, 29.08.2020

Die Frage, ob Poker als Geschicklichkeits- oder als Glücksspiel eingeordnet werden kann, landet immer wieder vor Gericht. Entscheidend dabei ist, ob der Glücksanteil über oder unter 50 Prozent liegt. Forscher der Universität Heidelberg haben sich der Frage nach dem Geschicklichkeitsanteil nun in einer neuen Studie gewidmet.

 

Poker als Glücksspiel

 

Bei der Definition von Glücksspielen spielt die Frage nach dem Zufall eine entscheidende Rolle. So heißt es im Glücksspielstaatsvertrag § 3 Abs.1:

Ein Glücksspiel liegt vor, wenn im Rahmen eines Spiels für den Erwerb einer Gewinnchance ein Entgelt verlangt wird und die Entscheidung über den Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt.

Als unstrittig gilt, dass Poker im Gegensatz zu Glücksspielen wie Roulette nicht nur vom Zufall bestimmt wird, sondern auch vom Geschick des Spielers abhängt. Um den Glücksanteil dabei genau messen zu können, haben die Wirtschaftswissenschaftler um Prof. Dr. Jörg Oechssler von der Universität Heidelberg ein Wertungssystem entwickelt. Dieses ähnele dem der sogenannten Elo-Zahl beim Schach.

Vom Weltschachverband als „FIDE rating system“ bezeichnet, wird die Wertungszahl beim Schach häufig meist Elo-Zahl genannt. Sie beschreibt die Stärke eines Schachspielers. Je höher die Zahl, als desto stärker gilt der Spieler. Treten Schachspieler gegeneinander an, kann anhand der Elo-Zahl gesehen werden, welches Ergebnis zu erwarten ist. Je nachdem, wie das Spiel dann tatsächlich ausfällt, beeinflusst das Ergebnis wiederum die Elo-Zahl.

Beim Schach, so die Heidelberger Wissenschaftler, lägen die Elo-Zahlen weit auseinander. Sie reichen von einem Wert unter 1.000 bei einem Anfänger bis zu über 2.800 bei einem Weltmeister. Generell gelte, je weiter die Spielerbewertungen auseinander lägen, desto größer sei die Rolle der Geschicklichkeit beim Spiel.

 

Langfristig überwiegt die Geschicklichkeit

 

Je größer der Anteil des Glücks und des Zufalls, desto weniger breit falle die Streuung aus. Genau dies sei bei Poker, aber auch beim Skat der Fall. Beim Schach liege die Standardabweichung, also die durchschnittliche Abweichung vom Mittelwert, bei über 170. Beim Poker und beim Skat dagegen liege die Standardabweichung bei maximal 30.

 

Damit lägen beide Spiele unterhalb der Schwelle von 50 Prozent Geschicklichkeit. Die ändere sich aber mit der Zunahme der Spielererfahrung. So setze sich die Geschicklichkeit langfristig durch. Nach rund 100 Partien würde ein Pokerspieler, der um eine Standardabweichung besser sei als sein Gegenspieler, mit 75 Prozent Wahrscheinlichkeit mehr Partien gewonnen haben.

 

Deutlich niedriger sei der Geschicklichkeitsanteil bei dem Kartenspiel Mau-Mau. Noch höher als beim Schach dagegen liege er beim chinesischen Brettspiel Go.

Similar Guides On This Topic