, 17.05.2020

Im vergangenen September wurde in einem Haus im Kreis Paderborn eine 76-Jährige leblos aufgefunden. Schnell geriet der Schwiegersohn, ein aus dem TV bekannter Tierarzt, unter Verdacht. Nun hat die Staatsanwaltschaft Borchen jedoch Mordanklage gegen dessen Ehefrau, die Tochter der Verstorbenen, erhoben. Hintergrund der Tat könnte eine Spielsucht der Beschuldigten sein.

 

Bayerischer Innenminister am Unfallort

Den Ermittlungen war ein spektakulärer Unfall vorausgegangen. Bei der Kollision zweier Fahrzeuge war in der Nacht zum 23. September 2019 auf der A3 bei Erlangen ein 76-jähriger Mann ums Leben gekommen. Verursacherin war Sandra N. (47), die sich zusammen mit ihrem Ehemann Ralf L. (53) auf dem Weg in den Urlaub befand.

 

Nach dem Crash lief die Frau auf die Gegenfahrbahn, wo sie von einem Wagen erfasst wurde. Einer der Ersthelfer vor Ort war der bayerische Innenminister Joachim Herrmann. Medienvertretern gegenüber gab er damals an:

Mir war klar, dass wir sofort helfen müssen. Daher habe ich schnell zum Handy gegriffen und die Rettungskräfte alarmiert.

Sandra N. kam mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus, ihr Mann wurde noch in derselben Nacht festgenommen. Der Grund: Im Wohnhaus des Paares im nordrhein-westfälischen Borchen war die ebenfalls dort lebende Mutter der Frau leblos aufgefunden worden. Es gebe Hinweise auf Fremdeinwirkung, so die Polizei damals.

 

Hauptverdächtiger: Der Schwiegersohn der Verstorbenen, Dr. Ralf L., ein angesehener Tierarzt, der einem breiteren Publikum aus der Vox-Tiersendung „hundkatzemaus“ bekannt war. Der Mann bestritt die Vorwürfe. Seine Ehefrau hingegen soll ihn schwer belastet haben.

 

Streit um Spielsucht eskaliert?

Nach 99 Tagen wurde Ralf L. aus der U-Haft entlassen. Damals erklärte sein Anwalt:

Mein Mandant hat vom ersten Tag an bestritten, seiner Schwiegermutter etwas angetan zu haben. Aber man hat ihm nicht geglaubt. Er wusste nicht, dass seine Schwiegermutter tot zu Hause lag, als er mit seiner Frau in den Urlaub fuhr.

Anfang Mai wurde Sandra N. in Borchen festgenommen wurde. Nach ihrer Genesung war sie in das Haus, in dem sich die Tat ereignet hatte, zurückgekehrt. Ihr Mann war zu diesem Zeitpunkt bereits ausgezogen.

 

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau nun Mord aus Habgier vor. Sie soll ihre Mutter am 22. September in deren Schlafzimmer attackiert und dann erwürgt haben. Medienspekulationen zufolge sei es denkbar, dass Karin N. ihre Tochter wegen hoher Verluste beim Glücksspiel zur Rede gestellt habe.

 

Ob Sandra N. ihre Mutter möglicherweise tötete, um mit deren Geld ihre mutmaßliche Spielsucht weiter zu finanzieren, dürfte sich in der Verhandlung zeigen. Ein Termin für den Prozessbeginn steht noch nicht fest.