, 02.01.2019

Bei der Halbzeit der Vierschanzentournee 2018/19 in Deutschland und Österreich mischt Markus Eisenbichler ganz vorne mit, während viele Favoriten auf den Gewinn bei der prestigeträchtigen Tournee bereits ins Hintertreffen geraten sind. Stars wie Stefan Kraft oder Piotr Zyla sind deshalb auch bei den Wettquoten regelrecht abgestürzt.

 

Markus Eisenbichler dicht hinter Ryoyu Kobayashi

 

Nach zwei zweiten Plätzen bei dem Auftaktspringen in Oberstdorf und dem traditionellen Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen belegt der deutsche Skispringer Markus Eisenbichler am heutigen Ruhetag in der Gesamtwertung einen hervorragenden zweiten Platz. Vor ihm liegt nur der japanische Top-Favorit Ryoyu Kobayashi, der beide Springen jeweils für sich entschied.

 

Markus Eisenbichler

Markus Eisenbichler mischt bei der Vierschanzentournee ganz vorn mit. (Bild: Wikipedia)

Allerdings führt der Japaner denkbar knapp: Lediglich 1,9 Punkte trennten die beiden Athleten am Ende des zweiten Durchgangs am Neujahrstag in Garmisch. In Oberstdorf war der Sieg sogar noch knapper aufgefallen, denn dort gewann Ryoyu Kobayashi mit einem hauchdünnen Vorsprung von 0,4 Punkten.

 

Mit dieser hervorragenden Platzierung gilt der deutsche Skisprung-Adler vor den beiden abschließenden Springen am kommenden Freitag von den österreichischen Schanzen in Innsbruck und dem Abschluss am Dreikönigstag am Sonntag in Bischofshofen als größter Herausforderer des Favoriten aus Fernost.

 

In der Gesamtwertung trennen die beiden Spitzensportler gerade einmal 2,3 Punkte, was umgerechnet gut zwei Meter Vorsprung für Ryoyu Kobayashi bedeutet. Der Drittplatzierte, David Kubacki aus Polen, liegt bereits 20 Punkte hinter Markus Eisenbichler zurück.

 

Entsprechend zufrieden gibt sich der neue deutsche Titelanwärter:

„Ich fühle mich saugut. Es war wieder sehr eng. Ich freue mich, dass es so gut läuft. Das erlebt man nicht alle Tage, dass man auf dem Podest steht.“

Dass Markus Eisenbichler seine Freude über den Erfolg nicht versteckt, konnten die Zuschauer auch bei den Siegerehrungen in Oberstdorf und Garmisch hautnah mitverfolgen. Beide Male war der Springer laut jubelnd und freudestrahlend auf das Podest gesprungen.

 

Eisenbichler macht auch bei den Wettquoten einen Sprung nach vorn

 

Die überraschenden Resultate wirken sich auch auf die Wettquoten aus. Springer wie Piotr Zola, Kamil Stoch oder Johann André Forfang fanden sich vor der Tournee mit Quoten von 1:3,45, 1:7,0 und 1:20 stets unter den Top-5 wieder. Inzwischen sind sie mit Quoten von 1:7,5 (Stoch), 1:17 (Zyla) und 1:41 (Forfang) allerdings alle zurückgefallen.

 

Nur der Gesamtführende Ryoyu Kobayashi wurde seiner Favoritenrolle bisher gerecht: Schon vor der Tournee war er mit einer Quote von 1:1,75 Top-Anwärter auf den Sieg.

 

Den größten Sprung hat Markus Eisenbichler getan, der vor der Tournee mit einer Quote von 1:100 gehandelt worden war. Auch die Buchmacher sehen ihn jetzt mit einer Quote von 1:6,0 als den größten Herausforderer, gefolgt von dem überraschend starken Polen David Kubacki (1:7,5)

 

Deutsche Starter mit gemischter Bilanz

 

Der Höhenflug von Markus Eisenbichler kann allerdings kaum darüber hinwegtäuschen, dass die bisherige Bilanz der deutschen Skisprung-Asse zur Halbzeit zwiespältig ausfällt. Bis auf den aktuellen Tournee-Zweiten blieben die anderen Springer teilweise weit hinter den Erwartungen zurück.

 

Skisprungschanze Garmisch-Partenkirchen

Der Misserfolg von Andreas Wellinger in Garmisch kam überraschend. (Bild: Wikipedia)

Während Experten beim ehemaligen Gesamtweltcupsieger Severin Freund nach zwei auskurierten Kreuzbandrissen von vornherein vor zu hohen Erwartungen gewarnt hatten, kam der Misserfolg von Andreas Wellinger für viele überraschend.

 

Der Olympiasieger verpasste nach durchwachsenen Sprüngen bei den beiden Springen in Oberstdorf und Garmisch jeweils den zweiten Durchgang.

 

Beim Auftaktspringen war er nach einem verpatzten Sprung sogar im Zielraum gestürzt.

 

Skisprung Bundestrainer Werner Schuster reagierte auf die bisherigen Ergebnisse seiner Top-Stars, indem er den noch formschwachen Severin Freund für die Wettbewerbe in Österreich aus dem Team nahm, Andreas Wellinger jedoch Gelegenheit für eine Verbesserung bietet.

 

Werner Schuster sagte zu seiner Entscheidung:

“Severin Freund konnte keine Leistungssteigerung erzielen. Ich denke, es ist eine Befreiung für ihn. Wir brauchen Andreas Wellinger noch. Ich hoffe, dass er dort einen Schritt nach vorne macht.“

In der bisherigen Saison hatten Stephan Leyhe und Richard Freitag mit mehreren guten Platzierungen Hoffnungen auf einen Höhenflug bei der Tournee geschürt. Doch auch sie blieben mit den aktuellen Rängen 9 und 16 hinter den Erwartungen zurück.

 

Das trifft auch auf Karl Geiger zu, der in Engelberg beim letzten Wettbewerb vor der Tournee den ersten Weltcupsieg seiner Karriere feiern durfte. Er fährt als Gesamtzwölfter jedoch ebenso zu den beiden abschließenden Stationen, wie David Siegel (15.) und Constantin Schmid (23.).

 

Auch andere Favoriten enttäuschen

 

Neben Andreas Wellinger hat sich jedoch eine Reihe weiterer Ski-Asse aus dem Kreis der Sieganwärter verabschiedet. Das trifft vor allem auf Stefan Kraft aus Österreich zu, der in Oberstdorf mit einem überragenden zweiten Durchgang als Dritter noch auf das Podest gesprungen war. Wie im vergangenen Jahr scheiterte er allerdings in Garmisch schon in der ersten Runde.

 

Kraft war die letzte Hoffnung der Österreicher auf eine Top-Platzierung im Gesamtklassement. Doch auch bei den Norwegern dürfte die Stimmung gedämpft sein. Die Springer aus dem hohen Norden blieben reihenweise hinter den Erwartungen zurück und haben deshalb so gut wie alle Chancen auf einen Podestplatz bei der Tournee verspielt.

 

In Innsbruck wird das Bergiselspringen am Freitag zeigen, ob die Tournee weiter dermaßen spannend bleibt wie bisher. Sollten Kobayashi und Eisenbichler im Klassement auch danach noch dermaßen eng beieinander liegen, dürfen sich die Fans auf eines der spannendsten Finalwettkämpfe der letzten Jahre freuen.