, March 11, 2016

Flagge der Niederlande

Live und Online Pokerspieler in den Niederlanden mussten durch die Entscheidung des Gerichtes, dass Poker doch ein Glücksspiel sei, eine empfindliche Schlappe hinnehmen. (Bildquelle: Wikimedia.org)

In der Pokerwelt wird schon seit ewigen Zeiten darüber gestritten, ob Poker ein Glücksspiel ist oder nicht. In vielen Ländern weltweit hat Poker den rechtlichen Status eines Glücksspiels. Spieler, Profis und Organisationen wie der Global Poker Index kämpfen aber für die Anerkennung von Poker als Geschicklichkeitsspiel. Ein Gericht in den Niederlanden hat nun ein Urteil aus dem Jahr 2010 revidiert und entschieden, dass Poker doch als Glücksspiel zu betrachten sei.

Ein Glücksspiel liegt vor, wenn bei einem Spiel für den Erwerb einer Gewinnchance ein Entgelt verlangt wird und die Entscheidung über den Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt. Das kritische Definitionsmerkmal für das Pokerspiel ist, ob der Zufall oder die Geschicklichkeit überwiegt, also für das Spielergebnis zu mehr als 50 Prozent verantwortlich ist. Beim Streit, ob Poker ein Glücksspiel ist oder nicht, gibt es zwei Parteien.

Sportähnlicher Status wie Schach oder Bridge

So gut wie alle Pokerspieler kämpfen dafür, dass Poker als Geschicklichkeitsspiel anerkannt wird. Sie gestehen dem Poker sicherlich einen gewissen Glücksfaktor zu, sind aber der Auffassung, dass man diesen mit Können auf lange Sicht fast vollständig eliminieren kann. Würde Poker von den Gerichten nicht mehr als Glücksspiel eingestuft, gäbe es keine Probleme mehr, mit dem in Deutschland aktuell noch vorherrschenden Glücksspielmonopol. Live-Turniere außerhalb der staatlichen Casinos wären genauso legal wie Online Poker bei den zahlreichen Internet Pokerräumen. Poker könnte einen sportähnlichen Status wie auch beispielsweise Schach oder Bridge bekommen.

Die meisten Gerichte dieser Welt sehen es aber anders. Für sie ist Poker ein Glücksspiel, welches süchtig machen kann. Deswegen müsse es reguliert und kontrolliert werden. So auch für das Gericht in den Niederlanden. Dem jüngsten Urteil liegt ein Fall zu Grunde, der schon rund zehn Jahre zurückliegt. Zwischen 2005 und 2007 hatten Richard Blaas und Rene Kurver in der Bar Cafe de Viersprong Bussum im niederländischen Amsterdam 10 Euro Pokerturniere veranstaltet. Dabei nahmen bis zu 70 Spieler an 7 Tischen teil. Die Turniere flogen auf und die beiden Männer wurden vor Gericht gestellt.

Erste Instanz erklärt Poker als Geschicklichkeitsspiel

In der ersten Instanz im Juli 2010 konnte die Verteidigung das Gericht davon überzeugen, dass Poker ein Geschicklichkeitsspiel ist. Doch das Verfahren ging in Revision. Fast sechs Jahre später revidierte ein Gericht in Amsterdam nun das Urteil. Poker sei doch ein Glücksspiel. Der Zufall entscheide, welche Karten man bekomme. Zudem seien bei den Turnieren in der Bar die Blinds kontinuierlich gestiegen, was für das Gericht ein weiterer Indikator war, den Geschicklichkeitsanteil der Spiele geringer zu bewerten.

Die beiden Angeklagten wurden wegen der Veranstaltung von Glücksspielen ohne Erlaubnis zu einer Geldstrafe von je 1.250 Euro verurteilt. Zudem bekamen sie zwei Jahre auf Bewährung. Der Barbesitzer muss eine Strafe von 500 Euro zahlen. Das Holland Casino, welches unter anderem die Amsterdam Masters Classic of Poker (MCOP) ausrichtet, bleibt somit der einzige Ort in den Niederlanden, an dem legal Poker gespielt werden darf.

Nach dem Fall „Eddy Scharf“ müssen Poker Profis in Deutschland Steuern zahlen

Kurioserweise müssen Pokerprofis in den Niederlanden trotzdem ähnlich wie in Deutschland auf ihre Gewinne Steuern zahlen, obwohl ja Glücksspiel Gewinne in beiden Ländern eigentlich nicht versteuert werden müssen. In Deutschland wurde diese Regelung 2015 durch den Präzedenzfall „Eddy Scharf“ bestätigt. Im Jahr 2009 hatte der deutsche Poker-Profi Eddy Scharf einen Steuerbescheid vom Finanzamt Köln/Mitte bekommen. Er sollte rückwirkend für die Jahre 2003 bis 2008 eine sechsstellige Steuersumme zwischen dreihundert und vierhunderttausend Euro auf seine Pokergewinne zahlen. Scharf ging dagegen vor Gericht, scheiterte aber in zwei Instanzen.

Die Gerichte entschieden: Gewinne aus Pokerturnieren können als Einkünfte aus Gewerbebetrieb der Einkommensteuer unterliegen. Turnierpoker sei nach steuerrechtlichen Maßstäben eine Mischung aus Glücks- und Geschicklichkeitsspiel. Bei Scharf war entscheidend, dass er regelmäßig und erfolgreich an Pokerturnieren teilnahm. Schon bei einem durchschnittlichen Pokerspieler trete das Geschicklichkeitselement nur wenig hinter das Zufallselement. Das Urteil bedeutete zwar nicht, dass nun jeder Pokerspieler in Deutschland Steuern auf seine Gewinne zahlen müsse. Wenn aber „Nachhaltigkeit und Gewinnerzielungsabsicht“ im Sinne des Steuerrechts gegeben seien, könne es zu einer Besteuerung kommen.

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