreichen Feststellung des Haftungsausschlusses wäre MGM immun gegen mögliche Ansprüche.

 

Der Hotel- und Casinobetreiber beruft sich auf ein Gesetz aus dem Jahre 2002, das nach dem 11. September erlassen wurde und zwar den sogenannten SAFETY Act. Dieser besagt, dass ein Konzern, der sogenannte „Anti-Terrorismus-Technologien“ nutzt, nicht haftbar gemacht werden kann.

Festivalgelände in Las Vegas

Festivalgelände in Las Vegas (Bild: tagesspiegel.de)

Dies sei bei MGM zum Zeitpunkt des Amoklaufs, der als ein Terrorakt eingestuft werden müsse, der Fall gewesen. Auch sei das Festivalgelände, das ebenfalls von MGM betrieben wird, zuvor von der Homeland Security als sicher ausgewiesen worden.

 

Vielmehr sei der Festivalveranstalter zur Verantwortung zu ziehen, denn die Menschen seien trotz der Schüsse in der Schusslinie stehengeblieben.

 

Kluger Schachzug von MGM?

MGM steht seit den dramatischen Ereignissen im letzten Herbst im Fokus der Öffentlichkeit und vor allem der Kritik. Aufgrund der Tatsache, dass der Täter offenbar ungehindert zahlreiche Waffen in sein Hotelzimmer bringen, Kameras installieren, seine Tat minuziös planen und lange Zeit ungestört schießen konnte, waren die Sicherheitsvorkehrungen im Resorts stark in Frage gestellt worden.

 

Ob sich der Konzern mit seinem jüngsten Schachzug nun einen Gefallen getan hat, ist fraglich. Experten, Betroffene und Medien reden unter anderem von einem „heuchlerischen Manöver“ und einem „PR-Alptraum“. In einem ersten Statement seitens MGM heißt es dazu:

„Jahrelange zermürbende Verhandlungen und Anhörungen sind nicht im besten Interesse der Opfer, der Gesellschaft und all jener, die immer noch mit den Folgen dieser Tat zu kämpfen haben.

Robert Eglet, der Anwalt der Opfer und Hinterbliebenen, reagierte mit einer deutlichen Antwort auf die Entscheidung MGMs und vermutet hinter der Klage den Versuch, das anhängige Verfahren gegen das Unternehmen vor ein anderes Gericht und Richter zu bringen:

„MGM hat das Abscheulichste getan, das in meiner 30-jährigen Karriere bisher gesehen habe. Sie haben die Familien von Opfern verklagt, während diese noch um ihre Verstorbenen trauern. Ich glaube, dass MGM das getan hat, weil sie den Richter nicht mögen, der in Nevada derzeit unseren Fall verhandelt. […] Das ist ein Schachzug, um uns einzuschüchtern und zu verunsichern, ohne dabei gegen die Regeln zu verstoßen. Es ist ungeheuerlich. Die gießen Öl ins Feuer des Leids der Opfer.“

Eglets Kollege, der Anwalt Brian Claypool, der zum Zeitpunkt des Schüsse Gast auf dem Festival war, pflichtete ihm bei:

„Wir denken alle, dass es sich hierbei um eine Schikane handelt, die die Überlebenden einschüchtern soll, die währenddessen rechtmäßig für Veränderung kämpfen und über die Gerichte eine Entschädigung anstreben.“

Catherine Lombardo, ebenfalls Anwältin auf Seiten der Opfer, erklärte, MGM sei „in jedem Fall haftbar“ und habe grob fahrlässig gehandelt, indem man es Stephen Paddock ermöglicht habe, zahlreiche Waffen unbemerkt bis in den 32. Stock hochzubringen.

 

Täter schoss aus Hotelzimmer des Mandalay Bay

Waffenarsenal im Hotelzimmer von Stephen Paddock

Waffenarsenal im Hotelzimmer (Bild: nytimes.com)

Stephen Paddock schoss aus einem Hotelzimmer im 32. Stock des Mandalay Bay auf die rund 22.000 Besucher des Route 91 Harvest Festivals.

 

Am 1. Oktober 2017 tötete der damals 64-Jährige 58 Menschen und verletzte 851 weitere, als er das Feuer auf die Besucher eines Musikfestivals in Las Vegas eröffnete. Als die Polizei ihn stellen wollte, beging er Suizid. In seinem Hotelzimmer wurden anschließen 23 Waffen sichergestellt.

 

Bis heute ist nichts Genaues zum Motiv des Täters bekannt. Zwar war im Laufe der Ermittlungen sowohl von Spielschulden, einer möglichen bipolaren Störung, einer Keimephobie als auch von Kinderpornographie die Rede, doch ein abschließendes Urteil haben die Beamten bis heute nicht fällen können. Relativ sicher ist jedoch, dass Stephen Paddock als Einzeltäter agierte und seinen Selbstmord nicht geplant hatte.

 

Seite Tat sollte als der verheerendste Angriff eines einzelnen Schützen in die US-amerikanische Geschichte eingehen.

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